München, 19. Januar 2008 mawa
Die mit den Flaschenöffnern
Irgendwo in der Münchner Innenstadt, da gibt’s einen Haarschneider. Einen recht hippen Haarschneider. Was’d ja daran erkenennst, dass auf dem Schildl Top-Stylist und Oberstylist und Unterstylist steht und nicht etwa “Tutto completto für 9 Euro” (wobei die Preisuntergrenze für eine Männermähne mittlerweile schon bei sagenhaften 5,50 Euro liegt - gesehen in der Hauptbahnhof-Gegend). Bei jenem Haarschneider also, da saß gestern abend im Schaufenster (warum wird einem grad in den Momenten, wo man am dämlichsten ausschaut - mit an den Kopf geklatschten, zu langen Haaren, Halskrause und blassgelbem Polyester-Mäntelchen - zugemutet, sich der Öffentlichkeit preiszugeben?) ein gerade geschorener zu scherender im Begriff des Geschorenwerdens befindlicher Herr. In seiner Hand: Ein Bier!

Blondes have all the fun. (Foto: A. J. Alonso/stock.xchng)
Feuer Schere Licht
Wir fanden’s ja schon immer komisch, dass die Menschen beim Coiffeur rauchen dürfen und ganz ungeniert in Halbnackten-Heftchen blättern und wildfremden Mitbürgern ihre Lebensgeschichte aufdrängen. Auch dass manche Salons mittlerweile bis spät in die Nacht aufhaben, wundert uns (was natürlich grundsätzlich ein tolles Angebot ist, wenngleich wir uns fragen, wie das mit den sonst ja so strengen Ladenschlussgesetzen ‘zam geht. Weiß das jemand?). Aber Bier trinken? Ds ist neu! Wobei freilich hinzugefügt werden muss, dass die von uns gesichtete Flasche eine der coolen, ungemein metropolitären Art war. Genaugenommen: das höchst erfolgreiche Mädchenbier einer großen Bremer Brauerei (einen sehr schönen Artikel zum Thema gab’s in brand eins). Was das alkoholische Getränk dann ja fast schon wieder in eine Reihe mit Bionade, Bluna und Biokaffee rückt.
Ein Schnitt geht noch
Trotzdem: Heißt das, dass man die obligate Frisör-Frage, “Mögn’s an Kaffee?” nun ganz ungeniert beantworten darf mit: “Naa, ich hätt lieber a Halbe”. Wir sehen schon die älteren Damen mit Blauschimmelschimmer-Frisur unter der Haube des Salon Gitti sitzen - vor sich eine Pulle Augustiner. Und das Vokuhila-Manderl, dass die eine Hand gerade verdächtig nah zum Hintern der netten jungen Friseuse bewegt, hält die andere Pranke schützdend über sein Weißbierglas - der herumwirbelnden Haare wegen. Ach ja, und einen Brüller hätt ‘ma zum Schluss noch auf Lager: Kommt ein Mann zum Frisör und sagt: “Grüßgott, ich hätt gern einen Schnitt“. Prost!
Eintrag unter folgendem Thema abgelegt: Essen & Trinken, Kurioses
3 Kommentare Auch einen Kommentar hinterlassen
1. Dorin | Januar 19th, 2008 at 12:36
Über die Sache mit den Öffnungszeiten habe ich auch schon gerätselt. und mit den Getränken verhält es sich ähnlich. kann mich noch gut erinnern, wie gerade wegen der herumwirbelnden Haare der Ausschank von Getränken in Friseursalons aus Hygienegründen gänzlich untersagt worden ist. Nur hat sich kaum einer daran gehalten. Aber danke für die Schlußpointe mit dem Schnitt: Selten so gelacht…
2. Martin | Januar 23rd, 2008 at 23:32
Ich glaub, hinsichtlich des Ladenschlusses greift in München schlicht die “liberalitas bavariae”. Mein Coiffeur (bei meinen Eltern in Rosenheim draußen) schließt jedenfalls pünktlich. Aber wenn der mir so ein greisliges gepanschtes Preißen-Becks hätt andrehen wolln… na, bei dem gibt’s des eh ned. Aber der Brauereiausschank vom Flötzinger ist ums Eck. Ich werd mal nachfragen…
3. Dorin | Januar 29th, 2008 at 19:37
Da kennst Du aber das Münchner Gewerbeamt schlecht, das sind ziemlich scharfe Kettenhunde, was die Ladenschlußzeit betrifft. Ich kann mir nur vorstellen, daß Friseure eben nicht als Läden gelten, sondern als Dienstleister und daher gesonderten Regeln unterliegen.
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