Radikal z’amruckn
Wir sind U-Bahn gefahrn. Gestern Abend. Mit dem Kamerun Schorsch. Und der fünfzigköpfigen Ninfo-Gesellschaft. Von der Maximilianstraße nach Berg am Laim. Von den Kammerspielen zur “Taverne Odyssee”. Wir haben eine Theaterkarte gelöst, um dann im Hinterzimmer eines Quartier-Griechen zu landen, irgendwo zwischen Neubau-Nichts und dickwandigen Blue Collar-Behausungen und dem Bahnhof Innsbrucker Ring. “Informationsverweigerungsabend” nennt sich die Gaudi. Ja.
Genau!

Da vorne spielt das Theater. (Foto: mawa/isarstadt.de)
Buy Out in Berg am Laim
Es versprach, eine der vielleicht spannendsten Veranstaltungen des Info/Ninfo-Programms zu werden, mit dem der Populär-Punk Kamerun derzeit das Neue Haus der Kammerspiele bespielt. Weil: Nix is fix. Nix is klar. Vor’m Theater treffen, hieß die Ansage. Und dann irgendwie, irgendwohin nach Berg am Laim, den missachteten Stadtteil, den der Spielleiter Schorsch in einem Interview mit der muenchenbloggerin Lisa Sonnabend mal eben zum neuen In-Viertel deklariert hat (großartiges Zitat: “Da kann man jetzt schon mal in Immobilien investieren, wenn man zum Beispiel eine BayernLB ist …”).
Kahlschlag im Bauerntheater
Nu sitzen wir dann also im Bauerntheater-Saal des Lokals, trinken das versprochene Freibier und auf der Bühne werden Zitronen-Variationen gegeben. Die sind mal: So. Und mal: Naja. Der Master of Ceremony fragt - wie man das dieser Tage halt so fragt - ob denn die Leute im Saal Rauchverbot haben wollen oder nicht. Da sagt einer ernsthaft doof: “Rauchen! Brechen wir mit den Konventionen!”. Und da entgegnet einer ehrlich schlau: “Das ist nicht radikal. Das ist höchstens kahl”. Und dann rauchen sie natürlich alle. Erinnert alles ein bisserl an eine Sitzung des Kleingartenvereins samt szenischer Darbietung der Gauvorsitzenden-Gattin. War’s das?
Theater? Ensemble!
Nein. Das war’s nicht. Denn vermutlich ging es weder um den kurzen Trumpf des Theater-Trupps noch um das Erlebnis des sanft Suburbanen, das vielleicht von den Hipstern in der Gruppe als Kontrastprogramm zur eigenen Lebenswirklichkeit wahrgenommen worden sein mag. Es ging, glauben wir, um’s Ruck ‘ma zam. Um’s Miteinanderreden in einer Stadt, in der man eher nicht miteinander redet. In der man miteinander U-Bahn fährt, ohne miteinander U-Bahn zu fahren. Der spontan sympathische, im gesellschaftlichen Gegenentwurf geschulte Wahl-Münchner Schorsch Kamerun hat es gut mit uns gemeint. Hat es auf unser aller Wohl abgesehen. Und das ist, mal wieder und ganz ohne Ironie: Radikal.
13. November 2008 mawa 4 Kommentare