Archiv für Mai 2007
Oh je, diesmal sind wir aber wirklich spät dran. Haben das kleine Büchlein grad erst, am Pfingst-Wochenende, entdeckt. Und dann auch noch: Beim Hugendubel. Bei der Auslegware. Also quasi die Pauschalreise-Klasse, der Wühltisch, die Touri-Falle der Bibliophilen. Wie uncool! Da aber die Autoren des kleinen Büchleins, welches im Übrigen eine Art Zeitschrift ist und obendrein derer erste Ausgabe, gesagt haben, dass es erst dann eine Fortsetzung gibt, sobald alle Exemplare verkauft sind, wollen hier doch noch die verspätete Werbetrommel rühren. Für: “balkon“. Ein schönes kleines Münchner Periodikum im Westentaschenformat, das sich selbst als “nicht-kommerzielle (Sub-)Kulturzeitschrift” bezeichnet und bereits im vergangenen Jahr erschienen ist.

My other Balkon is a richtiger Balkon. (Foto: sist/isarstadt.de)
Von oben betrachtet
Wie in jedem Sammelband wechselt sich in “balkon” höchst Interessantes mit eher Beliebigem ab. Uns haben (logisch) besonders die Geschichten mit München-Bezug gefallen: Eine Kurzgeschichte (oder Reportage?) über einen Portier in einer Hauptbahnhof-Absteige. Ein Bericht über einen “Museum Run” durch die Pinakotheken (so schnell wie möglich durch alle Säle). Eine auch graphisch sehr schön gestaltete Shortest Story von Thomas von Steinaecker (der Münchner Autor, Jahrgang 1977, hat gerade erst einen Roman veröffentlicht und veranstaltet die prima Aquarium-Abende im Cord mit). Ein Interview mit den Trikont(greatest Plattenlabel ever!)-Machern.
Support local media!
Nur ein bisserl schade, dass weder in “balkon” selbst noch auf der Website mehr über die dort abgedruckten Autoren und die Herausgeber zu erfahren ist oder über die Hintergründe des Magazins. Naja, aber es soll ja auch nicht zuviel verraten werden: Ihr sollt das Heft ja auch noch kaufen (über die Homepage oder eben beim Buchsupermarkt für 6 Euro) - und zwar schnell, denn wir würden gerne bald eine zweite Ausgabe lesen!
31. Mai 2007
mawa
Eigentlich hatten wir ja gedacht, die Sache mit den Münchner Wand-Affen wäre längst kalter Kaffee - bis muenchenblogger vor ein paar Tagen ganz erstaunt über das Auftauchen der Primaten in der Maxvorstadt berichtete. Nun fragen wir uns: Sind die Viecher bisher keinem außer uns aufgefallen? Wir hätten ja schwören können, dass sie schon seit einigen Jahren die Münchner Innenstadt bevölkern. Und das in einer Populationsdichte, die jeden Tierfreund jubilieren lassen müsste. Zumindest in der Altstadt hockt vor fast jedem zweiten Gebäude eins der Sprüh-Äffchen. Und seit einiger Zeit haben die Monkeys sogar Nachwuchs bekommen: Auf den Rücken vieler Urwaldbewohner hockt mittlerweile (mindestens seit Ostern dieses Jahres) noch ein kleines Häschen.

Take me to Hasenbergl, stupid! (Foto: sist/isarstadt.de)
Hören, sehen, uns sagen!
Ganz so mysteriös wie den “Cork”-Schriftzug finden wir die schablonierten Affen nicht, dennoch wüssten wir nur zu gern, was damit auf sich hat. Auf der Recherche im Internet sind wir zwar auf etliche großartige Streetart-Seiten gestoßen (z.B. Reclaim Your City mit tollen Such-Möglichkeiten, das theoretisierende Institut für Graffiti-Forschung oder den bildlastigen Streetart-Blog), zu den deutlich mehr als 12 Monkeys im Münchner Stadtbild sind wir allerdings nicht fündig geworden. ist das ein einziger Sprayer oder sind mehrere Leute am Werk? Hat’s was mit dem Terry Gilliam-Film zu tun oder eher nicht? Werden die Affen wahllos auf beliebige Wände gesprüht oder steckt ein System dahinter? Und kommt der Hase von denselben Graffitikünstlern oder ist’s eine fremde Übernahme? Hat von Euch jemand eine Idee?
30. Mai 2007
mawa
Informationsgesellschaft? Na, hallo, das sind doch wir! Um dem drögen, vereinsamenden und gesundheitsfeindlichen Vorm-Computer-hocken und Immer-vernetzt-sein ein literarisches Rückgrat anzudichten, haben der Bayerische Rundfunk und das unverzichtbare, aber oft etwas quatschige Theorie-Zentralorgan der Nerd-Kultur, Telepolis, im vergangenen Jahr zu einem Schreib-Wettbewerb aufgerufen: Unter dem Motto “What if - Visionen der Informationsgesellschaft” durfte, wer wollte, eine Kurzgeschichte oder ein Hörspiel zum Thema texten. Die Gewinner stehen inzwischen fest - Sascha Dickel hat mit seinem Beitrag “Bio-Nostalgie” den Jurypreis abgeräumt, im Publikumsvoting hat Christian von Aster mit “Infogeddon” gepunktet. Beides - irgendwie logisch - Sci-Fi, wir können uns mehr für die zweite Story erwärmen.

‘N Außerirdischer oder der nette Nerd von nebenan? (Foto: sist/isarstadt.de)
Kluge Brillenträger lassen lesen
Damit sich nun aber nicht jeder die Texte in gesundheitsschädlicher, vereinsamender und dröger Weise am Bildschirm angucken muss, lädt das Volkstheater heute abend um acht im Rahmen der schönen Knisterclub-Reihe dazu ein, die Gewinnergeschichten gemeinsam anzuhören: “Bio-Nostalgie” wird in Erstaufführung als Hörspiel präsentiert und “Infogeddon” von Volkstheater-Schauspielern gelesen, mit dabei ist der von uns sehr geschätzte Poetry Slam-Veranstalter Rayl Patzak - was der Veranstaltung gleich ein bisserl was vom zu vermutenden Nerd-Stallgeruch nimmt. Brillenträger dürfen trotzdem kommen (stand zumindest nix gegenteiliges in der Vorankündigung).
29. Mai 2007
mawa
Ungefähr seitdem wir lesen können, fiebern wir jeder neuen Ausgabe der Bibel des ausgehfreudigen Isarstädters, dem in münchen, entgegen. Rücken ihr mit gezücktem Textmarker zu Leibe. Sezieren das Programm der folgenden Tage. Heben Wichtiges hervor, Schönes, Lohnenswertes. Verheben uns. Verzetteln uns. Verlieben uns. Immer wieder. Immer auf’s Neue. In unsere Stadt.

Nach Feierabend: Malen statt Zahlen. (Foto: M. Bretherton/stock.xchng)
Trash Tand Treffer Trend
Freilich hat sich die persönliche Abend- und Wochenendplanung im Laufe der Jahre gewandelt. Älter wirst’ halt: Früher schlug die Wünschelrute vor allem bei der Spalte „Party“ aus. In den Zeiten vor DSL auch gerne beim Fernsehprogramm. Inzwischen leuchten die Markierungen hauptsächlich beim Kino und den Konzerten, mal beim Theater, oft bei der Literatur. Unsere heimliche Lieblingsrubrik ist aber seit einiger Zeit das „Diverse“. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, hier bedarf es eines geschulten Blicks (haben wir, haben wir!), um Trash und Treffer, Tand und Trend auseinander zu halten.
During-Work is the work before After-Work
Zwischen allerhand Esoterischem wie dem „Lach Yoga-Treff“ oder einem Treff für Leute, die laut Ankündigung „reich an Zeit“ sind, verstecken sich immer wieder faszinierende Petitessen. Das aktuelle Highlight: „After Work-Malen“ in Neuhausen (Freitag ab 18.30 Uhr im Atelier Amélie-Art in der Olga-Straße). Gute 3.000 Jahre lang begnügte man sich ja in allen Kulturen mit dem After Work-Heimfahren, dem After Work-Abendessen, -Fernsehen und -Schlafen-gehen. Irgendwann (und das war wohl der Anfang vom Ende) kam dann das After Work-Tanzen hinzu, das After Work-Saufen, -Flirten, -Blöd-daherreden-und-dann-doch-wieder-allein-heimgehen-und-
am-nächsten-Morgen-mit-einem-Mordsschädel-aufwachen.
Die Kunst ist, trotzdem zu lachen
Ist After Work-Malen nun also ein konservativer Schritt zurück oder unglaublich postmodern (=hip)? Wir wissen’s nicht. Für alle Fälle haben wir uns aber schon mal Pinsel und Staffelei besorgt und werden unsere Feierabendkunstwerke dann einfach den beiden oben genannten Gruppen vorstellen. Die wissen einen guten Zeitvertreib wenigstens noch zu schätzen und lächeln immer so freundlich.
25. Mai 2007
mawa
Ankommen, Part zwo: In der Arbeit haben wir irgendwann mal das schöne Paradigma vom Selbstbild / Fremdbild erklärt bekommen (dummerweise war’s in einer Gehaltsverhandlung…). Seitdem ist uns klar, dass andere uns nicht unbedingt so sehen, wie wir uns das vorstellen. Beziehungsweise wie wir’s gerne hätten. Was nun, wenn der erste Eindruck, den wir bei Fremden hinterlassen, der des Buchstabens “M” auf dem Nummernschild ist? Wenn unser Image allein davon bestimmt wird, dass wir aus München kommen?

Geht’s noch deutlicher? (Foto: KillerPM/flickr CC)
Das Salz in der Frittatensuppe
In manchen Fällen ist’s hinlänglich bekannt: Die Ösis zum Beispiel halten von den Piefkes ja schon im Allgemeinen wenig. Gibt man sich aber obendrein als Münchner zu erkennen, sind ein Gasthaus-Platz mit Blick aufs Klo, ordentlich Salz in der Frittatensuppe und ein Zimmer mit Blick auf die Durchgangsstraße noch die harmloseren Arten der Liebesbekundung. Die Berliner wiederum sagen uns (gerne mit stark schwäbisch gefärbtem Akzent) nach, wir seien allesamt Spießer, Schickis, Südprovinz. Die Rheinländer bezeichnen uns (zu Recht) als mundfaul. Und sogar innerhalb der bayerischen Grenzen, in Franken, denkt man schon aus Tradition Böses über München und seine Einwohner.
Besserwessis in Lederhos’n?
Wie aber, haben wir uns auf unserer Urlaubs-Tour durch den Nordosten gefragt, steht man in den mittlerweille nicht mehr ganz so neuen Bundesländern zum Kennzeichen M? Werden wir mit allen anderen Besserwessis in einen Topf geworfen (und gibt es das Klischee vom Besserwessi so überhaupt noch)? Fallen den Leuten in Sachsen, Branden- und Mecklenburg typische Bayern-Bilder ein, wenn sie auf unser Nummerschild blicken? Also Lederhos’n und Dirnd’l, Maibaum, Bierzelt und Hollaridijö. Oder aber hat München einen so eigenständigen Ruf, dass wir gleich mit Kir Royal, FCB und Loden Frey assoziiert werden? Welche positiven und welche negativen Gerüchte über den Münchner Max Mustermann sind im Nordosten im Umlauf? Oder haben sich die Leute, an denen wir vorbeigefahren sind, am Ende nur gedacht: “Mensch, schau Dir die Magdeburger Arschgeigen in der verdreckten Rostlaube an! Oder steht “M” für Meißen?”
24. Mai 2007
mawa
Dass München, wenn es schon keine reine Schicki-Stadt ist (so wollen wir hoffen), doch einen ganz deutlichen Hang zum Schicken bis Schicksigen hat, ist unbestreitbar. Trotzdem haben wir unsere Stadt immer verteidigt, wenn Zugereiste mit dem Finger gezeigt haben auf BMW, Bulgari, Bäcker Bodo und Bäh1. Haben gesagt, klar, so was gibt’s hier. So was gibt’s hier wahrscheinlich öfter als bei Euch in Bielefeld, Bückeburg und Berlin. Aber hier gibt’s auch das Backstage, die Biergärten und Boazn. Wir haben gesagt, dass die Stadt groß genug ist, damit sich jeder seine Nische suchen und (halbwegs) kommod in ihr leben kann. Haben gesagt, die ganze Bussi-Bagage fällt uns schon lang nicht mehr auf, die beachten wir nicht, die findet in unsrer Welt ganz einfach nicht statt. Und haben’s so gemeint, haben’s selbst so geglaubt.

Das Ortsschild vor München? (Foto: mawa/isarstadt.de)
Gefälliges Gefälle
Kehrt man nun aber nach zehn Tagen in Meck-Pomm (wir waren unter anderem da, wo Frau B. auch sommerfrischt… Coincidence!) in die Isarstadt zurück, überfällt einen tatsächlich das von den Auswärtigen beschworene Gefälle. Schon beim ersten München-Kontakt, an der Tanke gleich hinter der Autobahn-Ausfahrt im Norden Schwabings: Nobelkarossen, die eh schon blitzblank aussehen, stehen vor der Waschanlage Schlange. Bürobürger knien in Anzughose auf dem Pflaster, um auch der Stoßstange ihres Audibenzbeemwe den nötigen Glanz aufzurubbeln. Feierabend-Familienväter im Polo mit Brustreiter schleppen ein Sixpack Volvic aus dem Kassenhäusl. Schicksen im Mini sehen noch mal auf dem Stadtplan nach, wo’s zur After-Work-Party geht und zücken am Seitenspiegel ihren Chanel-Lipstick.
Waren die schon immer da? Warum sind uns die bisher noch nicht so massiv aufgefallen? Und wo sind all die anderen, die “normalen” Münchner? Sind wir schon angekommen in unserer Stadt? In unserer Stadt?
23. Mai 2007
mawa
isarstadt.de macht ein paar Tage Urlaub. Am 23. Mai sind wir wieder voll da. Mit Texten. Und so. Weil wir aber leere Seiten unglaublich deprimierend finden, haben wir uns für die Zwischenzeit was überlegt:
Jeden Tag ein Foto. München-Fotos, versteht sich von selbst. Fotos, die wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt gemacht haben. Und die wir - auf die eine oder andere Art - ganz gelungen finden. Aber seht selbst. Täglich.

Aus Wikipedia: “Der Haubentaucher (Podiceps cristatus) ist eine Vogelart aus der Familie der Lappentaucher (Podicipodidae). Im Bayerischen ist “Haubentaucher” eine scherzhafte Beleidigung. Durch das häufige Vorkommen dieser Vogelart wird ein gewisser Grad an Ordinärität suggeriert.” Das wollten wir nicht! (Foto: mawa/isarstadt.de)
22. Mai 2007
redaktion
isarstadt.de macht ein paar Tage Urlaub. Am 23. Mai sind wir wieder voll da. Mit Texten. Und so. Weil wir aber leere Seiten unglaublich deprimierend finden, haben wir uns für die Zwischenzeit was überlegt:
Jeden Tag ein Foto. München-Fotos, versteht sich von selbst. Fotos, die wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt gemacht haben. Und die wir - auf die eine oder andere Art - ganz gelungen finden. Aber seht selbst. Täglich.

Eine Großstadt wie München, wenn die nicht ein ausgeklügeltes Entsorgungssystem hätt’, dann tät’s schneller in Schimpf und Schande versinken, als wie du bis drei zählen kannst! Vieles geht ja wieder zu verwenden, manches g’hört aber irgendwann ausgewechselt. Am 2. März 2008 ist übrigens Kommunalwahl. (Foto: mawa/isarstadt.de - gesehen im Schlachthofviertel)
21. Mai 2007
redaktion
isarstadt.de macht ein paar Tage Urlaub. Am 23. Mai sind wir wieder voll da. Mit Texten. Und so. Weil wir aber leere Seiten unglaublich deprimierend finden, haben wir uns für die Zwischenzeit was überlegt:
Jeden Tag ein Foto. München-Fotos, versteht sich von selbst. Fotos, die wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt gemacht haben. Und die wir - auf die eine oder andere Art - ganz gelungen finden. Aber seht selbst. Täglich.

Wieso wir in München leben und nicht in Berlinhamburgleipzigköln? Deshalb. Darum. Und überhaupt: Was ist denn das für eine Frage! (Fotos: A. Singer/isarstadt.de - gesehen aus der Kardinal-Faulhaber-Straße und im Hofgarten)
18. Mai 2007
redaktion
isarstadt.de macht ein paar Tage Urlaub. Am 23. Mai sind wir wieder voll da. Mit Texten. Und so. Weil wir aber leere Seiten unglaublich deprimierend finden, haben wir uns für die Zwischenzeit was überlegt:
Jeden Tag ein Foto. München-Fotos, versteht sich von selbst. Fotos, die wir bei unseren Streifzügen durch die Stadt gemacht haben. Und die wir - auf die eine oder andere Art - ganz gelungen finden. Aber seht selbst. Täglich.

“Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz / My friends all drive Porsches, I must make amends.” Eigentlich der perfekte München-Song. Vielleicht haben wir auch deshalb jahrelang die zweite Zeile falsch verstanden: “…and I can’t pay the rent”. (Foto: mawa/isarstadt.de - gesehen zwischen Marstall und Oper)
17. Mai 2007
redaktion
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