Archiv für September 2008

Herbstatata

Die schönsten Stimmungshits der letzten Jahrzehnte. Heute: Rilke.

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß,
Jetz’ geht’s lo-os, jetz’ geht’s lo-os,
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Hey, hey, Baby, uh, ah,
und auf den Fluren lass die Winde los,
Winde, Winde, Winde!

Bierglas
Rainer-Maria, hast den G’schirrspüler ausg’macht? (Foto: mawa/isarstadt.de)

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein,
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Heey, ab in den Süden, der Sonne hinterher,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwei,
die letzte Süße in den schweren Wein,
nur ein Schwein trinkt allein!

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr,

er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür,
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
i wui wieder hoam, fühl mich gar so aloan,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben,
weil’st a Herz hast wia a Bergwerk,
und wird in den Alleen hin und her,
country roads, take me home to the place I belong,
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben,
mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein.

Hölle, Hölle, Hölle.
Noch sechs Tage.

Prost!

29. September 2008 mawa Kommentieren

Herzbuam

Das “Großartig!” des Abends geht an: Eine - freilich - anonyme Lebuchenherz-Verkäuferin extra muros der Wies’n, kurz vor der Hackerbrücke:
“Mögn’s a Herz für sieben oder eins für fünfzehn Euro? Langt Ihnen ‘I hab di liab’ oder wolln’s doch eher ‘I hab di soooo wahnsinnig liab’ haben?”

wiesn
Hinter’m Horizont geht’s weiter. Immer weiter. (Foto: mawa/isarstadt.de)

28. September 2008 redaktion Kommentieren

Ring. Finger. Mittelfinger.

Es gibt einige Gründe, die contra Auto und pro ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr - was für ein wunderbares Wort!) sprechen: Der Carbon Footprint. Der tägliche Stau der Berufsverkehrenden. Die Kosten. Das schlagendste Argument erlebt jedoch, wer dieser Tage im Faradayschen Käfig den Mittleren Ring entlangzuckelt: Geschätzte 500 Plakate pro Fahrbahnkilometer buhlen um die Aufmerksamkeit der penetranten Pendler. Wahlplakate.

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Unser Wahlkampfmotto: Was vorne reingeht, muss hinten auch wieder raus (Foto: Eva Mayer/flickr CC)

Oans, zwoa, Wahlkabine

Das Auffällige: Nur ein Bruchteil der an den Ring- und Ausfallstraßen Wahlwerbenden gehört zu den Parteien, die sich mit solchen Fragen aufhält, wer am meisten Bier verträgt und sich dann auch noch hinters Steuer setzen kann, ohne erwischt zu werden. Oder mit dem Dirnd’l-Gate. Stattdessen dreht sich das Weltbild bei all den obskuren “Jetzt red I”-Parteien, Bierdimpfl-Vereinigungen und Splittergrüppchen, deren Existenz Arbeitsplätze beim Verfassungsschutz sichert, um ein paar wenige Konstanten: Rauchen ist gut, alles Fremde ist böse und Demokratie bedeutet, dass einfach jeder macht, wonach ihm grad ist. Liberalitas Bavariae. Oder so. Die Braunen dichten Wies’n-tauglich: “Blau wählen”. Au weh!

Schnupper-Demokratie

Frage: Halten all diese arg Parteilichen die Ring-Fahrer für blöd? Denken sie, dass das habitusmäßige Schnuppern an des Vordermanns Abgasen einen empfänglich macht für recht(s)haberische Randale? Dass einen das ständige Starren auf Stoßstangen an holistischen Hokuspokus glauben lässt? Bloß gut, dass das Parteien-Posing in den öffentlichen Verkehrsmitteln (noch) weitgehend fern ist: Mit unsrer Isarcard retten wir neben dem Weltklima auch noch unsere Seelengesundheit über die Wahlkampf-Zeit hinüber.

23. September 2008 mawa Kommentieren

Handy killed the Wies’n-Treffpunkt

Um drei am Turm. Um vier am Turm. Um fünf, um sechs, um sieben. Wurscht war’s. Wann’st auch an den Turm gekommen bist, immer war wer da. Jemand den’st kennst. Oder jemand, der wo wen anders kennt. Immer hast wen getroffen. Am Turm. Am Paulaner-Turm. Schön war’s. Wenn dich das Wies’n-Fieber gepackt hast, bist halt rausgegangen. An den Turm. Allein, zu zweit. Zu vielen. Immer. Am Turm.

Paulaner
Der wahre Monk (Foto: Ming Xia/flickr CC)

Der Turm strahlt

Vorbei ist’s (und das schon seit einer ganzen Weile): Wer geht heut noch auf’s Geratewohl wo hin? Wer kündigt sich nicht bereits auf dem Weg zum Ziel per Handy an: “Bin gleich da”? Wer zückt nicht nervös selbiges Gerät, wenn er auch nur ein paar Minuten allein wo rumsteht? Das Handy hat unsren Wies’n-Treffpunkt kaputtgemacht. Jeder x-beliebige Mobilfunk-Mast hat nun eine stärkere Strahlkraft als der gute alte Pauli-Turm.

Don’t call us, we’ll call you

Natürlich hat’s auch sein Gutes: Auch wir haben schon mal vorm vollbesetzten Zelt, dicht neben dem grimmigen Gesicht des Gatekeepers, ins Handy geflüstert: “Schickt’s die schöne Gitti an die Tür, die soll uns reinwinken”. Auch wir haben schon oft geholfen, das Bruttosozialprodukt zu steigern, indem wir mal wieder länger in der Arbeit geblieben und erst auf die Wies’n nachgekommen sind. Wär ohne Handy nicht gegangen. Aber trotzdem: Schöner, lockerer, spontaner, spannender war’s vorher. Weil’s grad wurscht war.

Morgen am Turm? Wir telefonieren!

19. September 2008 mawa 2 Kommentare

Neu hausen revisited

Wir zücken den Kompass. Die Koordinaten von isarstadt.de haben sich ja ein bisserl verändert. Und damit auch der Blick-Winkel auf die Stadt. Waren wir bisher arg Zentrums-zentristisch ausgerichtet, kommen wir jetzt von links daher (no politics implied). Vom Westen also. Sind aus dem Innersten der Isarstadt rausgezogen. Und doch irgendwie erst richtig in die Stadt hinein. Hä? Ja, wie jetzt?

Donnersbergerbrücke
Tennisclub Donnersberger Brücke, Center Court. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Mit dem Hund ums Eck

In unsrer neuen Hood haben wir Herren mit Hund und Halbglatze und der nächsten Halben im Hinterkopf. Wir haben eine große Brücke mit viel Verkehr drauf und viel Beton drunter. Wir haben ein berlineskes Treppenhaus, aus dem im Wochenrhythmus der eigentlich so gar nicht klauenswerte Altpapier-Korb geklaut wird. Wir haben Lokale, von denen nicht ein einziges “Lounge” im Namen trägt, dafür aber jedes zweite “Stüberl” oder “Eck”. Wir haben das Geburtshaus vom Fischer Helmut in walking distance (großartiges Wikipedia-Zitat: “He was the son of a businessman and a Änderungsschneiderin”) und nette Nachbarn, die im Keller Bier brauen. Soviel Stadt hatten wir noch nie.

Das Sendling von Neuhausen

Erstmals wohnen wir hierzustadt also in einem Kiez, in den wir auch unsere Berliner Bekannten einladen können, ohne dass ihnen blöde Bemerkungen übers vermeintliche Stehkragen-München einfallen (aber dafür hoffentlich ein paar nette zum Altbau-Feeling mit Original-Knarze-Parkett). Der von Schwabing, Glockenbach, Altstadt, von H&M und SUV und Adabei meilenweit entfernt ist. Und natürlich doch nur ein paar Minuten mit dem Radl. Der vielleicht ein bisserl das Sendling von Neuhausen ist. Ist das gut? Ist das schlecht? In jedem Fall ist es manchmal noch ungewohnt. Bleibt die Frage: Machen wir die Stadt oder macht die Stadt uns? Mal sehen.

15. September 2008 mawa Kommentieren

While we were sleeping

Moin, moin. isarstadt.de erhebt sich aus einem langen Winter Sommerschlaf. Streckt seine Glieder aus, wischt sich den Schlaf aus den Augen und steht noch ein bisserl wacklig auf den Beinen. Der Kreislauf. Kein Wunder in dem Alter. Im Pyjama setzen wir uns auf’s mit einer Staubschicht überzogene Sofa, der Schonbezug knistert, und wir versuchen den PC in Betrieb zu nehmen. Hat schon lang keinen Strom mehr durch seine Platinen zucken gefühlt, der Gute. Moin, moin. War was lo-os?

haengematte
Und täglich grüßt das Murmeltier? isarstadt.de hat sich mal ‘nen schönen Sommerschlaf gegönnt. Und kommt jetzt hoffentlich wieder in die Gänge (Foto: O. Alonzo/stock.xchng)

Hinterm Herd hervor

Aber natürlich war was los. Das sehn wir doch auf den ersten Blick. Die foodbloggenden delicious days-Macher haben jetzt tatsächlich ihr Kochbuch bei GU draußen (wir sind schon gespannt - die zucchinibloggende Clothilde hat zwischen zwei Buchdeckeln ja leider eher enttäuscht). Dem alles-und-immer-bloggenden Herrn Dorin sind wir auf den Filmseiten unserer Haus- und Hof-Bibel in muenchen auch offline begegnet (mehr! weiter!).

Dritte Zähne

Und die podcastende Annik Rubens hat es offensichtlich geschafft, den natürlichen Beiß-Reflex der Printjournalisten beim Thema Blogger zu überwinden und in der Abendzeitung am vergangenen Wochenende einen Beitrag über Münchner Blogs schreiben dürfen (den wir - ha! - online nicht finden und folglich auch nicht verlinken können). Müssen wir daraus schließen, dass Blogs mittlerweile als so irrelevant eingestuft werden, dass sich selbst die Papierpresse traut, darüber zu sprechen?

Abtwittern und Tee trinken

Nicht wenige Menschen versuchen uns ja schon seit einer Weile zu missionieren, dass Twitter das next big thing sei, ohne das nix mehr geht. Nee, nee, nu mal langsam mit die alte Ackergäule! Wir trinken jetzt ers’ma ‘n Kaffee Grüntee und versuchen, wieder in die Gänge zu kommen. Bevor uns hier jemand weismacht, dass jeder ständig die gesamte Welt über seine where- und what-abouts auf dem Laufenden halten muss, woll’n wir mal sehn, ob uns überhaupt noch jemand kennt. Moin, moin.

13. September 2008 mawa 8 Kommentare


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