Archiv für Juni 2007
Stellen wir uns mal vor, wir hätten hier was zu sagen. Wären die Vorstandsvorsitzenden, Präsidenten, Obermacker einer ganz großen Aktiengesellschaft mit dem schmissigen Namen Music Maniacs Munich. Müssten auf der Hauptversammlung den Investoren, die ihr sauer erspartes Geld in Sex & Drugs & Rock’n’Roll investiert haben, Bericht erstatten. Darüber, wie es um den Musikstandort an der Isar steht. Wahrscheinlich würd’s uns so gehen wie manchem Manager, der eine Luftnummer zu verkaufen versucht - und irgendwann mächtig auf der Nase landet.

Mehr fällt einem zum Musikstandort München manchmal nicht ein. Aber
nur manchmal. (Foto: mawa/isarstadt.de)
The Sound of Silence
Denn: So schöne Locations, so großartige Radiosender (M 94,5! Zündfunk!), so viele sympathische kleine und mittelgroße Bands es hierzustadt auch gibt – richtig dick ist München nie ins (Pop-) Musikgeschäft gekommen. Während andernorts die Hamburger Schule von sich Reden gemacht und Mia oder Seeed ihre Heimatstadt Berlin vertont haben, ist München auffällig unauffällig geblieben. Selbst auf lange Sicht fallen uns gerade mal drei Bands ein, die es zu einem nennenswerten überregionalen Erfolg gebracht haben: Die Spider Murphy Gang, Münchner Freiheit und die Sportfreunde Stiller (ja, ja, die kommen aus Germering, aber das bessert unsere Bilanz wenigstens ein bisserl auf! Dafür kehren wir die unselige Disco-Ära mit Moroder & Co. unter den Teppich).
Burli-Burleske
Ganz schön mager, nicht? Und das Schlimmste: Seit dem „Skandal im Sperrbezirk“ hat die Relevanz der Münchner Popmusik eher ab- als zugenommen. Die Spider Murphy Gang hat immerhin dem Genre des Mundart-Rock alle Ehre gemacht. Der Zugang zum Thema Münchner Freiheit war vor allem ehrlich: Niemand hat behauptet, das sei mehr als wunderbarer Kitsch. Die Sporties hingegen werden bundesweit als Bayern-Originale verschachert, so dass die Menschen in Kassel, Kiel und Castrop-Rauxel vermutlich vermuten, wir im Süden seien alle so. Sind wir aber nicht! Für’s Protokoll: Die Sportfreunde sind eine Burli-Band. Bieder. Harmlos. Kindergeburtstag. Peter Kraus mit anderen Mitteln. Erstsemester-Pop. Und Stopp!
Wir woll’n gar nicht Teil einer Jugendbewegung sein
Wir können nicht mal „Was hat euch bloß so ruiniert“ (zur Erinnerung: Die Sterne. Aus Hamburg) singen, denn da war nie wirklich was, das hätte vor die Hunde gehen können. Die Münchner Mega-Musik-AG muss für bankrott erklärt werden, für tot. Und dennoch tanzen wir fröhlich auf ihrem Grab: Ist doch prima, eine lebendige Tante Emma-Laden-Kultur in der Stadt zu haben, einen gesunden musikalischen Mittelstand. Kamerakino zum Beispiel, die Emil Bulls, Celest, Blumentopf, die BeNuts und viele, viele andere. Let there be rock, verdammt noch mal! (Tocotronic. Auch aus Hamburg).
27. Juni 2007
mawa
Big News: In der Plinganserstraße unweit des Harras steht jetzt “Münchens erstes Tattoo-Café“. Aufmerksam geworden sind wir auf dieses gar großartige Etablissement durch ein weithin sichtbares Werbeschild, dass die Worte Tattoo und Piercing mit dem unwahrscheinlichen graphischen Element einer Kaffeetasse aufs Schönste in Einklang bringt (wir hätten da ja eher an Tribal-Motive, von Roserln durchstochene Herzerln, verfassungsfeindliche Insignien oder ein Roger Cicero-Konterfeit gedacht - was auch immer man sich dieser Tage halt so stechen lässt).

Wolln’s an Cappuccino zu Ihrem Arschgeweih dazu?
(Foto: D. Staffelbach/stock.xchng)
Braucht’s das?
Normalerweise sind wir in solchen Fällen ganz fix mit dem “Braucht’s das?” zur Stelle und erinnern gerne an ähnlich beknackte Ich-AG-Ideen, die so klingen, als seien sie um drei Uhr morgens in irgendeinem verranzten Pils-Pub geboren wurden. Irgendwie überzeugt uns die Vorstellung von der Kombination aus Stecherbude und Café aber. Kurzum: Den Leuten hätten wir in auch eine Anschubfinanzierung genehmigt!
Zungencroissant
Ist doch super, wenn man mit Croissant-Bröseln im Mund seinen Klassenkameradinnen das neue Zungen-Piercing vorführen kann. Wenn die Pizza (gibt’s dort auch, lecker, lecker!) den Magen so weit wölbt, dass der durch den entzündeten Bauchnabel gestoßene Ring plastisch unterm Polyesterhemdchen hervorschaut. Und wenn sich jemand den heißen Café über den Körper schüttet (in den USA ja immer gerne ein Thema für die Jurisprudenz), nennen wir’s halt Branding. Nee, ehrlich, das ist eine prima Geschäftsgrundlage, warum ist da nur noch keiner früher drauf gekommen? Wir sind es doch schon längst überdrüssig, unsere Morgen-Latte Macchiato im Reisebüro-Café, der Café-Reinigung, dem Baumarkt-Gastrobereich oder an der Tanke zu trinken. Vom Ober (oder, wie man in der Schweiz so wunderbar sagt: der Serviertochter) stechen lass’ma uns deswegen aber nicht!
25. Juni 2007
mawa
Eine kuriose Sache, über die wir per Mail informiert wurden: Diesen Freitag, 22. Juni, treffen sich um 20 Uhr Münchner Fahrradfahrer am Sendlinger Tor zu einem so genannten “Critical Mass Bikeride“. Wir mussten auch erst mal nachgoogeln, um was es sich da genau handelt: Ganz inoffiziell (soll heißen: es gibt keinen, der sich als Organisator zu erkennen gibt oder für verantwortlich erklärt) treffen sich Fahrradfahrer an einem vereinbarten Platz und radeln gemeinsam durch die Stadt. Ihre schiere Masse sorgt dann dafür, dass der (Auto-)Verkehr, naja, sagen wir mal, aufmerksam wird auf die Radler und ihre Anliegen. Critical Mass Rides finden auf der ganzen Welt statt und unter dem schönen Namen “You never bike alone” gibt es sogar einen Doku-Film über die Bewegung, die keine sein will.

Sand im Getriebe? (Foto: A. Taylor/stock.xchng)
Psalm 16
Dass hinter der ganzen Angelegenheit freilich nicht nur die Co2-Debatte (auch bekannt unter: Causa Kuhmägen) steckt, sondern auch eine ganze Menge Freude am zivilen Ungehorsam, beweist folgendes Detail: Angeblich, so der Text in der Mail, die wir erhalten haben, besage § 16 der Straßenverkehrs-
ordnung, dass ab einer “kritischen Masse” von 16 Radlern die gesamte Fahrbahnbreite benutzt werden dürfe. Ein Blick in die StVO zeigt, dass das Quark ist - schon die Koinzidenz, dass § 16 ausgerechnet von 16 Radlern handeln soll, lässt einen aufhorchen [Ergänzung 23.6.: MehrsogIned hat uns drauf aufmerksam gemacht, dass es die Regelung doch gibt - allerdings in § 27 der StVO - siehe Kommentare). Egal: Wir rufen hiermit ja auch keineswegs zu einer Teilnahme am Critical Mass Bikeride auf, werden uns die Anarcho-Version der Bladenight aber rein aus Interesse mal ansehen (eine, wie wir finden, wichtige Info der anonymen Urheber des Aufrufs: “Jeder ist für sich und sein Verhalten selbst verantwortlich”!).
Kritische Körpermasse
Vielleicht nutzen wir aber auch einfach die Gunst der Stunde, so viele Radl-Freaks auf einer Stelle versammelt zu wissen, um mal rumzufragen, ob sich da jemand mit Gangschaltungen auskennt. Die kritische Masse der Gänge an unseren altersschwachen Drahteseln (die wir schon haben, seit wir aus der Phase der größeren Wachstumsschübe raus sind) funktioniert nämlich bereits seit einer Weile nimmer. Und das macht es zunehmend kritisch, die kritische Masse unserer Körper zum Beispiel den Sendlinger Berg hoch oder rauf nach Giesing zu strampeln.
21. Juni 2007
mawa
Heut macht isarstadt.de einen auf Bono Vox. Auf Bob Geldof. Auf Campino. Wir tun Gutes. Indem wir drüber reden schreiben. Stehen ein für eine gerechte Sache. Und erwarten - im Gegensatz zu den genannten Herren - nicht einmal, dass Ihr uns dafür schale Langspielplatten abkauft oder dass wir als Dankeschön mit einem Party-Grinsefoto auf der People-Seite des nächsten Greenpeace-Magazins auftauchen. Wir geben sogar zu: Wir handeln nicht völlig uneigennützig, wenn wir Euch nun höflich, aber bestimmt auffordern, dem Oxfam-Laden hinter’m Kaufhof am Marienplatz mal einen Besuch abzustatten.

Still haven’t found what I’m looking for. (Foto: Manu M/stock.xchng)
Das thrift sich aber gut!
Zuvorderst finden wir es natürlich super, dass mit jedem Einkauf in dem Second Hand-Buchshop eine Hilfsorganisation unterstützt wird, die hierzulande noch viel zu unbekannt ist. Gerade mal drei Prozent der Deutschen können mit der Bezeichnung Oxfam etwas anfangen. Zur Nachhilfe: Das 1942 im englischen Oxford gegründete Bündnis (der volle Name: Oxford Committee for Famine Relief) wollte das durch den Krieg entstandene Leid, Krankheiten und Hunger lindern. Heute versteht sich die Organisation als weltweites, säkulares Bündnis gegen Armut. Die sogenannten Thrift Stores, in denen Ehrenamtliche für den guten Zweck Gebrauchtwaren (in München nur Bücher, CDs und andere Medien - Klamotten würden hierzustadt wohl schlecht gehen) verkaufen, gehören in Großbritannien schon seit langem zum Straßenbild. In Deutschland haben mittlerweile in einigen Großstädten Oxfam-Shops aufgemacht, den Münchner Laden gibt’s seit dem vergangenen Dezember.
U2? Tote Hosen!
Soweit die - wie wir finden ganz sympathische - Story hinter Oxfam. Ans Herz legen wollen wir allen Münchnern den Einkauf in den Shops aber auch aus folgendem Grund: Wer ein gutes Buch liest, bleibt schön brav zuhause, statt sich - nur mal so als Beispiel - in der Kneipe gegenüber von unserer Wohnung einen anzutrinken, an unser Fahrrad zu bieseln und uns mitten in der Nacht aus dem Bett zu olé-oléen. Und, ach ja, wenn wir schon dabei sind, die Charity Lady unter den Blogs zu geben, wollen wir gleich noch ein Anliegen vorbringen: Bitte, bitte, spielt bei geöffnetem Fenster, auf Parties oder auch im häuslichen Bereich nie, nie wieder Lieder von den Toten Hosen oder U2, die nach 1988 (gilt für beide Bands) entstanden sind. This world could be a better place!
19. Juni 2007
mawa
Ehrlich gesagt hat es uns die Münchner Residenz nie so recht angetan. Sie wirkt auf uns immer ein bisserl wie ein großer Haufen unlebendiger, aber freilich phantastisch polierter Steine. Wir verbinden damit keine Geschichte, keine Geschichten. Höfische Architektur? Naja. Das wahre Leben findet doch im Kleinen statt. Das war schon immer so. Nun haben wir aber doch noch ein Eckchen entdeckt, das uns fasziniert. Beim Marstallplatz, hinter dem Spanischen Kulturinstitut. Unser Tipp für den Sonntags-Spaziergang: Ein Ort, der nur ein paar Schritte von den Prosecco trinkenden “Eisbach”- und “Brenner”-Adabeis entfernt liegt und doch ganz woanders ist.

Brickhouse Club (Foto: mawa/isarstadt.de)
All Saints in Concert
Großartig die Allerheiligen-Hofkirche, deren Name darüber hinweg täuscht, dass sie inzwischen als Veranstaltungsraum (klassische Konzerte, Vorträge) genutzt wird: Der Klenze-Bau war im Krieg stark zerstört und bis zur kompletten Renovierung 2003 immer nur mehr oder minder behelfsmäßig geflickt worden. Jetzt ist er aber dermaßen beeindruckend (nämlich: sehr klar, aufs Wesentliche reduziert) hergerichtet und vor allem ausgeleuchtet, dass wir gleich einen halben Film Foto-Stick vollgeknipst haben. Wer verspricht, weder zu essen, zu rauchen oder Kerzen anzuzünden, kann das Gebäude sogar mieten (ab 1.500 Euro), wir belassen’s dann doch lieber bei der Besichtigung, die allerdings durch recht unvorhersehbare Öffnungszeiten zum Glückspiel wird: Wir standen sicher fünfmal vor verschlossener Türe, bis wir am vergangenen Wochenende mal Glück hatten.
Nur die Harten komm’ in Garten
Aber selbst wenn die Kirche dicht ist, lockt der daneben liegende Kabinettsgarten, der uns zwar mit seinem sehr strengen Stil wieder ein bisserl stark in die oben erwähnte arg aristokratische Architektur-Richtung geht, sich aber durch seine absolute Ruhe und relative Unbekanntheit als idealer Platz zum ungestörten Lesen (oder Schreiben - vielleicht strahlt ja sogar ein W-LAN aus den Domestiken-Kammern der Residenz rüber) anbietet. Plus: Mit ein wenig Glück erwischt man dort den einen oder anderen bekannten Schauspieler aus den benachbarten Theatern beim Pausemachen.
17. Juni 2007
mawa
Die Routine ist unser Ruin: Da fährst jeden Morgen auf demselben Weg ins Büro. Stellst deine Kaffetasse an der gleichen Stelle ab, dort, wo die kleine Macke in der Tischplatte ist. Ziehst immer erst die Socken aus, dann das Hemd und am Schluss die Hose. Suchst über Google, statt mal was anderes auszuprobieren. Und gehst jedes halbe Jahr, einmal im Sommer und einmal im Winter, aufs Tollwood. Weilst es halt so gewohnt bist.

Nu geht der ganze Zirkus wieder von vorne los. (Foto: J. Nyberg/stock.xchng)
Hello Hippie
Mit schöner Regelmäßigkeit sagen wir über das heute wieder startende Münchner Festival: “Naja, so toll ist das aber alles nicht”. Mosern über all das clever krude Kunsthandwerk und die tüddeligen Theater-AG-Tanten. Den Öko-Kitsch. Die zur Schau getragene Unangepasstheit. Die sich nur schwer mit den hohen Preisen unter eine Wollmütze bringen lässt. Wir fragen uns, was all die Eso-Buden-Betreiber den Rest des Jahres treiben und wieso es zwar fünfundfuzzich Gastrostände gibt, aber nix G’scheits zum Essen. Weshalb die Kackbirne der umstrittene Berliner Proll-Rapper Bushido dort auftreten darf und warum Karten für die großartigen Sonic Youth 35 Euro teuer sind.
Einen im Tee
Wir haben beschlossen: Diesmal geh’n wir nicht aufs Tollwood. Bleiben hart. Lassen uns nicht überreden. Von niemandem. Nur blöd, dass wir keine Vorräte mehr haben von dem leckeren Traunsteiner Tamarindenrinden-Tee. Eine Großpackung Gewürzmischung könnten wir auch mal wieder brauchen. Und gab’s da nicht beim letzten Mal diesen Stand mit den schönen handgezogenen Kerzen? Naja, vielleicht schlendern wir mal ganz kurz drüber, übers Festival. Das zelt doch nicht!
14. Juni 2007
mawa
Bildschirm auf Papier II: Heute erscheint zum zweiten Mal der tagesaktuelle isarstadt.de-Artikel auch auf der jetzt.muenchen-Seite in der Süddeutschen Zeitung. Freu’n uns immer noch wie Tofushnitzel!
Der Olympiapark riecht. Nach der schimmligen Bude im Studentendorf, in der wir mal ein Jahr zur Untermiete gehaust haben. Der Rosenheimer Platz klingt. Nach dem schalen Song „Age of Aquarius“, den sie damals immer im „Liberty“ im Motorama gespielt haben, der einzigen Münchner Disse, in die wir als Sechzehnjährige rein gekommen sind (Verdammt noch mal, ja, wir haben dazu getanzt! Die Geschmacksbildung kam später). Die Stufen vor der Bavaria schmecken. Nach Essenspucken hinter der Schützenfesthalle. Der Seminarraum 005 in der Schellingstraße fühlt sich an. Wie Bauchweh, Übelkeit, Blackout. Wie: Zwischenprüfung versiebt.

Revier markiert? Jeder Platz erzählt eine Geschichte.
(Foto: mawa/isarstadt.de)
Phantomschmerz
Manche Erlebnisse wirst nicht los. Die sind als Erinnerungen in dein Leben eintätowiert. Und mit ihnen die Plätze, an denen alles passiert ist. Da kannst noch so viel kratzen und lasern lassen und dich ärgern - die Assoziationen verschwinden einfach nicht. Bleiben da als Phantomschmerz. Oder gar als handfester Psycho-Tick: Seitdem uns vor vielen Jahren am Stachus-Brunnen jemand sehr Wichtiges etwas sehr Böses gesagt hat, meiden wir diesen Ort. Nehmen Umwege in Kauf. Reden uns ein, der Karlsplatz werde als Hauptverkehrspunkt Münchens vollkommen überschätzt. Haben nie Schlittschuhfahren gelernt. Und versäumen sicher die eine oder andere spannende Kundgebung der ökokonservativen Maultrommelspieler oder der Dosenpfand-Dogmatiker.
Gern? Gern! Lahm? Klein!
Und nun das: Vor kurzem erst haben wir bei einem Spaziergang das bildhübsche, bisher von unserem Assoziationen-Arsenal verschonte Viertel Gern kennen gelernt. Die kleinen Häuschen dort. Wie in England! Wir wussten gleich, wohin es uns ziehen würde, wenn wir erstmal im Lotto gewonnen hätten. Die Idylle befleckt hat nun aber eine Info, die ein Freund ganz beiläufig fallen ließ: Gern? Da kommt doch Philipp Lahm, der Bayern-Spieler, her. Richtig! Philipp Lahm, die Schlaftablette. Der Bravling, der mit gequältem Blick von der Autobahn-Tafel runter warnt, dass Raser uncool sind (Sind sie, sind sie. Aber Lahm ist es auch). Seitdem wir wissen, dass der Bub aus dem Viertel kommt, erscheint es uns einfach nur noch: Klein.
12. Juni 2007
mawa
Eigentlich kannst uns ja mit jedem Scheiß glücklich machen, hauptsach’ es hat was mit München zu tun. Aber das hier, na, des geht nicht hinein in unsern Schädel. Dass Secondlife ein rechter Quatsch ist, ein Hype, Zeitverschwen- dung deluxe und im Grunde nur eine große Geschäftemacherei, wissen wir alle, seitdem in der Wintersaison selbst die hinterletzte Lokalgazette drüber berichtet hat. Die smarteren unter den Secondlife-Kommentatoren stellten damals in Frage, wozu man eine virtuelle Zweitwelt brauche, wenn man dort dann doch wieder nur malochen und shoppen geht oder mit halbgaren Sprüchen von der Stange versucht, was für die Pixel-Schlafstatt klar zu machen. Genau dieses Argument fiel uns auch ein, als wir vor ein paar Tagen von muenchen-secondlife - dem virtuellen Ableger unserer Heimatstadt - erfuhren.

Schöne neue Welt? Durch den Hof, dann links! (Foto: mawa/isarstadt.de)
Second Life first?
“Der touristisch relevante Innenstadtbereich vom Stachus bis zum Isartor” wird dort - so der verschwurbelte Werbetext - nachmodelliert. Nur: Warum? Die Projektbeschreibung liefert einen Erklärungsansatz: “Wenn Leute, die die Stadt nur aus dem Internet kennen, eines Tages nach München kommen, sollen sie sagen: Das sieht ja genauso aus wie in Second Life!“. Spooky! Da warten wir doch lieber, bis es Google Street View, die horizontale Stadtansicht, auch für München gibt. Und erinnern uns an die schönen Tage, die wir als Kinder im ebenfalls auf eine handliche Größe geschrumpften, aber wenigstens greifbaren Mini-München verbracht haben.
Schwerter zu Pixeln
Um aus dem ganzen Secondlife-Schmarrn wenigstens ein bisserl Sinn rauszuquetschen, schlagen wir vor, ein paar nervige München-Dinge kurzerhand aus der Realität in die 3D-Welt zu verfrachten (und da nimmer rauszulassen): Die Kiddie-Kneipe im Haus gegenüber zum Beispiel, die uns schon seit Wochen den Schlaf raubt. Sämtliche Immobilienmakler, Türsteher und Adabeis. Den feschen Obst-Didi von vor der Uni. Den feschen Christian von aus dem Rathaus. Die halberte Leopoldstraße. Die Leute, die am frühen Nachmittag vor Lokalen wie dem “Brenner’s” oder dem “Armani Café” sitzen und “werben & verkaufen” oder die “Vanity Fair” durchblättern. Ha: Am besten gleich die ganze “Vanity Fair”! Ach, die kommt aus Berlin? Auch wurscht.
11. Juni 2007
mawa
Kräftemessen zwischen Hof- und Englischem Garten: Wer stellt die bessere Kunst-Party auf die Beine? Nachdem der Kunstverein vor einer Woche mit einer formidabel frequentierten Eröffnung der Wolfgang Tillmans-Show gepunktet hat (die Arkaden im Hofgarten sind in der Tat eine großartige Feier-Location: keine ruhezustörenden Nachbarn, mit Heizstrahlern selbst bei mauem Regen-Wetter kuschelig, der wunderschöne Blick in den Garten), zieht nun das Chris Dercon Soundsystem an der Rive Gauche des Rings nach. Der laute Belgier, publicitybewusster Chef des Haus der Kunst, lädt diesen Sonntag ab 12 Uhr zum “Big Opening” der Gilbert & George-Ausstellung ein.

Kunstverein minus Partypeople. A schee. (Foto: kunstverein-muenchen.de)
Kunst machen, Baum pflanzen
Das Programm kann sich sehen lassen (und das Beste: es gibt alles für lau!): Ab 12 Uhr mittags finden “Talkshows” mit den exzentrischen Engländern und dem auch grad im HdK ausstellenden Nerverl Gesamtkunstwerk Schlingensief statt. Um 16 Uhr signieren Gilbert & George Bilder, Plakate und, so die Vorankündigung, “alle mitgebrachten Dinge” (das ist doch mal eine Ansage! Wir bringen unsere viel zu groß gewordene Wohnzimmer-Yucca-Palme mit. Und pflanzen sie dann anschließend vorm P1 ein). Ganz groß: Für 20 Uhr ist Erobique (siehe auch: Fischmob, DJ Koze, International Pony) als Live-Act gebucht. Wenn bis dahin noch nicht klar war, dass Master Dercon die ganz coole Sau ist, dann unterstreicht’s dieses Booking. Wir sind schon gespannt, wie die Partylöwen vom Kunstverein da kontern!
In eigener Sache: isarstadt.de braucht Sommer. Braucht Sonne. Mehr Sonne. Deshalb (und weil wir ja Day-Jobs auch noch haben…) fahren wir unseren Textoutput mal ein bissl runter. Das grad, weil wir nach wie vor Freunde der (mittel)langen Form sind und lieber seltener, dafür aber g’scheid schreiben wollen. Neues auf isarstadt.de gibt’s künftig immer am Montag Sonntag, Mittwoch Dienstag und Freitag Donnerstag (bzw., wegen der unterschiedlichen Erscheinungszeiten der jetzt.muenchen-Kolume, manchmal auch erst am Mittwoch).
8. Juni 2007
mawa
Vor einer Weile schon hatten wir voller Vorfreude über den München-Film “Shoppen” geschrieben. Und es dann erst vergangene Woche geschafft, ihn selber anzuschauen. Unsere erste Reaktion: Ein “Naja”-Film. Einer, der mit seinem rasant geschnittenen Trailer geblendet hat. Einer, der verhalten unterhalten hat, den wir schnell wieder vergessen würden. Falsch gedacht: Nicht nur, dass manche der Film-Charaktere einfach so nah am wirklichen Münchner Alltag dran sind, dass wir ihnen tagtäglich zu begegnen meinen - uns laufen nun auch noch die “Shoppen”-Schauspieler dauernd über den Weg. Ende vergangener Woche: Anna Böger, die die von den Männern genervte Susanne spielt, mit schwarzen Haaren am U-Bahn-Hof Sendlinger Tor. Gestern, am frühen Abend, Lisa Wagner (spielt im Film die Krankenschwester Irina) in der Theatinerstraße.

Walk of Fame - Municht style (Foto: sist/isarstadt.de)
Einkaufsführer
Nun mag man sagen: Die sind ja nun auch noch nicht so prominent, dass sie sich wie eine Veronica Ferres Greta Garbo in ihrem Zimmerchen einschließen und von Rosen und Sauerstoffgerät allein leben müssten. Und arbeiten tun die ja auch was, nämlich vor allem an den Münchner Theatern. Ein bisserl Hollywood-Gefühl gibt uns das aber trotzdem, dieses unerwartete Starspotting auf dem Nachhauseweg. Da kommt einem München gleich ein wenig größer, ein wenig weltgewandter vor. Vielleicht wär’s ja eine Geschäftsidee, solche Stadtpläne wie in Los Angeles drucken zu lassen, auf denen eingezeichnet ist, wo man wann welchem “Shoppen”-Darsteller begegnen kann. Wir haben auch schon einen erstklassigen Titel dafür parat: “Einkaufsführer”.
6. Juni 2007
mawa
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