Archiv für März 2007
Das gelbe Meer verschwimmt langsam vor unseren Augen. Die durchs heruntergekurbelte Fenster einströmenden Dämpfe machen uns schläfrig. Und das Warten: Erst mürbe. Dann aggressiv. Eigentlich hatten wir uns das Wochenende anders vorgestellt, als hinter einer Kolonne von Campingmobilen mit holländischen Kennzeichen den Irschenberg hinauf zu zuckeln. Wird wohl ein 12-Uhr-Pass. Wenn wir’s heut überhaupt noch bis ins Skigebiet schaffen. Da hilft nur noch Plan B: Wir drücken die Rewind-Taste und beamen uns direkt nach München zurück. Gibt ja auch in der Stadt genug zu unternehmen.

Mal das Auto steh’n lassen: Der Ring von unten (Foto: mawa/isarstadt.de)
Schrebergärten in Disneyland
Wir entscheiden uns für eine Erkundungstour. Einen unserer Klassiker. Vielleicht einen der schönsten, sicher einen der abwechslungsreichsten Stadt-Spaziergänge. Entlang des Auer Mühlbachs. Wir steigen ein zwischen Deutschem Museum und Motorama, in der Lilienstraße. Und werden erst beim Tierpark Hellabrunn wieder aufzuhören zu laufen. Zwischendrin: Kleine, alte Hexenhäuschen und Mietskasernen in Reih und Glied. Unberührte Natur, Schrebergartenidylle und Lärmschutzwände am Mittleren Ring. Eiskalte Gischt am Stauwehr, ein sanft plätschernder Bach. Ein Jugendgefängnis und daneben die Paulaner Brauerei (was von beidem kam zuerst?). Kurios: Die Kraemermühle, vor allem aber das Templerorden-Kloster, das auf den ersten Blick wirkt wie eine Mischung aus Schwarzwald, Rotem Platz und Disneyland. Und das alles mitten in München!
Auch Lust bekommen? Einen Eindruck vom Weg und viele Hintergrundinfos zum Auer Mühlbach liefert die wirklich großartige Seite www.auer-muehlbach.de.
30. März 2007
mawa
Vor ein paar Tagen haben wir in unserer MP3-Bibliothek mal ordentlich aufgeräumt. Das heißt zum Beispiel, die ungefähr 50 Bands, die unter T wie “The” eingeordnet sind, ein bisserl einfacher auffindbar zu machen. Das heißt aber auch, so wunderschön Musik-nerdige Sachen zu tun, wie die Liste mit den meistgehörten Songs zu checken oder zu zählen, wie viele verschiedene Versionen ein und desselben Liedtitels gespeichert sind. Unser Highlight in Sachen unnützes Wissen: Gleich zwölfmal sind wir in unserer Musik-Datensammlung auf das schöne Wort “Munich” gestoßen! Na gut, DJ Hell verbucht mit seinem Album “Munich Machine” gleich zehn Treffer auf einmal. Ziemlich stolz sind wir aber auf die beiden großartigen Tracks “Munich Air Disaster 1958″ von Morrissey und “Munich” von den Editors (richtig: das “The” vorm Bandnamen haben wir gestrichen).

Tunnelblick? Neuer U-Bahn-Schacht? CD-Cover! (Foto: editorsofficial.com)
Im Dunkeln tappen
Während bei dem ehemaligen Smiths-Frontmann (ausnahmsweise) ziemlich klar ist, worum es in seinem Lied geht, tappen wir bei den Editors ziemlich im Dunkeln. Der Songtext lässt keinerlei Bezug zu München erkennen. Die Google-Recherche führt zu einem auf der österreichischen Website fm5.at (what happened to FM4?!) veröffentlichten Interview mit der britischen Band. Angeblich, so die Musiker, stecke kein tieferer Sinn hinter dem Songtitel. Nix, niente. Diese Aussage ist ja nun: Langweilig. Doof. Ausweichend. Schlichtweg: Nicht akzeptabel. Packt man tatsächlich elf Lieder auf eine CD (die auch noch das Debut darstellt) und denkt sich dabei nichts? Das wollen wir nicht glauben. Das kann nicht alles sein! Da hören wir doch lieber eine nachträglich fein zusammengeschusterte, von vorn bis hinten erlogene, aber dafür originelle Story. Also, bitte: Falls jemand von Euch mehr weiß (oder sich selber eine schöne Entstehungsgeschichte für den Song ausdenken möchte), sagt Bescheid! Hinterlasst Kommentare! Dann geben wir den Editors als Dank vielleicht auch ihr “The” wieder zurück.
29. März 2007
mawa
Lieber Herr Eberhard Straub,
bitte entschuldigen Sie, dass wir uns erst heute melden. Schon vor einer Woche, am vergangenen Mittwoch, ist in einer von uns hoch geschätzten Tageszeitung ein Artikel von Ihnen erschienen, in dem Sie uns direkt angesprochen haben. Wir verstehen’s als Art Chiffre-Botschaft, die Sie uns da hinterlassen haben. Uns Münchnern. Sie haben doch uns gemeint, als Sie von den vor Aufregung rotbackigen, lächerlichen Trachtensepp’ln sprachen, oder? Denen, die sich durch eine Stadt namens Dresden bedroht fühlen, deren plötzliche Blüte bis in die hintersten Alpengipfel hinein strahle. Lieber Herr Straub, wenn uns jemand so direkt adressiert, wollen wir ihm doch eine Antwort nicht schuldig bleiben. Oder wie man hier in Bayern sagt: Der Watsch’nbaum fällt scho’ glei’ um!

Dresden - durch die rosa Brille geseh’n (Foto: R. Evdokimoff/stock.xchange)
Rokoko-Rotz
Ha: Das hätten Sie sich wohl so gedacht, dass wir hier unten im Süden wegen solch einer aufrecht preußischen Breitseite gleich unsere Nerven verlieren. Falsch: Wir weisen Sie lieber ganz gesittet darauf hin, dass Ihre Thesen in unseren Augen das sind, was man auf dem Acker vorfindet, wenn die Kuh etwas in den falschen Magen bekommen hat. Sie sagen (in dem Teil Ihres Artikels, bevor alles recht wirr wird), wir Münchner hätten Angst, dass Dresden unserer Stadt den Rang als Barock- und Rokoko-Perle und Schicki-Metropole ablaufe. Ois ganz sublim, gell? Erstens: Wir dachten bisher immer, es ginge in Sachen Standortfaktoren eher um Biergärten, Berge und das bayrische Laisser-faire. Und zweitens: We couldn’t care less - was natürlich einer der von Ihnen beklagten und angeblich so münchnerischen Anglizismen ist, im Endeffekt aber auch nix anderes heißt, als dass wir selbst Sie fairen laissen. Auch wenn wir hierzustadt unverbesserlichen Bildungsbürgerlichen gerne mal dezent auf den Radi rotzen. Ach ja: Das Beste an Dresden sind übrigens, wenn Sie uns fragen, die Dresden Dolls. Und die sind Amerikaner.
Mit freundlichen Grüßen aus der Provinz
28. März 2007
mawa
Da stimmt doch was nicht: Im vergangenen Sommer, inmitten des WM-Wahnsinns, durften wir den sehr geschätzten New Yorker Sänger (oder unseretwegen auch Singer-Songwriter) Adam Green für lau in München sehen. Der Radiosender NRJ hatte in die Muffathalle eingeladen zum kostenlosen Live-Konzert im Anschluss an den Leinwand-Fußball. Prima Sache, aber irgendwie suspekt: Was in dreiteufels Namen hat NRJ mit dem Herrn Grün (oder mit der Frau Mieze, die mit Ihrer Band Mia am Tag danach auftrat) zu schaffen? Nun sind die beiden genannten Künstler ja nicht unbedingt Avantgarde, für die Robbie Williams-auf-Heavy Rotation-Zielgruppe des “Hit Music Only”-Senders ist’s aber doch eigentlich schon wieder zwei Spuren zu schräg. Egal, scheinen sich die Marketingmanager des Mainstreams gedacht zu haben, denn am 14. April legen sie gleich nochmal nach: Adam Green. Für lau. In der Muffathalle. Nur diesmal wird ein anderes Werbeschild’l im Hintergrund hängen: Das von Coca-Cola, kurz: Coke.

Coke on my mind (Zeichnung: sist/isarstadt.de)
Endphasen-Elvis
Ob das mal ‘ne gute Idee ist so in Sachen Marken-Transfer? Bei seinem letztjährigen NRJ-Gig wirkte Green in der Tat so, als sei er der “Coke Side of Life” zugeneigt. Allerdings scheint er das Zeug eher inhalierenderweise zu sich zu nehmen. Kitzelt so schön in die Nasenflügel! Erinnern die (wie gesagt sehr feinen) Songs von der aktuellen Platte “Jacket Full of Danger” stimmlich an den späten Sinatra, gibt er auf der Bühne schon mal den torkelnden und lallenden Endphasen-Elvis mit Bruno-der-Bär-Perücke. Wir zitieren aus dem Song “Pay the Toll”: “How many drugs does it take to get you out of my mind?”. Offensichtlich scho’ ein paar. Passt das wirklich zum Image eines Zuckerbrause-Konzerns? Naja, uns soll’s egal sein. Einem geschenkten Green schau’n wir nicht so genau ins Glas.
27. März 2007
mawa
Manchmal, aber wirklich nur manchmal, ist es doch schön, erwachsen zu sein. Dann darf man zu einem Konzert gehen wie dem der Throwing Muses-Sängerin Kristin Hersh gestern Abend in der Muffathalle. Draußen schon ein Schild: Die Künstlerin (die übrigens auch selbst bloggt) bittet darum, nicht zu rauchen (wir nehmen an, es lag daran, dass ihr kleines Kind im Backstage-Raum wartete). Drinnen Bionade satt im Angebot und am Merchandising-Stand praktische Jute-Tüten mit Viktualienmarkt-tauglichem Aufdruck. Pünktlich geht’s mit der hörenswerten Vorgruppe The McCarricks los, kurze Umbaupause, dann der Hauptact. Um halb elf können wir uns schon wieder glücklich und guten Gewissens auf den Heimweg machen. Müssen ja schließlich am nächsten Morgen wieder fit in der Arbeit erscheinen.

Erwachsene mit Instrumenten (Foto: L. Fletcher/throwingmusic.com)
Posen gibt’s woanders
Klingt spießig, stressig, sauertöpfisch? Nö, wir nennen’s mal schlicht und einfach sympathisch. Sowohl die Band als auch das Publikum (viele Männer mit wenig Haaren, aber sicher großartigen CD-Sammlungen, so stellen wir uns Nick Hornby privat vor) weit entfernt von jeder Pose. Come as you are. Schön kracherte Musik, die natürlich so gar nichts mit Adult Contemporary und ähnlichen Scheußlichkeiten zu tun hat. Und die Beine in den Bauch gestanden haben wir uns bei Konzerten schon für zwei Leben oft genug. Manchmal, aber wirklich nur ganz, ganz manchmal, ist Erwachsensein doch okay. Unartig, unvernünftig sein können wir ja morgen wieder.
26. März 2007
mawa
Wir haben - wie jeden Sonntag - wieder in der Isar nach Perlen getaucht.
Et voilà:
Rot-Weiß: Der mittagesser ist bei einem Besuch in der Schwabinger Pommes Boutique ins Träumen geraten und erinnert sich an früheres Fritten-Futtern beim Friteusen-Fachmann in seinem Heimatort. Ihr Fett bekommt auch eine nett lächelnde Wurschttheken-Dame mit vinzenz murr-Schürze ab. Derf’s a bisserl mehr sein? Aber ja, sehr schöne Beiträge!
Grün und nochmals grün: Frau B. bringt die Probleme von uns Städtern auf den Punkt: Ein eigener Garten? Total überbewertet! Wozu gibt’s Balkone? Anderer Meinung sind da offensichtlich unsere englischsprachigen Freunde von Toytown Munich, die das Fremdgärtnern für sich entdeckt haben.
Druckerschwärze: Vor “dönernden Exkremisten” warnte die “Bild”-Zeitung kürzlich auf einigen ihrer Zeitungskästen in München. Obwohl dem Boulevardblatt ja einiges zuzutrauen ist, war schnell klar, dass hier jemand die eigentlichen Werbeplakate durch Dada-Designs ersetzt hatte. Was genau es mit der Großbuchstaben-Guerilla auf sich hat, erfahren wir nun in einem Interview auf jetzt.de.
Weiß-Blau: Dorin hat uns in den Kommentaren zu den letztwöchigen München Bits auf isarstadt.de heiß gemacht auf Geschichten aus den guten alten Schwabinger Tagen. Nu woll’n wir aber mehr hören!
25. März 2007
mawa
Gegensätze ziehen sich an: Dass der alte Spruch auf Beziehungen zutrifft, haben wir noch nie so recht geglaubt. Wahr ist er aber, wenn’s um die Abendgestaltung geht. Nehmen wir mal an, Freund A wohnt in Pasing, die Freundinnen B und C im Glockenbach und Spezl D ist am Prinzregentenplatz daheim. Telefonkonferenz: Wohin heut’ Abend? B empfiehlt aufs Wärmste die neue Bar, die grad zwei Häuser weiter in einem ehemaligen Pilspub eröffnet hat (”Ein paar von den alten Stammgästen geh’n immer noch hin. Dabei spiel’n die da jetzt volle Dezibel so alte Drum’n'Bass-Sachen. Und Colt Seavers auf Beamer. Echt abgefahren!”). C lässt durchblicken, dass man sie nur mit den highgeheelten Füßen zuvorderst aus ihrem Viertel rausbekommen könne (”Zahl’ doch nicht Tausend Euro Miete, damit ich dann mit Euch nach Schwabing zum Cocktail-Saufen geh”). D sagt: Großartig, was Neues, da bin ich dabei! Und A ist eh kompromissbereit. Mit was sollte er auch kneipentechnisch auftrumpfen? Ja, so geht’s. Nur so kann’s gehen: Die einen bewegen sich. Und die anderen verharren da, wo die Bewegung ist (beziehungsweise vermutet wird).

Also mit dera Einstellung werd des nix… (Foto: mawa/isarstadt.de)
Viertelfürsten und Kneipenpioniere
Wir halten fest: In Sachen Ausgehverhalten existieren nur zwei große philosophische Richtungen. Die eine vereint in sich all die Viertelfürsten und Kiezkönige, die auch noch die absurdeste Boaz’n in den Gastrohimmel loben, bloß weil sie im Dunstkreis der eigenen Wohnung liegt. Die andere wiederum wird von den Kneipenpionieren und Tresen-Trüffelschweinen gepredigt, die stundenlange Fahrradfahrten oder Bummeltouren mit der MVV-Nachtlinie auf sich nehmen, um einer neuen Entdeckung hinterher zu jagen. Es gibt nur entweder/oder und es geht im Endeffekt nur was ‘zam, wenn sich Vertreter der einen mit welchen der anderen Denkschule zusammentun. Zu welcher der beiden tendiert Ihr?
23. März 2007
mawa
“Geheimtipp” hatte man uns zugeraunt. Am AdW, aber ist’s wert! Nun gut, sind ja für jedes Abenteuer zu haben. Also tragen wir der zuversichtlich lächelnden Kellnerin unseren Essenswunsch, zwölf verschiedene Dim Sum, anhand des international gültigen China-Restaurant-Codes vor: Zwei- bis dreistellige, manchmal recht willkürlich arrangiert wirkende Ziffernkombinationen (im Amerika-Urlaub haben wir sogar schon mal vierstellige Codes gesehen - aber da ist ja eh alles größer). Wir denken uns: Wenn die Dame das alles behält, schicken wir sie zur Samstagabend-Gaudi mit Gottschalk. Kein Stift, kein Block. Keiner von diesen kleinen Kellnercomputern. Wahnsinn! Beruhigt blicken wir auf, als sie ein paar Minuten später mit in Falten geworfener Stirn wieder vor unserem Tisch steht.

Puff, the magic dragon?(Foto: mawa/isarstadt.de)
Molchhoden malträtieren
Gleich, so hoffen wir, wird uns die Kellnerin mit gezücktem Kugelschreiber bitten, die letzten zehn der genannten Zahlencodes zu wiederholen. Wir werden ihr gern auf die Sprünge helfen und uns damit von der Vorstellung befreien, wir müssten aufgrund eines Zahlendrehers Molchhoden kauen und verdauen. Die Kellnerin wird erleichtert lächeln und wissen, dass noch genug Molchhoden für die Stammkundschaft übrig bleiben. Alles wird gut, alle werden glücklich! Und doch wird alles anders. Nonchalant fragt sie bloß: “Gabel oder Stäbchen?”
Das Restaurant “Jade” (Hofangerstraße 7, U-Bahnstation Michaelibad, Montag Ruhetag) bietet eine relativ authentische China- und Hong Kong-Küche und vor allem die in München eher schwer zu findenen Dim Sum (die übrigens richtig bei uns ankamen). Das Lokal ist auch bei asiatischen Gästen sehr beliebt - im Zweifelsfall abschauen, wie die sich dem Essen nähern, statt (wie wir’s versucht haben) ein schneeballgroßes Gebäckstück mit den Chopsticks zu malträtieren.
22. März 2007
mawa
Harthof. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Hart. Hof. Hart. Hof. Das ist doch wie geschaffen für eine Story vom “äußersten Rand der Gesellschaft”, wie es in der Zeitschrift stern in der Ausgabe vom 1. März ein bisserl reißerisch heißt. Eine Steilvorlage für eine Reportage (eine durchaus gelungene, wie wir finden) über das im Münchner Norden gelegene Viertel, das eines der reichsten nicht ist (von “Problemviertel” wird da häufig gesprochen, was wohl irgendwie treffend ist. Aber halt auch arg stigmatisierend). Eine Steilvorlage, die schon so steil ist, dass sich gleich mehrere auf sie gestürzt haben: Die Bild ein paar wenige Tage später. Und die Süddeutsche Zeitung am 16. März.

Am Rand oder mitten unter uns? (Foto: mawa/isarstadt.de)
Hinterm Hasenbergl geht’s weiter
Die drei Medien nähern sich dem Thema auf die ihnen jeweils eigene Art. Im stern eine reich bebilderte, emotionale Reportage. In der Süddeutschen eine gut recherchierte und menschelnde Vor Ort-Analyse im Rahmen der “Armut in der Großstadt”-Reihe. In der Bild eine plakative Homestory, deren Protagonistin der Einfachheit halber direkt aus dem stern-Artikel geklaut wurde. Egal: Es ist allen drei Blättern hoch anzurechnen, dass sie über die strukturschwächeren Gegenden Münchens berichten - und vor allem auch mal über einen weniger bekannten Stadtteil als die häufiger thematisierten Hasenbergl und Neuperlach (was ist eigentlich mit Berg am Laim?).
Heimspiel der Agenda Setting All Stars
Auffällig nur, dass das soziale Gewissen plötzlich so geballt - und sonst leider fast nie - auftritt. Zum Teil liegt’s wahrscheinlich daran, dass die Familienministerin Ursula von der Leyen im Februar dem “Generationenhaus” am Harthof einen Besuch abgestattet und damit den Finger in eine bis dato noch nicht als nässend erkannte Wunde gelegt hat. Ein bisserl sieht es aber auch so aus, als habe hier einer den schönen Steilpass angenommen und damit seine etwas fußfaulen Mitspieler erst auf Trab gebracht. Im besten Falle wird daraus ein Heimspiel für die Agenda Setting All Stars. Im schlechtesten Falle hat das Team sein ganzes Pulver auf einmal verschossen und das Publikum kommt nimmer wieder (”Kenn ma scho’, hamm’ ma scho’ g’hört!”). Dann läge Harthof ganz fix wieder am vergessenen Nordrand der Münchner Gesellschaft.
21. März 2007
mawa
Jede Generation, so heißt es, habe einen bestimmten Vorrat an Bildern, die sie nicht so leicht aus dem Kopf bekommt. Die Gänsehaut hervorrufen - der wohligen oder aber (wahrscheinlich öfter) der grausigen Art: Krieg. Kriegsende. Das Wunder von Bern. Die Ermordung John F. Kennedys. Armstrongs Schritte auf dem Mond. Vietnam. Die RAF-Anschläge und die Anschläge mit den gesuchten RAF-Mitgliedern drauf. Der Mauerfall. Der 11. September. Wir reklamieren die zweieinhalb zuletzt genannten Punkte für uns. Für unser Kollektivgedächtnis.

Abbruchhaus beim Sendlinger Tor. (Foto: mawa/isarstadt.de)
Schwammig oder klar?
Die Plakate mit den schwammigen Fotos der Terroristen, der unvorstellbar hohen Belohnungssumme und dem mindestens ebenso spannenden Hinweis “Vorsicht Schußwaffen!”. Im Postamt, in der Bank, beim Metzger neben dem Werbeposter fürs Schafkopfturnier des CSU-Ortsvereins. Hammer und Meißel, die Stücke aus einer graffitiverschmierten Wand klopfen, Trabis, Menschen mit seltsamen Frisuren und einer nie gesehenen Freude im beschnurrbarten Gesicht. Die Fernsehbilder von Flugzeug eins, von Flugzeug zwei, von den brennenden Türmen, schließlich die gespenstischen Gebäudeskelette. Immer wieder. Mit diesen Bildern im Kopf sind wir auf ein Bürohaus am Sendlinger Tor (ehemals Generali Versicherung, wenn uns nicht alles täuscht) gestoßen, das gerade abgerissen wird. Hat uns sehr an die oft gesehenen Fotos und Videos vom World Trade Center erinnert. Oder sehen Abbruchhäuser immer so aus? Kennt man ja in München kaum. Zumindest unsere Generation nicht.
20. März 2007
mawa
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