Archiv für November 2008

Into the wild

Die Stadt. Ziel der Begierde. Selbst die früher als klassische Speckgürtler qualifizierten Doppelverdiener und Jungfamilien wollen heutzutage in der City leben. Wollen nicht nur Kita und Ki-Ba, sondern auch Kneipe und Kiosk und Konsum und Kultur in Gehweite haben. Was ist mit dem einstigen Ideal von Gartenhobbyraumgästeklo? Ach, sooo wichtig ist das gar nicht. Man kann ja nicht alles haben. So weit, so gut. Manchmal allerdings brennt bei den domestizierten Suburbanisten dann doch eine Sicherung durch und sie lassen ihren naturnahen Urinstinkten (bitte wie folgt lesen: Ur-Instinkten) freien Lauf.

tannen.jpg
Das ist doch der Wipfel! (Foto: Stefanie L./stock.xchng)

Light my Adventskranz

In der Vorweihnachtszeit, noch vor’m ersten Lichtlein, äußert sich das beispielsweise in der verzweifelten Suche nach Nadelgewächsen in Freilandhaltung, aus denen sich ganz old fashioned ein Adventskranz flechten lässt. Einer, der eben nicht vom Tenkelmann kommt, sondern frisch vom Baum. Nur: Woher sollst es nehmen, das Grünzeug, in der doch eher tannen-armen Innenstadt? Da musst halt improvisieren, mag sich ein offensichtlich DIY-erprobtes Pärchen gedacht haben, das wir gestern Nachmittag im Gestrüpp vor der Alten Pinakothek beobachtet haben.

Teilzeit-Thoreaus

Tatsächlich bereits mit einem Strohgebinde aus dem Bastelladen unter’m Arm, grasten die gepflegt wirkenden Golf-Generationisten beflissen die bodennahe Botanik nach Verwertbarem ab. Wären wir vom Anblick des seltsamen Treibens nicht quasi paralysiert gewesen, hätten wir den Teilzeit-Thoreaus am liebsten zugerufen: “Nein, tut das nicht!”. Denn uns grämt die Vorstellung doch sehr, dass jetzt heute zwei liebe Mitstädter - die offensichttlich von Tanninen und TANs und Tanning-Cremes mehr Ahnung haben als von Tannen - einen räudigen Kranz aus Kraut und Kieseln und Kronkorken auf dem Küchentisch liegen haben werden, der obendrein einen saftigen Odeur von Hundekot und nasser Erde verströmt. Oh my gosh, my golly!

30. November 2008 mawa Kommentieren

Present Sentences

Die Bilanz der vergangenen Jahre: Ein Büchergutschein für Lehmkuhl’s (ausgezeichnet angelegt in “Mr Thundermug” von Cornelius Medvei). Eine Packung Kühlschrank-Magneten zum Wörter-Puzzlen (beim letzten Umzug verlegt). Ein Erdmutter-Kerzenständer vom Tollwood (auch, äh, verlegt). Und tatsächlich mal Lavendelkissen. Geschätzte 87,2 Prozent aller Menschen stehen dem zumeist im beruflichen oder nachbarschaftlichen Umfeld zelebrierten Wichteln ablehnend bis ausgesprochen aggressiv gegenüber. Weitere 10,4 Prozent stehlen sich aus der Affäre, indem sie Darmgrippe, einen Arbeitsunfall oder den Tod des heimischen Hamsters simulieren. Und wir? Lieben den Brauch.

Blog-Wichteln
And the Wichtel goes to… Leider nicht mehr ins Bild (also auf unsren Küchentisch) gepasst hat der nette Notar, der über die einwandfreie Ziehung der Wichtel-Lose gewacht hat. Dafür hat er ‘ne Kiste Kekse mit auf den Weg bekommen. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Salz auf der Arbeitskollegen Haut

Vorausgesetzt natürlich, er wird vernünftig betrieben. Ist doch eine großartige Sache, wenn man sich mal Gedanken macht (bzw. machen muss), was dem Arbeitskollegen, mit dem man 200 Tage im Jahr einen Tisch in der Kantine teilt, privat Freude bereiten könnte. Wenn man den Nachbarn mal mehr als nur ein Pfund Salz oder eine mittelgute Flasche Rotwein schenkt. Wenn man sich also ein bisserl Mühe gibt. Etwas Persönliches gibt.

Schatz, da waren Fremde auf meinem Blog

Unter diesem Motto, soll auch das Blog-Wichteln stehen, zu dem wir jetzt zweieinhalb Handvoll Münchner Blogger überreden konnten. Naheliegenderweise besteht die Wichtel-Währung aus Texten, Fotos oder was man sonst noch so auf einem Bildschirm basteln kann. Das Prinzip ist einfach: Seit gestern weiß jeder Teilnehmer, wen er bewichteln wird (noch nicht jedoch, von wem er selber etwas erhält). Und am 10. Dezember sollen das die fremden Beiträge auf dem eigenen Blog veröffentlicht werden.

Und wer hat das Wichteln erfunden? Die Franken.

Patentieren lassen werden wir uns diese Idee nicht, denn wie wir mittlerweile erfahren haben, betreibt ein Blogger im fernen Franken das Blog-Wichteln nun schon im dritten Jahr. Aber es soll ja auch keine Konkurrenz-Veranstaltung sein, sondern wir wollten’s ganz bewusst regional halten und haben deshalb auch eine kleine Themenvorgabe abgemacht: Um München soll’s gehen. Und um Weihnachten. Wir sind schon sehr gespannt und empfehlen an dieser Stelle schon mal den geneigten Blick auf die teilnehmenden Münchner Blogs:

abspannsitzenbleiber
Bogenhausener Geschichten
Digitale Notizen
Dr. Sno*
isarstadt natürlich
Lyroholisch
münchenblogger
Notebook München
Snowflakes & Black Vampires
Tivoli-Blog
Unilife live
Vorspeisenplatte

Update: Auch dabei sein werden nun noch die Herren Mittagesser und Stadtneurotiker. Sehr schön, damit sind wir 14!

25. November 2008 mawa 3 Kommentare

Die neue Niedergelassenheit

It’s the end of gentrification as we know it. Ha! Wir haben’s doch immer geahnt. Dass irgendwann Ende Fahnenstange sein wird. Dass zum Schluss die Schwabenfrankenniederbayern das Glockenbachviertel übernehmen. Und dass mit ihnen die Normalität einzieht. Einmal über die Schloßallee, dann aber bitte auf der Badstraße stehenbleiben. Nachdem hier, in der Coolness-Corner der City, alles schonmal durchexerziert worden ist - Aufbruch, Durchbruch, Genickbruch - kommt nun die gesetzte Gelassenheit an. Nettigkeit als Gegenentwurf. Eigentlich gar keine so schlechte Entwicklung.

horse_2.jpg
Where I lay my hat is nett. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Ja, mei? Aber ja doch!

Wir war’n am Samstagabend in der “Niederlassung”. Da, wo mal das Ododo, also eines der Hipness-Zentren des Mjunik dorée, war. Und jetzt: Begrüßt uns eine junge Dame sehr freundlich und fragt, ob wir “zu den offenen Münchnern gehören” und uns an einen der Tische zu anderen Gästen gesellen mögen. Mögen wir nicht. Und beobachten fortan von der Bar aus, wie sich im Laufe des Abends tatsächlich Zufallsbekanntschaften ergeben, wie Nachzügler mit Vorgezogenen parlieren. Keine Spur von der Wirtshauskultur as we know it, derzufolge ein gelungener Abend darin besteht, sich gegenseitig über sein Bier hinweg anzuschweigen und nur ab und an “Ja, mei” zu murmeln. Bei soviel ungezwungener Nettigkeit überdenk’st glatt deine eigene Grund-Grantligkeit!

Fuckuall war gestern

Wir sind hier mitten in München und doch ganz woanders. An einem Ort, an dem wir eigentlich öfter sein könnten. Der Chef des Ladens, erfahren wir von der Bedienung, die uns im Laufe des Abends neben den Getränken auch ein paar wohlwollende Worte über die Bar schiebt, kommt aus Franken. Und hat von dort das “Bier des Monats” mitgebracht (eine Großartigkeit in der Brauerei-geknebelten Münchner Gastronomie!). Und vielleicht auch die CDs mit dem angenehmem College Radio-Sound. Und die Zeitschriftenwand mit “Zeit” und “Spex”. Das ist alles: Ein Plädoyer für eine neue Niedergelassenheit, die weit entfernt ist sowohl von den poshen Parties der Player und Poser wie auch den Schrecken des Binoade-Burnouts und der Bugaboo-Brigaden. Das ist Post-Glockenbach. Das ist: Gut so.

23. November 2008 mawa Kommentieren

Energiespar-Programm

Und nu also Karneval. Kölner Karneval. Pappnasen und Pils’chen. Elfter Elfter. Klaro. Abba doch ned hier, bitt’schön! Lasst’s uns mal über’s Freiheiz reden. Wer noch nix von der seit gut einem Jahr bestehenden Location gehört hat - was, unmaßgeblichen Umfragen im weiteren Bekanntenkreis zufolge bei durchaus einigen München-Menschen der Fall ist: Das ist die Halle neben der S-Bahn-Station Donnersberger Brücke. Die mit dem großen Backstein- Schornstein daneben (wir erinnern: da war ganz, ganz früher mal das Backstage). Die so etwas hätte werden können, hätte werden sollen wie die kleine Schwester der Muffathalle. Die nun aber lieber einen auf Karnevalsgaudi macht.

preparadise.jpg
Vorhölle oder…? Die Härte: Der Rainer Werner Fassbinder-Platz nebat der Freiheizhalle wird mittlerweile schon als Parkplatz missbraucht. Und die Autos fahren über die Teer-Skulptur mit den Filmtiteln. (Foto: mawa/isarstadt.de)

In der falschen Liga verkehrt

Man muss sich das mal vor Augen halten: Eine verkehrstechnisch kaum zu überbietende Lage mit MVV-Anbindung und kostenfreien Parkplätzen in Gehweite. Eine großartige Backstein-Architektur. Eine grad kommode Größe für die richtig netten Sachen. Ein Alleinstellungsmerkmal im sonst nicht immer aufregenden südwestlichen Randgebiet von Neuhausen. Eine Adresse mit quasi historischer Verpflichtung (der gar nicht mal so übel gelungene Rainer Werner Fassbinder-Platz, für den doch so viele Leute so lange gekämpft haben). Und trotzalledem ist die neue Halle direktemang in die Kreisliga eingestiegen, statt Stadtformat zu beweisen.

KKK der Kultur

Hier trifft sich der KKK der Kultur: Kleinkunst, Komiker, Kabarett. All das, was man in der Provinz so macht. All das , was die Fahrgäste der an der Do’Brücke haltenden BOB auch daheim im Umland geboten bekommen. Polit-Veranstaltungen. Public Viewing zur EM. Modelleisenbahn-Ausstellungen (Tatsache!). Wenn denn überhaupt was los is. Viele Tage und Abende lang scheint der Laden leer zu stehen. Da fällt der Blick der Vorbeiflanierenden dann nur auf einen greislig gesichtslosen Gastro-Bereich. Und selbst der Name, der an die ehemalige Nutzung als Heizkraftwerk erinnert, kalauert fast schon ein bisserl zu sehr, um noch leiwand zu sein. Schade.

Mehr Potenz, bitte

Sehr schade. Denn: Da liegt verdammt viel Potenzial drin, in dem Gebäude. Leude, bitte, strengt’s Euch an. Ladet mal g’scheite Bands in Euer Gemäuer. Macht ordentliche Partys. Lasst’s unsretwegen auch die Modellbahnfreude rein, aber veranstaltet am nächsten Tag halt eine Plattenbörse oder eine Kleinverlegermesse oder sogar eine Modenschau. Zeigt, dass Neuhausen mitten in München liegt. Legt auf Eurer Website wenigstens einen “Presse”-Bereich an, damit mal jemand über Euch schreibt und die Münchner Euch kennenlernen. Hört’s auf mit dem Energiespar-Programm. Vor dem Kehraus geht doch noch was!

17. November 2008 mawa 1 Kommentar

Radikal z’amruckn

Wir sind U-Bahn gefahrn. Gestern Abend. Mit dem Kamerun Schorsch. Und der fünfzigköpfigen Ninfo-Gesellschaft. Von der Maximilianstraße nach Berg am Laim. Von den Kammerspielen zur “Taverne Odyssee”. Wir haben eine Theaterkarte gelöst, um dann im Hinterzimmer eines Quartier-Griechen zu landen, irgendwo zwischen Neubau-Nichts und dickwandigen Blue Collar-Behausungen und dem Bahnhof Innsbrucker Ring. “Informationsverweigerungsabend” nennt sich die Gaudi. Ja.
Genau!

ninfo
Da vorne spielt das Theater. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Buy Out in Berg am Laim

Es versprach, eine der vielleicht spannendsten Veranstaltungen des Info/Ninfo-Programms zu werden, mit dem der Populär-Punk Kamerun derzeit das Neue Haus der Kammerspiele bespielt. Weil: Nix is fix. Nix is klar. Vor’m Theater treffen, hieß die Ansage. Und dann irgendwie, irgendwohin nach Berg am Laim, den missachteten Stadtteil, den der Spielleiter Schorsch in einem Interview mit der muenchenbloggerin Lisa Sonnabend mal eben zum neuen In-Viertel deklariert hat (großartiges Zitat: “Da kann man jetzt schon mal in Immobilien investieren, wenn man zum Beispiel eine BayernLB ist …”).

Kahlschlag im Bauerntheater

Nu sitzen wir dann also im Bauerntheater-Saal des Lokals, trinken das versprochene Freibier und auf der Bühne werden Zitronen-Variationen gegeben. Die sind mal: So. Und mal: Naja. Der Master of Ceremony fragt - wie man das dieser Tage halt so fragt - ob denn die Leute im Saal Rauchverbot haben wollen oder nicht. Da sagt einer ernsthaft doof: “Rauchen! Brechen wir mit den Konventionen!”. Und da entgegnet einer ehrlich schlau: “Das ist nicht radikal. Das ist höchstens kahl”. Und dann rauchen sie natürlich alle. Erinnert alles ein bisserl an eine Sitzung des Kleingartenvereins samt szenischer Darbietung der Gauvorsitzenden-Gattin. War’s das?

Theater? Ensemble!

Nein. Das war’s nicht. Denn vermutlich ging es weder um den kurzen Trumpf des Theater-Trupps noch um das Erlebnis des sanft Suburbanen, das vielleicht von den Hipstern in der Gruppe als Kontrastprogramm zur eigenen Lebenswirklichkeit wahrgenommen worden sein mag. Es ging, glauben wir, um’s Ruck ‘ma zam. Um’s Miteinanderreden in einer Stadt, in der man eher nicht miteinander redet. In der man miteinander U-Bahn fährt, ohne miteinander U-Bahn zu fahren. Der spontan sympathische, im gesellschaftlichen Gegenentwurf geschulte Wahl-Münchner Schorsch Kamerun hat es gut mit uns gemeint. Hat es auf unser aller Wohl abgesehen. Und das ist, mal wieder und ganz ohne Ironie: Radikal.

13. November 2008 mawa 4 Kommentare

Kinners, Kinners

Wenn gewisse ältere Herren - jene, die auf potenten Posten bei der Papierpresse prosperieren - regelmäßig über Blogs, Web 2.0 und anderes modernes Ungemach meckern, machen sie ihren Feind zumeist im bösen Bürger aus, der dank des Teufels Technologien jetzt auch seine unbedeutende Stimme erheben kann. Was die Herrschaften leider nicht kapiert haben: In manchem Kommentar steckt mehr Poesie als in halbherzig ins Netz geschobenen Artikeln aus der Printausgabe. Und eine einsame Lesermeinung ist manchmal mehr wert als eine ganze Redaktionssitzung. Zu besichtigen ist das aktuell bei einem Bericht über die neuen “Elternhefte” von SZ und Gruner+Jahr. Zur jetzt publik gewordenen Namensgebung des im kommenden Frühjahr erscheinenden “Nido”-Hefts fällt einer Leserin des (durchaus netzaffinen) Medienmagazins “Horizont” ein: “Ich bin in Bayern aufgewachsen und meine Eltern waren selten anwesend. Sie waren also ‘nie do’“.

kind.jpg
Ein Herz für Kinder (Foto: mawa/isarstadt.de)

Die Parentalgeneration pampern

Ein großartiger Kalauer, zumindest hier im süddeutschen Raum - wo die hippe Parentalgenerations-Publikation aus dem “Neon”-Umfeld wohl auch ihren Hauptabsatzmarkt haben wird. Eigentlich ist “Nido”, so erfahren wir in dem Horizont-Artikel, ja die spanische und italienische Übersetzung für Nest. Wussten wir nicht. Was wir als Münchner aber wissen: “Nido” heißt auch eine weithin bekannte Chichi-Bar in der Theresienstraße - in der Gespräche über Pampers, geländegängige Kinderwagen oder Schwangerschaftsstreifen eher fehl am Platze sind. Und in der die Familienmagazin-Zielgruppen der LOHAS und LOVOS generell nix verlor’n haben.

Ichduersiees. Wir? Sie!

Mehr Fortune beweist das “Wir”-Heft aus dem Dunstkreis des “SZ Magazins” - schon allein, indem es die Konkurrenz mit einer bereits diese Woche erschienenen ersten Ausgabe um ein paar Monate überholt hat. Als medieninteressierte Menschen haben wir mit dem Heftl schon mal am Kiosk Daumenkino gespielt und sind bei einer Story über die Lebens-Frage “Stadt oder Land” hängen geblieben. Interessanter Einblick: Alle der dort vorgestellten Familien wohnen auf mindestens 180 Quadratmetern. Respekt! Scheint sich also doch nicht an Münchner zu richten, das Heft. Sondern an die Leute, auf die die SZ-Redakteuer mittlerweile ihren Blick richten: Steinhausen landwärts.

9. November 2008 mawa 4 Kommentare

New kids on the Mietblock

Wie Frau B. schon vergangene Woche angemerkt hat, ziehen zur Zeit neue Nachbarn ein, hier bei uns im Münchner Westen. Seit zehn Jahren wurde an einem (eigentlich: einer Serie) der ganz großen Münchner Neubauprojekte herumgedoktert. Und nun fahren auf den ehemals bahneigenen und -nahen Flächen zwischen Hauptbahnhof und Laim peu à peu die Umzugslaster vor. Wir haben auch mal - vor gut anderthalb Jahren - gemeckert, wie doof es doch sei, Siedlungen an die Gleise zu klatschen. Inzwischen haben wir uns aber eines Besseren besonnen. Schließlich wohnen wir mittlerweile selber nur ungefähr zwei Waggonlängen entfernt von den ICEs und Vorortzügen. Und finden das zunehmend prima.

kran.jpg
Kraniche sind Zugvögel. (Foto: J. Johannesen/stock.xchng)

Way out West

So gut wie täglich velocyclieren und s-bahnen und fußlaufen wir an den neuen Achteln (weil: Viertel sind’s ja nicht wirklich) vorbei. Und adjustieren unser Urteil dabei immer wieder auf’s Neue. So haben wir einige Zeit zu den womöglich wenigen Menschen in dieser Stadt gehört, die den Arnulfpark gar nicht sooo übel fanden. Die anfängliche Eisenbahner-Romantik und die weiten Flächen mit dem vielleicht großartigsten Sundown Münchens gehen allerdings allmählich zugunsten einer vogelwilden Verdichtung perdu, die fast an die Riem-Retorte gemahnt. Schade.

Derf’s aa a bisserl mehr sein?

Über das Hirschgarten-Quartier ein paar Blocks weiter kann man sich noch keine rechte Meinung bilden, dafür ist das noch zu unfertig. Bisher setzt nur ein scheußlicher, deprimierend grauer Bausünde-Block als bewohnter Lärmschutzwall auf halber Strecke zwischen Laim und dem neu entstehenden S-Bahnhof an der Friedenheimer Brücke ein trauriges Zeichen. Weiter ist dafür das “Schlossviertel” direkt am Nymphenburger Park, dessen wohlfeiler Name allein schon ein paar Euro wert ist. Tatsächlich geht es hier - im positiven Sinne - ein bisserl schicker zu. Einige der Gebäude wirken zumindest auf uns Architektur-Laien ganz gelungen und werden löblicherweise auch mal vermietet (zu der Lage entsprechenden Preisen…) und nicht nur verkauft.

Kleingeistige Großzimmerei

Freilich: So richtig großstädtisches, gewagtes Bauen ist das alles nicht. Das geht in unsrer ohnehin hochpreisigen Stadt - wenn überhaupt - erst ab Luxus-Level (siehe die neuen Projekte in Gern oder Nymphenburg). Das New Munich ist weiterhin dem Old Money vorbehalten und den Menschen, die kapiert haben, was Short-Geschäfte genau sind. Und noch mal ‘ne andre Frage ist eh, wie’s drinnen aussieht, in den neuen Wohnungen. Vermutlich hat mal wieder kein Bauingenieur an großzügige Wohnküchen gedacht, aber dafür überdimensionierte Repräsentier-Wohnzimmer hingeklotzt, die kein vernünftiger Mensch braucht.

Bridge-Spieler oder Pokerfaces?

Naja, wir woll’n ja nicht am Ende doch wieder meckern - schließlich sehen die Bebauungspläne entlang der Bahnstrecke auch eine kommode Radl-Achse zwischen Pasing und Hbf vor sowie mehrere neue Brücken über die Gleise. Hoffentlich waren das nicht bloß leere Versprechungen von Investoren und Amtszeitpolitikern. Wir sind gespannt. Auf unsere neuen Nachbarn. Und darauf, wie’s weitergeht.

3. November 2008 mawa 1 Kommentar


Kalender

November 2008
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Archiv Monate

Archiv Kategorien