Archiv für Januar 2008
isarstadt.de macht mal eben Pause. Weil wir uns neu behausen. In Neuhausen. Jawoll ja, wir haben dem erbarmungslosen Münchner Wohnungsmarkt ein paar Quadratmeter neue Wohnfläche abgerungen. Nach schlappen zwei Jahren Suche. Und weil so ein Umzug in gesetztem Alter stressig ist (ach, wie leicht’s war doch, als man noch mit dreieinhalb Koffern und einer Matratze durch die Gegend gezogen ist), bleibt der Blog erstmal kalt. Ob und wie und wann wir Internet haben in der neuen Bleibe, wird sich noch herausstellen. Und zum Cappucino-Blogger wer’n wir deshalb noch lange nicht.

Seltene Spezies: Bald sollen Münchner Wohnungen ja einen Platz im Museum der Moderne erhalten (Foto: mawa/isarstadt.de)
Komm’ bald wieder!
Aber wir hoffen ganz schwer, dass Ihr trotzdem bald mal wieder reinschaut, denn, sagen wir’s mal mit Paulchen Panther: Heute ist nicht alle Tage, wir komm’ wieder, keine Frage (irgendwann so bis Ende Februar sollte es soweit sein). Bis bald, wir lesen uns!
29. Januar 2008
mawa
Irgendwo in der Münchner Innenstadt, da gibt’s einen Haarschneider. Einen recht hippen Haarschneider. Was’d ja daran erkenennst, dass auf dem Schildl Top-Stylist und Oberstylist und Unterstylist steht und nicht etwa “Tutto completto für 9 Euro” (wobei die Preisuntergrenze für eine Männermähne mittlerweile schon bei sagenhaften 5,50 Euro liegt - gesehen in der Hauptbahnhof-Gegend). Bei jenem Haarschneider also, da saß gestern abend im Schaufenster (warum wird einem grad in den Momenten, wo man am dämlichsten ausschaut - mit an den Kopf geklatschten, zu langen Haaren, Halskrause und blassgelbem Polyester-Mäntelchen - zugemutet, sich der Öffentlichkeit preiszugeben?) ein gerade geschorener zu scherender im Begriff des Geschorenwerdens befindlicher Herr. In seiner Hand: Ein Bier!

Blondes have all the fun. (Foto: A. J. Alonso/stock.xchng)
Feuer Schere Licht
Wir fanden’s ja schon immer komisch, dass die Menschen beim Coiffeur rauchen dürfen und ganz ungeniert in Halbnackten-Heftchen blättern und wildfremden Mitbürgern ihre Lebensgeschichte aufdrängen. Auch dass manche Salons mittlerweile bis spät in die Nacht aufhaben, wundert uns (was natürlich grundsätzlich ein tolles Angebot ist, wenngleich wir uns fragen, wie das mit den sonst ja so strengen Ladenschlussgesetzen ‘zam geht. Weiß das jemand?). Aber Bier trinken? Ds ist neu! Wobei freilich hinzugefügt werden muss, dass die von uns gesichtete Flasche eine der coolen, ungemein metropolitären Art war. Genaugenommen: das höchst erfolgreiche Mädchenbier einer großen Bremer Brauerei (einen sehr schönen Artikel zum Thema gab’s in brand eins). Was das alkoholische Getränk dann ja fast schon wieder in eine Reihe mit Bionade, Bluna und Biokaffee rückt.
Ein Schnitt geht noch
Trotzdem: Heißt das, dass man die obligate Frisör-Frage, “Mögn’s an Kaffee?” nun ganz ungeniert beantworten darf mit: “Naa, ich hätt lieber a Halbe”. Wir sehen schon die älteren Damen mit Blauschimmelschimmer-Frisur unter der Haube des Salon Gitti sitzen - vor sich eine Pulle Augustiner. Und das Vokuhila-Manderl, dass die eine Hand gerade verdächtig nah zum Hintern der netten jungen Friseuse bewegt, hält die andere Pranke schützdend über sein Weißbierglas - der herumwirbelnden Haare wegen. Ach ja, und einen Brüller hätt ‘ma zum Schluss noch auf Lager: Kommt ein Mann zum Frisör und sagt: “Grüßgott, ich hätt gern einen Schnitt“. Prost!
19. Januar 2008
mawa
Waiting for the Mannsbuid: Heute ein Ticket gekauft. Das heißt: Kommender Mittwoch Muffathalle. Henry Rollins. American Hardcore in Person. Das Muskelmanderl. Der Tattoo-Brocken. Auf Spoken Word-Tournee. Hurra! Der Mann hat uns seinerzeit beigebracht (nein, eigentlich: hat er’s uns ins Gesicht geschrien), dass wir eine “low self opinion” haben. Und als Abhilfe empfohlen: “Get some, go again” - wobei er da wohl weniger ans christliche Wange-Hinhalten gedacht haben mag als an das gute alte “Zahn um Zahn”-Prinzip. Nix da mit “Ruck’ma zam, passt scho”. Stattdessen: Direktemang druff.

Will uns sagen: Biep, biep, biep, ich hab euch lieb. (Foto: Target Concerts)
Fight Club
Wo Rollins drauf steht, wird nicht lang gefackelt. Über den poetischen Wert der Ergüsse des ehemaligen Black Flag-Frontmanns kann, mag, muss man freilich geteilter Meinung sein. Sicher ist aber: Der Mann ist ein ganz Großer. Körperlich. Optisch. Insgesamt. Jede Geste ist ganz großes Theater. Und wenn’s nach dem Quadratschädel geht, darf Kunst auch (physisch) weh tun.
Get some, go again
In seinem Tour-Tagebuch “Get in the van” über die Zeit mit Black Flag Anfang bis Mitte der 1980er (ein großartiges Dokument der frühen US-Punk/Hardcore-Szene mit vielen Fotos!), berichtet er unter anderem, wie sehr ihm die Größe der Bierkrüge (zu englisch: “steins”) im Alpenraum imponiert habe. Allerdings weniger als Trinkgefäß (Straight Edge, anybody?) denn als mögliches Wurfgeschoss. Wie gut, dass ihm bei seinem Auftritt im Februar `83 im Münchner Löwenbräukeller dann nur eine Bierdose aus dem Auditorium gegen den Kopf flog.
Worte wie Watsch’n
Wir stellen uns den Auftritt kommende Woche etwas weniger körperlich vor. Und wissen von einer Autogrammstunde mit dem Meister zu berichten, dass er auch ganz handzahm und zuvorkommend sein kann. Trotzdem: Die Spoken Word-Show steht wohl nicht von ungefähr unter dem Motto “Provoked”. Worte wie Watsch’n. Zieh’ ma uns warm an!
12. Januar 2008
mawa
1 Jahr isarstadt.de. Am 8. Januar 2007 ist der erste Beitrag online gegangen. Eine Standortbestimmung. Die heute nicht mehr so stimmt (was gut ist, denn sie war doch ein bisserl zu eng gedacht).
Was seitdem geschah:
172 Beiträge Anfangs haben wir tatsächlich täglich, auch am Sams- und Sonntag einen neuen Artikel veröffentlicht. In der Rückschau: Komplett verrückt! Wo haben wir bloß die Zeit hergenommen? Und die Nerven? Naja, war’n ja noch jünger. Damals.
402 Kommentare Und wir freuen uns über jeden einzelnen! Denn das bedeutet, dass wir bei irgend jemandem da draußen etwas ausgelöst haben (und wenn’s nur die Stimulation der Motz-Motorik ist).

Sollte hier als Bildunterschrift jetzt stehen: isarstadt.de sticht? Oder doch eher: isarstadt.de tut weh? Ganz werbewirksam wäre ja: isarstadt.de geht unter die Haut. Oder wir sagen’s einfach frei raus: Der Tätowierer, der so schief und krumm gearbeitet hat, war halbblind und sturzbesoffen. (Foto: C. Kampmeier/flickr CC)
53 Nervenzusammenbruchsränder und 84,7 nagende Selbstzweifel Warum das alles? Man könnte seine Freizeit doch auch ganz anders gestalten. Mit Spiel und Spaß an der frischen Luft zum Beispiel. Mit ‘nem schönen Hobby wie Numismatik, Batiken oder Meerschaumpfeifenschnitzerei. Aber nee, wir wollen’s ja so, brauchen’s doch. Jeder, der selber bloggt weiß, was wir meinen. Oder?
211 Glücksgefühle Beim Drücken der Taste “Veröffentlichen”. Beim Wiederlesen gelungener Beiträge. Beim Entdecken interessanter Kommentare. Beim Schließen neuer, virtueller Bekanntschaften. Bei der Lektüre anderer Münchner Blogs.
Aber machen wir’s kurz, bevor’s hier zu rührselig - Mensch, so jung komm’ wir nich’ mehr zusamm’ - oder nabelschauig wird: Auf ein gutes neues Jahr! Schaut’s doch auch künftig regelmäßig vorbei. Kommentiert, verlinkt, sagt uns weiter und sagt uns gerne auch, was Euch an isarstadt.de gefällt und was nicht so sehr. Wir freu’n uns!
5. Januar 2008
mawa