Kinners, Kinners
Wenn gewisse ältere Herren - jene, die auf potenten Posten bei der Papierpresse prosperieren - regelmäßig über Blogs, Web 2.0 und anderes modernes Ungemach meckern, machen sie ihren Feind zumeist im bösen Bürger aus, der dank des Teufels Technologien jetzt auch seine unbedeutende Stimme erheben kann. Was die Herrschaften leider nicht kapiert haben: In manchem Kommentar steckt mehr Poesie als in halbherzig ins Netz geschobenen Artikeln aus der Printausgabe. Und eine einsame Lesermeinung ist manchmal mehr wert als eine ganze Redaktionssitzung. Zu besichtigen ist das aktuell bei einem Bericht über die neuen “Elternhefte” von SZ und Gruner+Jahr. Zur jetzt publik gewordenen Namensgebung des im kommenden Frühjahr erscheinenden “Nido”-Hefts fällt einer Leserin des (durchaus netzaffinen) Medienmagazins “Horizont” ein: “Ich bin in Bayern aufgewachsen und meine Eltern waren selten anwesend. Sie waren also ‘nie do’“.

Ein Herz für Kinder (Foto: mawa/isarstadt.de)
Die Parentalgeneration pampern
Ein großartiger Kalauer, zumindest hier im süddeutschen Raum - wo die hippe Parentalgenerations-Publikation aus dem “Neon”-Umfeld wohl auch ihren Hauptabsatzmarkt haben wird. Eigentlich ist “Nido”, so erfahren wir in dem Horizont-Artikel, ja die spanische und italienische Übersetzung für Nest. Wussten wir nicht. Was wir als Münchner aber wissen: “Nido” heißt auch eine weithin bekannte Chichi-Bar in der Theresienstraße - in der Gespräche über Pampers, geländegängige Kinderwagen oder Schwangerschaftsstreifen eher fehl am Platze sind. Und in der die Familienmagazin-Zielgruppen der LOHAS und LOVOS generell nix verlor’n haben.
Ichduersiees. Wir? Sie!
Mehr Fortune beweist das “Wir”-Heft aus dem Dunstkreis des “SZ Magazins” - schon allein, indem es die Konkurrenz mit einer bereits diese Woche erschienenen ersten Ausgabe um ein paar Monate überholt hat. Als medieninteressierte Menschen haben wir mit dem Heftl schon mal am Kiosk Daumenkino gespielt und sind bei einer Story über die Lebens-Frage “Stadt oder Land” hängen geblieben. Interessanter Einblick: Alle der dort vorgestellten Familien wohnen auf mindestens 180 Quadratmetern. Respekt! Scheint sich also doch nicht an Münchner zu richten, das Heft. Sondern an die Leute, auf die die SZ-Redakteuer mittlerweile ihren Blick richten: Steinhausen landwärts.
9. November 2008 mawa 4 Kommentare