Archiv für Februar 2007

Kauf Haus Rausch Aus Verkauf

Ab morgen heißt es aufgepasst beim Kaufhaus-Kaufrausch: Hertie wird Karstadt. Und Karstadt Hertie. Hä? Ein bisserl kompliziert ist es schon: Die kleinen Karstädtchen in Fürstenried, Laim und Giesing, die zuletzt unter dem etwas unschönen Namen “Karstadt kompakt” liefen (und vom Eigentümer her eigentlich gar keine Karstädte mehr sind), werden in Hertie umbenannt. Und der große Hertie zwischen Hauptbahnhof und Stachus firmiert künftig unter der Marke Karstadt. So weit so gut und so weit ja eigentlich auch wurscht. Wäre da nicht die Tatsache, dass der Hertie bis zum morgigen Marken-
Relaunch der letzte seiner Art und seines Namens in ganz Deutschland und schon fast eine Institution in unserer Stadt ist. Quasi eine der letzten Bastionen des rauhaardackligen demi-mondänen Münchens (largest collection of März-Pullovers for ältere Herrn and very great Trachten-Abteilung) und gleichzeitig der einzige Konsumtempel hierzustadt, der ein klein wenig an das ewige Vorbild der Galeries Lafayette und dergleichen herankommt. Ein bisserl Metropole halt, aber auf gut Münchnerisch.

Pullover
Wissen’s, gut stehen täten die Ihnen alle! (Foto: J. Rudloff/stock.xchng)

Gute Grantler-Gefühle

Was ist nun von der Umbenennung zu halten? Am ehesten ist wohl zu erwarten, dass der Hertie der selben Aufhübschungskur unterzogen wird, die der Oberpollinger-Karstadt auf der anderen Stachus-Seite erst kürzlich hinter sich gebracht hat: Ein bisserl Botox unter die Fassade, eine paar Wagenladungen Straßsteinchen zwischens Interieur und ein dickes Grinsen in die Gesichter der Verkäufer (wo sind bloß die ganzen alten Grantler geblieben?). Ob das gut gehen wird? Das Beispiel Oberpollinger (den wir früher liebevoll Poldi genannt haben) zeigt, dass da Fingerspitzengefühl gefragt ist - und dass solch eine Generalüberholung auch schief gehen kann. In der Vergangenheit war das Haus in der Kaufingerstraße der sympathisch-gediegene Wühltisch der Mittelschicht. Weit über dem Niveau von Woolworth, Kaufland und Konsorten, immer eine Nasenlänge vor dem Kaufhof, nicht so elitär wie Beck am Rathauseck, Konen oder Hirmer. Nicht so hip wie der Sport Scheck und nicht so sportlich ambitioniert wie der Schuster. Der alte Karstadt hatte keine von koksenden, hornbebrillten, auf der Fifth Avenue shoppenden Werbestrategen erdachte Zielgruppenausrichtung. Sondern mehr so ein Gefühl. Ein Gefühl, das sich über lange Jahre entwickelt hat. Eingeschlichen, eingeschliffen hat.

Zipfi-Bob on Oxford Street

Wir erinnern uns noch an die Samstagvormittage, da man mit den Eltern in die Kartstadt-Tiefgarage abtauchte, das Tor zur Fußgängerzonen-Herrlichkeit. Ski-Unterwäsche bei C&A kaufen. Den Zipfi-Bob in einem der Sportgeschäfte. Eine Brez’n beim Rischart. Und Anis-Lakritzbonbons vorm U-Bahn-Ausgang Marienplatz. Dann noch kurz bei Karstadt in den 3. Stock, Damen-Oberbekleidung, und zum Schluss im Krusch-Keller zwei Stück Seife, damit’s den Parktarif ermäßigt gibt. Nun ist aus dem guten, gewiß etwas altersschwachen Enterich plötzlich eine fidele Prinzessin geworden. Internationaler Warehouse-Glam. Oxford Street statt Kaufingerstraße. Bei Hertie, fürchten wir, könnte es genauso werden. Bleibt am End’ nur folgender Trost: Das neue Hertie-Logo (das dann die kleinen Ex-Karstadt-Filialen verpasst bekommen), sieht so aus, wie sich der Oberpollinger in seinen glanzloseren Glanzzeiten angefühlt hat.

28. Februar 2007 mawa 1 Kommentar

Lesen ist das neue Tanzen

Was ist bloß mit den Münchner Clubs los? Während an an allen Ecken und Enden moniert wird, dass kein Schwein Ferkel (weil: junges Schwein) mehr Bücher liest (geschweige denn überhaupt lesen und schreiben kann) oder ins Theater geht, satteln die Discos und Kneipen plötzlich auf Kultur um. Über die schöne Reihe “Im Aquarium” im Cord haben wir ja schon wiederholt berichtet. Das Kilombo (nachdem in der Senftlstraße bald Schluß ist, soll’s im Westend unter anderem Namen weitergehen) und das Substanz sind schon seit vielen Jahren ganz groß in Sachen Literatur-Performances. Hinzu gesellt sich seit einiger Zeit das Ampere - angesichts der Nähe zum großen Zwillingsbruder Muffathalle mag das zwar keine Revolution sein, bisher wurde dort allerdings eindeutiger auf Discoprogramm gesetzt. Die wirklich große Überraschung liefert das 8 Seasons, das sich mit dem monatlichen, in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk München veranstalteten “Culture Clubbing” nun die bildungsnahen Schichten ins Haus holt.

Ampere
Lesebühne oder Tanzfläche? (Foto: muffatwerk.de)

Fleisch bei die Fische

Die neu platzierten Kultur-Reihen können sich durchaus sehen lassen: So tritt in der Maximiliansstraßen-Disse 8 Seasons am 8. März der korrekte Münchner Songwriter Phil Vetter auf (beausweiste Studenten kommen für lau ins Konzert). Das Ampere präsentiert am 14.3. den Franz Ferdinand-Sänger Kapranos mit seinem Tour-und Essens-Tagebuch “Sound Bites”. Ohne Schmarrn: Good old Ulli Wickert persönlich hat uns die Lektüre ans Herz gelegt! Die Appetithäppchen daraus, die die neue Lieblings-Hochkulturpostille Vanity Fair (einem geschenkten Gaul…) kürzlich abgedruckt hatte, lassen allerdings ein eher dünnes Süppchen erwarten. Spannender klingt da der Termin am 22.3. mit DBC Pierre, dem Autor des großartigen Buchs “Jesus von Texas”, der aus seinem neuen Werk “Bunny und Blair” vorlesen wird.

Prosecco, Pumps und Prosa

Bleibt die Frage: Was machen die eigentlichen Kulturinsitutionen angesichts von soviel Konkurrenz aus der Nachtleben-Fraktion? Sie schlagen mit deren eigenen Waffen zurück. Die Kammerspiele zum Beispiel reißen mit ihrer angenehm kurz getakteten Nachtlinie-Reihe (wir berichteten) die Grenzen zwischen Bar, Bühne und Belletristik nieder und die Galerie Lothringer 13 lädt samstäglich zur Ponybar ein, bei der die Kunst eher Nebensache ist. Wohin führt diese Entwicklung? Wird uns das Backstage bald mit Punkrock-Prosa beglücken? Ist zu erwarten, dass Paris Hilton ihre Autobiographie “Prosecco, Pudel und Pumps” im Sommer auf der Terasse des P1 rezitiert? Gibt’s im X-Cess bald Beckett zum Beck’s? Also unseretwegen kann’s ruhig so weitergehn!

27. Februar 2007 mawa Kommentieren

Land (Musik)

Blöd gelaufen: Truck Stop. Cowboy-Stiefel vom Western Store. Schnürsenkel-Krawatten. Redneck-Klischees. Gut gelaufen: Reese Witherspoon als June Carter. Joaquin Phoenix als Johnny. Und schließlich hinter all dem der Man in Black himself. Countrymusik polarisiert. Klar, den Film “Walk the Line” fanden im vergangenen Jahr alle toll (zu Recht!). Johnny Cash war plötzlich, drei Jahre nach seinem Tod, der coole Hund, der er natürlich immer schon war. Sein Spätwerk, die “American Recordings”: Ganz großes Kino. Wenn dann aber Sachen wie beispielsweise der wunderbare (und gewiss etwas schmalzige) Song “If I were a carpenter” laufen, ist für die meisten schon wieder Schluss mit lustig. Das ist doch, äh, Country, oder? Igittigitt. Des ham’ma nicht bestellt. Ja wie jetzt?

Cash-Button
Mann in schwarz - auf gelb. (Foto: sist/isarstadt.de)

Wo ist zuhause, Mama

Einer, der über diesen ganzen etwas absonderlichen Hype wahrscheinlich den Kopf schüttelt (wenngleich er sich sicher auch freut, dass dem Country im Allgemeinen und Herrn Cash im Besonderen nun auch im Kultur-Mainstream ein bisserl mehr der verdienten Ehre zustatten kommt), ist Franz Dobler. Der bayerische Schriftsteller, Journalist und Johnny Cash-Impersonator von Gottes physiognomischen Gnaden hat mit “The Beast in me” eine grandiose Biographie über den Man in Black hingelegt (nach Möglichkeit die schöne, 2002 erschienene Erstausgabe im Kunstmann-Verlag besorgen - das Taschenbuch bei Heyne hat eine gar grauslige Covergestaltung!) Damit nicht genug: Auch das auf unserem Münchner Lieblings-Label Trikont erschienene Cash-Tribute-Album “A boy named Sue” trägt seine Handschrift.

Die Linie walken

Mehr als genug Gründe also, heute Abend gemeinsam mit Dobler den 75. Geburtstag von John R. Cash zu begehen: Um 21 Uhr liest er im Vereinsheim in der Occamstraße aus “The Beast in me”, legt Original- und Coversongs auf und führt selten gesehene Filmausschnitte vor (Dringend reservieren!). In der Seidlvilla findet ab 19.30 Uhr ebenfalls ein “Evening for Johnny Cash” statt - den Dobler gibt’s aber natürlich nur einmal… Wer trotzalledem daheim bleiben und lieber im stillen Kämmerlein dem König des Country huldigen will, dem sei zur Komplettierung der häuslichen Johnny Cash-Sammlung noch das Label Bear Family Records ans Herz gelegt, das eine großartige und riesengroße Raritätensammlung auf Lager hält. Zucker: Das Album “Johnny Cash, Gunther Gabriel und andere”, auf dem nicht nur Covers hiesiger Sänger, sondern auch Cash selber auf deutsch zu hören ist. Wo ist zuhause, Mama?

26. Februar 2007 mawa Kommentieren

Obacht!

5 großartige Begriffe, die wir viel häufiger verwenden sollten:

  • Adabei
  • ausg’schamt
  • Haderlump
  • Lare Hos’n
  • Obacht

Habt Ihr Worte? Dann setzt doch die Liste fort! Wir sind gespannt.

25. Februar 2007 redaktion 3 Kommentare

Provinz ist, wo wir nicht sind

isarstadt goes Ingolstadt: Wie wär’s mit einem Ausflug an die Donau? Normalerweise setzen sich unsere nördlichen Nachbarn ja wochenends in ihre schnellen Audis, um in München die Sau rauszulassen. Heute Abend lohnt der umgekehrte Weg: Der Zündfunk sendet live (19:05 bis 20:00 Uhr) aus der WG eines der rote raupe*-Macher, Daniel Lang. Kurz zur Nachhilfe: rote raupe* ist ein großartiges Online-Indie-Fanzine. Wir sinken vor unserem Laptop regelmäßig demütig in die Knie angesichts des tollen Webdesigns und der vermutlich unvorstellbar riesigen CD-Stapel, die sich in den Speisekammern der roten raupen inzwischen türmen müssen. Aber, so werden wir auf der Site aufgeklärt: André Habermann, der Gründer von rote raupe* (ein Münchner!), schläft auch nur geschätzte 20 Minuten pro Tag. Na dann!

Pelzig
Ingolstadt’s Pride: Pelzig. (Foto: www.pelzig-music.de)

55 Minuten

Leider nicht öffentlich zugänglich ist der Wohnzimmer-Auftritt der Lokalmatadoren Pelzig (siehe zum Thema Ingolstadt auch: Slut) im Rahmen der Zündfunk-Übertragung. Aber folgender Vorschlag: Die Zeit, die wir in unseren alten Schüsseln auf der A9 verbringen, reicht genau aus, um die BR-Sendung in voller Länge zu hören. Und dann steuern wir einfach direktemang die Steuartstraße 2 an, in der sich ein Club mit dem schönen Namen “Apple’s” befindet. Ab 20 Uhr wechseln sich dort Zündfunk- und rote raupe*-DJs ab - gegen dieses Aufgebot sind Atomic und Prager Frühling heute Abend mal richtig Provinz!

24. Februar 2007 mawa Kommentieren

Kunst fällt durchs Netz

Die Galerie Ben Kaufmann (Amalienstraße 14) kennen wir als Ort für spannende junge Künstler und nette, weil recht unprätentiöse Vernissagen. Heute Abend ab 18 Uhr wird mit Elmar Zimmermann eine neue Werkschau eröffnet. Da geh’ ma hin! Stellt sich bloß die Frage: Elmar who? Die Galerie-Homepage gönnt uns nicht mehr Infos als den Namen des Künstlers. Wir recherchieren. Und stoßen auf den Autor des Buches „Kriminologie – für Studium und Praxis“. Klingt interessant, der ist es aber wohl eher nicht. Ebenso wenig der Wissenschaftler selben Namens, der sich auf einer Uni-Seite mit Laborbrille und Schumi-Kinn präsentiert. Dann aber: Ein Kunstmaler aus dem Südschwarzwald… Hmm: Kunstmaler? Wir bleiben skeptisch. Also weiter: Endlich stoßen wir auf den Karlsruher Künstler Elmar Zimmermann. Der muss es sein. Der ist es. Aber Bilder von Herrn Zimmermann im Internet? Fehlanzeige!

Birefmarken
Ungefähr so wird Kunst im Netz präsentiert (Foto: A. Ciesielski/stock.xchng)

Pixel, Pixel an der Wand

Elmar Zimmermann stellt keine Ausnahme dar. Der Däne Per Kirkeby, den wir uns am Wochenende bei Sabine Knust in der Ludwigstraße 7 ansehen wollen, hat immerhin eine eigene Homepage. Mehr als eine Handvoll pixeliger Bilder im Kleinstformat - ohne jegliche Infos – und ein Foto vom Künstler im Atelier wird uns dort aber auch nicht geboten. Schade. Nur sehr wenige Künstler nutzen das Internet vernünftig zur Präsentation ihres Schaffens, auch große Namen sucht man oft vergeblich. Oder man wird an der Nase herumgeführt - siehe www.andreasgursky.de.

Schauklappen

Woran liegt es, dass uns die Künstler, ihre Galeristen und Biographen den Blick auf ihre Arbeit im Internet weitgehend verwehren? Haben Sie Angst, dass wir uns briefmarkengroße Bildchen mit dem Farbprinter ausdrucken und im Ikea-Rahmen an die WG-Wand hängen? Oder ist da ganz einfach noch eine Scheu vor dem nun nicht mehr ganz so neuen Medium vorhanden? Kleiner Tipp an die Kunstschaffenden: Es gibt allein im Münchner Glockenbachviertel sicher fünf Millionen freie und arbeitslose Screendesigner, die liebend gerne und gut Eure Seiten gestalten würden!

23. Februar 2007 sist Kommentieren

Fasten (your seat belt)

Heute: Zwei Ereignisse, die nicht so recht zusammen passen wollen. 150 Jahre Weißwurst. Offizielles Jubiläum. Auf den Tag genau. Und zugleich: Fastenzeit. Seit gestern. Kalbsbrät und Speck und Schweinedarm auf der einen Seite. Mäßigung, Verzicht, Diät, FdH auf der anderen. isarstadt.de schert sich nicht um die Gegensätze (vulgo: “Des is’ uns wurscht!”). Und begeht heute guten Gewissens den Ehrentag seines Wappentieres - aufmerksamen isarstadt.de-Lesern wird ja nicht entgangen sein, was da im Logo inmitten des grünen Sterns prangt… Bleibt nur die alles entscheidende Frage: Zuzeln? Schneiden? Sezieren? Oder gar mitsamt der Haut verspeisen? Brrr, aber so macht’s Wies’nwirte-Urgestein Richard Süßmeier, wie er der Süddeutschen verraten hat, die gleich ein ganzes (sehr lesenswertes) Dossier zum Thema zusammengestellt hat. Wie nähert Ihr Euch der Weißen? Süßer Senf oder Hausmacher? Weißbier als Pflicht oder geht auch was anderes? Hinterlasst Euren Kommentar!

wei�wurscht
Was fehlt auf diesem Bild? Richtig: Die Wurscht. (Foto: mawa/isarstadt.de)

22. Februar 2007 mawa Kommentieren

Setzen, Klausur!

Bekanntermaßen begibt sich jeder, der halbwegs was auf sich hält, Aschermittwochs in Klausur. Für die einen bedeutet das, die Tür hinter sich zuzuziehen. Das “Bitte nicht stören”-Schild rauszuhängen. Und - so stellen wir’s uns zumindest vor - mit dem Kopfweh-Kopf auf der Bürotisch-Platte den Rausch vom Vortag auszuschlafen. Gar lustig war’s im Fasching. Die anderen wiederum schmeißen sich in einem Ort im Südosten Bayerns gegenseitig wüste Vorhaltungen an den Kopf und den Einen der Ihren am Ende des Tages aus dem Amt. Die lachenden Dritten wiederum verstehen das In-Klausur-gehen als Möglichkeit zur Kontemplation. Oder anders ausgedrückt: Mal’s Maul halten und in sich einischaun.

Fische
Smells like Teen Spirit (Foto: Jure Sucur/stock.xchng)

Navigationssystem

Wir bevorzugen Variante drei und empfehlen Gleichgesinnten einen Besuch bei superberti.de. Der Münchner Blogger fotografiert seit Januar jeden Tag in fortlaufender Reihenfolge ein Hausnummern-Schild in der Landwehrstraße. Heute ist die 28 dran. Nicht mehr? Nicht weniger! Ein Besucher des Blogs fragt sich da: “Haben Sie nichts Besseres zu tun?” Und superberti antwortet nonchalant: “Doch”. Ist das Minimalismus? Ist’s Kunst? Oder Google Earth für Zahlenfetischisten? Egal: Uns gefällt es und’s ist auf jeden Fall eine ganze Ecke besser, als mit dickem Schädel dazusitzen oder sich gegenseitig selbigen einzuschlagen.

Fish on a schtick

Eine vierte, letzte Methode der Klausur wollen wir der Vollständigkeit halber hier auch noch erwähnen: Wer’s etwas geselliger mag und doch dem Merkmal der “Einschließung” (siehe Wikipedia-Definition von “Klausur“) genügen will, ist heute Abend in einer unserer Lieblings-Klausen, der Südstadt im Schlachhof-Viertel, richtig. Das traditionelle Aschermittwochs-Fischstäb-
chen-Essen
dort ist nämlich so beliebt, dass die, die nicht rechtzeitig reservieren, vor verschlossenen Türen stehen werden.

21. Februar 2007 mawa Kommentieren

Bubilicious

Dass uns Bayern außerhalb des Freistaats keiner so recht leiden mag, ist kein Geheimnis – wenngleich wir sicher sind, dass manches Vorurteil allein auf Missverständnissen beruht. So neigen unsere Freunde in der Hauptstadt ja dazu, die schätzungsweise 3,2 Millionen in Mitte, Kreuz- und Prenzlberg lebenden Schwaben (damit uns jetzt niemand lyncht, präzisieren wir: Baden-Württemberger) für Bayern zu halten. Egal: Die Sticheleien aus Süd-Skandinavien bringen uns nicht ab von unserer grundsätzlichen Toleranz und Weltoffenheit und von unserem ständigen Bemühen, im nicht-bayerischen Ausland eine gute Figur zu machen. Dass wir mit unseren Assimilationsversuchen immer mal wieder auf der Fresse Gosch’n landen, entmutigt uns kein bisserl. Es sei an dieser Stelle nur an Herrn Stoiber, kürzestzeitigen Botschafter Bayerns in Berlin, erinnert. Ois easy!

Tatort Trottoir
Tatort? Trottoir! (Foto: mawa/isarstadt.de)

Schuhplatt’ln auf der Berlinale

Ein bisserl zittern wir nun aber doch mit, da sich ein junger Schauspieler anschickt, die vakante Stelle des halboffiziellen Repräsentanten Bayerns anzutreten und dieses verantwortungsvolle Amt vielleicht am Ende sogar bis auf Europa-Ebene hieven will. Dass der sich da mal nicht verhebt! Wobei: Kräftig schaut er ja aus, der gerade mal 28-jährige Maximilan Brückner. Und auch die Vita macht was her im Bewerbungsverfahren um den weiß-blauen Botschafterposten: Falckenberg-Schüler. Ensemblemitglied des Münchner Volkstheaters. Jüngster “Tatort“-Kommissar aller Zeiten. “Wer früher stirbt, ist länger tot” und “Schwere Jungs”. Auf der Berlinale zum Shooting-Star des deutschen Films gekürt (was einen kräftigen Karrierekick auch über die Landesgrenzen hinweg bedeuten kann, wie die Liste früherer Preisträger beweist: Franka Potente, Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu, August Diehl, Daniel Brühl und so fort). Trotzdem oder grad drum: Blasmusikant. Schuhplattler. Und, ja eh, überzeugter Landbewohner (Riedering am Simssee).

Tuba und Tatort

Freilich ruft so viel Erfolg in Jungen-Jahren gleich die Neidhammel, die norddeutschen, auf den Plan. Der “stern” tut den Schauspieler böse als “blonde Sixpack-Putte mit Tuba” ab, ein Leser-Kommentator tritt nach: “Es lebe die Bubikratie!”. Netter ist da die “taz”, die ihn unter dem liebevoll gemeinten Titel “Landei vom Dienst” vor allzu platter Kritik in Schutz nimmt. Wir kennen Brückner ehrlich gesagt nur aus den bisher zwei “Tatort”-Folgen, in denen er als Exil-Bayer den neuen Saarbrücker Kommissar mimt. Und die waren etwas flach, der Charakter des Ermittlers Kappl wirkt eindimensional, Bauernschädl-Klischees und Dialekt-Dialektik werden arg überstrapaziert (Thema Tuba!). Aber wie das bei allen “Tatorten” ist: Verhunzen tun’s letztendlich seltener die Schauspieler als die (zum Glück regelmäßig wechselnden) Regisseure. Schau’ma mal, was wir noch alles hör’n von dem jungen Herrn Brückner aus Riedering!

20. Februar 2007 mawa Kommentieren

Tanz die Rote Beete!

Es gibt ein paar Plätze in München, an denen man auch als Einheimischer immer irgendwie Tourist bleibt. Im Drehrestaurant vom Olympiaturm zum Beispiel. Auf dem Alten Peter oder im Innenhof des Neuen Rathauses. Im Schloßpark Unterschleißheim. Im Schädel der Bavaria. Zu Füßen der Frauenkirche. Und: Auf dem Viktualienmarkt, zu dem morgen Vormittag
ja wieder die halbe Stadt strömt, um dem unweigerlich folgenden Aschermittwoch noch einen ordentlichen Kater aufzuzwingen.

Kehraus
Kehraus: Federn lassen! (Foto: mawa/isarstadt.de)

If it’s Munich, we know it

Klar, als Münchner lieben wir den Markt (der in diesem Jahr übrigens 200-Jähriges feiert), kennen fast alle seine Ecken und Kanten. Schleppen jeden auswärtigen Besucher in den an sich ja nicht grad pittoresken Biergarten. Holen uns die Fischsemmel nicht bei der großen Gastrokette mit dem so gar nicht bayrischen Namen, sondern einen Stand weiter bei den Herren mit dem originellen Werbespruch auf dem T-Shirt: “If it swims, we have it”. Wissen, wo in der Metzgerzeile es den besten Leberkäs und die schönste Weißwurscht gibt. Haben schon mal das Pferdefleisch probiert und das Tagesgericht aus der Suppenküche. Aber ganz ehrlich: Wer behauptet, er habe deswegen den Viktualienmarkt wirklich, richtig, vollends kapiert, ist entweder ignorant oder er flunkert.

Volkstümliches im Oanser

Wir fragen uns schon seit Jahren: Was hat es eigentlich mit den Pils-Weiß-
bier-Stamperl-Spelunken auf sich, die den Markt Tal-wärts umschließen und wo schon hellichten Tages laut Volkstümliches ertönt und von gelegentlichen Raufereien berichtet wird? Warum ist die Haut manches jüngeren Standbetreibers nicht von Wind und Wetter gegerbt, sondern von der Höhen- oder der ibizenkischen (jaja, das heißt tatsächlich so!) Sonne? Weshalb gewanden sich einzelne Markthändler in Designer-Jeans und rosa Polo-Hemdchen mit Reiter vorn drauf statt in der blauen Schürze und
granteln mit ihren Stammkunden nicht über die Großmarkt-Preise für Kartoffel und Rote Beete, sondern darüber, dass im “Oanser” in letzter Zeit auch immer mehr G’schmeiß unterwegs und es doch im Winter eigentlich nur in “Stänt’n” (St. Anton) wirklich auszuhalten sei. Und warum ist die Schrannenhalle eigentlich das geworden, was sie geworden ist und in keiner Weise das, was sie hätte werden können?

19. Februar 2007 mawa Kommentieren

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