Archiv für den 3. November 2008

New kids on the Mietblock

Wie Frau B. schon vergangene Woche angemerkt hat, ziehen zur Zeit neue Nachbarn ein, hier bei uns im Münchner Westen. Seit zehn Jahren wurde an einem (eigentlich: einer Serie) der ganz großen Münchner Neubauprojekte herumgedoktert. Und nun fahren auf den ehemals bahneigenen und -nahen Flächen zwischen Hauptbahnhof und Laim peu à peu die Umzugslaster vor. Wir haben auch mal - vor gut anderthalb Jahren - gemeckert, wie doof es doch sei, Siedlungen an die Gleise zu klatschen. Inzwischen haben wir uns aber eines Besseren besonnen. Schließlich wohnen wir mittlerweile selber nur ungefähr zwei Waggonlängen entfernt von den ICEs und Vorortzügen. Und finden das zunehmend prima.

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Kraniche sind Zugvögel. (Foto: J. Johannesen/stock.xchng)

Way out West

So gut wie täglich velocyclieren und s-bahnen und fußlaufen wir an den neuen Achteln (weil: Viertel sind’s ja nicht wirklich) vorbei. Und adjustieren unser Urteil dabei immer wieder auf’s Neue. So haben wir einige Zeit zu den womöglich wenigen Menschen in dieser Stadt gehört, die den Arnulfpark gar nicht sooo übel fanden. Die anfängliche Eisenbahner-Romantik und die weiten Flächen mit dem vielleicht großartigsten Sundown Münchens gehen allerdings allmählich zugunsten einer vogelwilden Verdichtung perdu, die fast an die Riem-Retorte gemahnt. Schade.

Derf’s aa a bisserl mehr sein?

Über das Hirschgarten-Quartier ein paar Blocks weiter kann man sich noch keine rechte Meinung bilden, dafür ist das noch zu unfertig. Bisher setzt nur ein scheußlicher, deprimierend grauer Bausünde-Block als bewohnter Lärmschutzwall auf halber Strecke zwischen Laim und dem neu entstehenden S-Bahnhof an der Friedenheimer Brücke ein trauriges Zeichen. Weiter ist dafür das “Schlossviertel” direkt am Nymphenburger Park, dessen wohlfeiler Name allein schon ein paar Euro wert ist. Tatsächlich geht es hier - im positiven Sinne - ein bisserl schicker zu. Einige der Gebäude wirken zumindest auf uns Architektur-Laien ganz gelungen und werden löblicherweise auch mal vermietet (zu der Lage entsprechenden Preisen…) und nicht nur verkauft.

Kleingeistige Großzimmerei

Freilich: So richtig großstädtisches, gewagtes Bauen ist das alles nicht. Das geht in unsrer ohnehin hochpreisigen Stadt - wenn überhaupt - erst ab Luxus-Level (siehe die neuen Projekte in Gern oder Nymphenburg). Das New Munich ist weiterhin dem Old Money vorbehalten und den Menschen, die kapiert haben, was Short-Geschäfte genau sind. Und noch mal ‘ne andre Frage ist eh, wie’s drinnen aussieht, in den neuen Wohnungen. Vermutlich hat mal wieder kein Bauingenieur an großzügige Wohnküchen gedacht, aber dafür überdimensionierte Repräsentier-Wohnzimmer hingeklotzt, die kein vernünftiger Mensch braucht.

Bridge-Spieler oder Pokerfaces?

Naja, wir woll’n ja nicht am Ende doch wieder meckern - schließlich sehen die Bebauungspläne entlang der Bahnstrecke auch eine kommode Radl-Achse zwischen Pasing und Hbf vor sowie mehrere neue Brücken über die Gleise. Hoffentlich waren das nicht bloß leere Versprechungen von Investoren und Amtszeitpolitikern. Wir sind gespannt. Auf unsere neuen Nachbarn. Und darauf, wie’s weitergeht.

3. November 2008 mawa 1 Kommentar


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