Archiv für Dezember 2007

Teig statt Böller

Same procedure as every year. Und das heißt: Am 31.12. mittags in die Pizzeria. Ein schöner Brauch. Seit bald zehn Jahren. Immer mit demselben guten Freund. So einfach, so gut. Nun muss man aber wissen, dass es gar nicht so leicht ist, am letzten Tag des Jahres noch etwas gebacken zu bekommen, das aus Teig, Tomate und Käse besteht. Der Stamm-Italiener um die Ecke hat zu, die Betreiber sind mit den übriggebliebenen Panettone gen Heimat verreist. Und die schickeren Etablissements brezln sich bereits für das Abend-Menü à 99 Euro auf. Bleiben ein paar wenige, oft noch unter der Kategorie “einfach” anzusiedelnde Pizzastüberl übrig. Und auch die musst erstmal finden (was sich dann allerdings prima als Altjahrsspaziergang deklarieren lässt).

Pizza Monaco
Warum gibt’s vor verschlossenen Pizzerien eigentlich nicht so eine Notfall-Übersicht (”Diese Pizzeria hat heute für Sie geöffnet”) wie bei Apotheken? (Foto: G. P. Padgett/stock.xchng)

Der Mantel transpiriert

In den ersten Jahren unseres Silvestermittags-Rituals hatten wir ein Lokal direkt am Hohenzollernplatz ausfindig gemacht. “Il Qudarifoglio” oder so hieß es, kann das sein? Das beste an dem Ristorante war auf jeden Fall, dass man aufgrund seiner Lage im Souterrain beim Essen den Hosensaum der am Trottoir Vorbeieilenden betrachten konnte. Dann frequentierten wir mal das “Boazn Egalia” “Bella Italia” am Rosenheimer Platz - unsere Wollmäntel transpirierten noch eine Woche später Fettdünste und so richtig wohl war uns am Abend auch erst wieder nach dem dritten Glaserl Sekt. Schließlich, gleich mehrere Jahre in Folge: “Il Padrino” in Haidhausen. Keine schlechte Wahl, aber schon fast zu “normal” - ein bisserl altbacken, fetttriefend darf es ja sein zu diesem Anlass - allein schon aus “Quadrifoglio”-Nostalgie-Gründen.

Trans-Fette à gogo

In diesem Jahr wollten wir’s mal in der Innenstadt versuchen: Beim Viktualienmarkt gibt es einen kleinen Old School-Laden mit dem naheliegenden Namen “Il Mercato”. Dicht. Ebenso (die freilich gar nicht in unser Silvester-Beuteschema passende, weil sehr feine) Pizzeria “Grano” am Jakobsplatz. Neue Idee: “Il Cappuccino” (heißt tatsächlich so) hinterm Patentamt. Dem äußeren Eindruck nach genau die Art Lokal, die wir suchen. Aber: Nischt. Verschlossene Türen auch beim “Little Italy”-Schuppen an der Reichenbachbrücke. Blieb nur der kühle “Pasta & Basta”-Raum an der Fraunhoferstraße (ehemals “Parkcafé Next Door”), der - zumal angesichts wirklich unglaublich niedriger Preise - ganz solide Ware lieferte. Bleibt die Gewissheit: Im kommenden Jahr gehen wir wieder auf die Suche!

By the way: Rutscht’s gut rüber!

31. Dezember 2007 mawa 2 Kommentare

Sendlification

Sendling. Da gehst hin wegen dem Substanz, wegen den Italienern rund um den Großmarkt, vielleicht wegen einem Bring-your-own-beer-Fest in einer Berliner Exil-WG, vielleicht noch wegen der Kletterhalle oder halt wegen der Isar. Das war’s dann aber auch fast schon. Ansonsten: Gehst nicht nach Sendling. Sondern wohnst allenfalls dort. Nun aber, nun gehst halt doch wieder dort hin. Um einen Bio-Tofu oder vegane Würschtl zu kaufen. Ein Pfund Topinambur oder anderes halbexotisches Gmias. Einen Rotwein, der edel genug ist als Silvester-Mitbringsel, aber nicht zu teuer. Oder aber, jawoll, wegat dem selten genug erhältlichen Nährbier.

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Erst in den Markt, dann in die Wirtschaft. (Foto: C. Sillero/stock.xchng)

Münchnerisch to the core

Wie ein Ufo ist mitten im womöglich letzten Münchner Stadtteil, in dem’st noch eine reele Chance hast, Holzofen und Etagenklo zu finden, der potenziell schickste Münchner Supermarkt, ein Edel-Edeka, gelandet. Auf halbem Weg zwischen Pocci- und Implerstraße. Mit einem Öko-Angebot, das seinesgleichen sucht. Mit Ethno-Food jeglicher Couleur und einem Sommelier-Sortiment. Ausgerechnet in einer Low-Income-Gegend, die selbst im Vergleich mit beispielsweise dem ähnlich zentrumsnahen Westend durch eine angenehm niedrige Webdesigner- und Hobbykünstler-Dichte punktet. Die sich in den zwanzig Jahren, seit Franz Xaver Bogner dort die großartige Serie “Zur Freiheit” gedreht hat, kaum verändert hat. Blue Collar. Bierdimpfl. Einfach. Liebenswert. Münchnerisch to the core.

Packerl-Käs und Prosecco

Da rufen wir freilich gleich mal: Gentrification! Und fragen im nächsten Augenblick: Is des (in diesem speziellen Fall) eigentlich so schlimm? Der schicke Supermarkt macht recht clever Werbung mit Sprüchen à la “Wie am Viktualienmarkt - nur ohne Touristen”. Und recht hat er: Ist doch grundsätzlich prima, wenn man mal wo was anderes kriegt als den immer gleichen Packerl-Käs. Den nahe gelegenen Discounter und den türkischen Einzelhändler wird der Boutique-Krämer nicht kaputtmachen - im Gegenteil: Wie bei der ebenfalls zentrumsnahen “Hopfenpost” kann sich eine gesunde Synergie ergeben: Während der Cayenne mit dem Sylt-Aufkleber bequem und sicher auf dem Gratis-Parkplatz vom Edeka steht, werden noch schnell ein Flascherl Schampus bei Penny und Halva und Oliven bei Cavusoglu besorgt. Ruck ‘ma halt zam!

27. Dezember 2007 mawa 7 Kommentare

Oh my gosh, my golly

Weihnachten
(Foto: M. Bretherton/stock.xchng)

Kitsch? Ach was, an Weinachten muss das auch mal sein. Und wer nicht bereits eine Frank Sinatra-Weihnachts-CD eingelegt hat (Pflicht!), nehme sich doch mal vier Minuten Zeit hierfür.

Und wer’s nicht Oldold School mag, sondern einfach nur Old School, dem sei dieser Klassiker an’s Herz gelegt. No Wham! this year!

Wir hören uns in Kürze wieder. Kommt gut über die Feiertage!

23. Dezember 2007 mawa Kommentieren

Rumble in the Fußgängerzone

Lose Gedanken an einem Adventssamstag nach Ladenschluss

Eure Glühweinerlichkeit kotzt mich an.

Ist das die Rache für Jesolo und Rimini und Gardasee? Oder finden es die vielen gerade in München frierenden Italiener wirklich so magnifico, sich auf den Christkitschlmärkten nördlich des Brenner den sauren Wein, den sie daheim nie trinken würden, mit Zucker gestreckt und zur Unkenntlichkeit erhitzt reinzupfeifen? Lesson learnt: So ein Wies’n-Rausch kann offensichtlich lange nachwirken.

Eure Bratwurstigkeit kotzt mich an.

Weihnacht
Da habt’s die Bescherung! (Foto: O. Franco/stock.xchng)

Warum hat man in so vielen, ganz besonders in den besonders großen Läden keinen Handy-Empfang? Ärgerlich, wenn man sich getrennt hat und dem anderen etwas zeigen will. Da trifft man sich dann irgendwann frustriert vor dem Geschäft. Und kauft am Ende bei der Konkurrenz ein. Lesson learnt: Marktwirtschaft, Baby!

Ja, is’ denn wirklich scho’ wieder Tollwood?

Die Buchhändler haben’s leichter als die Tuchhändler. Während letztere noch lange nach 20 Uhr die wild übers Geschäft verteilten Kleidungsstücke zusammenlegen müssen, haben erstere ihre Ware längst wieder im Regal verstaut. Lesson learnt: Leser sind klüger als Kleiderständer.

Wollt Ihr das wirklich alles kaufen?

Schätzelcken, das Ding steht Dir wirklich nicht. Auch wenn Dein Freund noch so blöde in die Umkleidekabine hinein grient. Lesson learnt: Der junge Mann ist doch bloß höflich!

Wollt Ihr das wirklich alles essen?

Ich glaub, ich geh’ jetzt mal heim.

15. Dezember 2007 mawa 6 Kommentare

History Channel

Da hast einen dicken Hals und einen dicken Schädel und eine dicke Decke und das Nachtkasterl voll mit Medikamenten. Sprich: Da liegst darnieder. Über eine Woche. Da denkst dir: Wenigstens ein Gutes muss die Gaumengaudi doch haben. Dass ‘d mal wieder zum ferngucken (oder besser: fernstarren) kommst zum Beispiel - und dabei am End sogar ein kleines Juwel findest. Nämlich: Die gute alte Tante BR kramt jeden Mittag zwischen 14 und 15 Uhr Fundstücke aus ihrem TV-Archiv.

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Historie per Knopfdruck - gesehen nahe Rotkreuzplatz
(Foto: mawa/isarstadt.de)

Power to the Pepita!

“anno” nennt sich die jeden Werktag zur sehr werktätigenfreundlichen Stunde ausgestrahlte Sendung und versammelt ein nettes Sammelsurium aus Kuriosem und (ungewollt) Kabarettistischem. Da können dann die bienenkorbtoupierten und etwas steif daherstacksenden Damen Gittie und Elfie und Gisela anno 1962 Après-Ski-Mode im properen Pepita-Design vorführen (by the way: im Hochsommer im Maria-Einsiedel-Freibad - immer der Zeit voraus!). Da können Gernstl-Folgen aus den 1980ern laufen (mit Schnäuz und Vokuhila, hihi) oder holzhammer-humorige Hohelieder auf die Heimat. In jedem - und auch noch dem dümmsten, BR-biedersten - Falle sind’s Dokumente, die heute schon allein ihres Zeitkolorits wegen spannend anzusehen sind.

Früher war eh alles besser

Schade, dass der Bayerische Rundfunk die schönen Schnipsel nicht auch online stellt (oder zumindest die kompletten “anno”-Sendungen im Netz anbietet). Dann müssten wir nicht künftig unseren Videorecorder bemühen - und dann liefe auch niemand Gefahr, hernach auf demselben Fernsehkanal hängen zu bleiben. Im direkten Anschluss läuft nämlich die derbe Adoleszenten-Verarsche “Südwild”, die glatt noch unter VIVA-Niveau dahersendet (Moderatoren-Kommentar angesichts eines unaufgeräumten WG-Zimmers: “Ey, hier schaut’s ja aus wie im Migrantenwohnheim”. Autsch!). Und mit ihrer dauerbemühten Berufsjugendlichkeit vorführt, dass man auch mit Baseball-Kapperl und Graffiti-Bus im Endeffekt eine ganze Ecke spießiger daherkommen kann als die Bikinimädels und Bauersleut der Années Soixantes.

11. Dezember 2007 mawa 1 Kommentar


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