Die neue Niedergelassenheit
It’s the end of gentrification as we know it. Ha! Wir haben’s doch immer geahnt. Dass irgendwann Ende Fahnenstange sein wird. Dass zum Schluss die Schwabenfrankenniederbayern das Glockenbachviertel übernehmen. Und dass mit ihnen die Normalität einzieht. Einmal über die Schloßallee, dann aber bitte auf der Badstraße stehenbleiben. Nachdem hier, in der Coolness-Corner der City, alles schonmal durchexerziert worden ist - Aufbruch, Durchbruch, Genickbruch - kommt nun die gesetzte Gelassenheit an. Nettigkeit als Gegenentwurf. Eigentlich gar keine so schlechte Entwicklung.

Where I lay my hat is nett. (Foto: mawa/isarstadt.de)
Ja, mei? Aber ja doch!
Wir war’n am Samstagabend in der “Niederlassung”. Da, wo mal das Ododo, also eines der Hipness-Zentren des Mjunik dorée, war. Und jetzt: Begrüßt uns eine junge Dame sehr freundlich und fragt, ob wir “zu den offenen Münchnern gehören” und uns an einen der Tische zu anderen Gästen gesellen mögen. Mögen wir nicht. Und beobachten fortan von der Bar aus, wie sich im Laufe des Abends tatsächlich Zufallsbekanntschaften ergeben, wie Nachzügler mit Vorgezogenen parlieren. Keine Spur von der Wirtshauskultur as we know it, derzufolge ein gelungener Abend darin besteht, sich gegenseitig über sein Bier hinweg anzuschweigen und nur ab und an “Ja, mei” zu murmeln. Bei soviel ungezwungener Nettigkeit überdenk’st glatt deine eigene Grund-Grantligkeit!
Fuckuall war gestern
Wir sind hier mitten in München und doch ganz woanders. An einem Ort, an dem wir eigentlich öfter sein könnten. Der Chef des Ladens, erfahren wir von der Bedienung, die uns im Laufe des Abends neben den Getränken auch ein paar wohlwollende Worte über die Bar schiebt, kommt aus Franken. Und hat von dort das “Bier des Monats” mitgebracht (eine Großartigkeit in der Brauerei-geknebelten Münchner Gastronomie!). Und vielleicht auch die CDs mit dem angenehmem College Radio-Sound. Und die Zeitschriftenwand mit “Zeit” und “Spex”. Das ist alles: Ein Plädoyer für eine neue Niedergelassenheit, die weit entfernt ist sowohl von den poshen Parties der Player und Poser wie auch den Schrecken des Binoade-Burnouts und der Bugaboo-Brigaden. Das ist Post-Glockenbach. Das ist: Gut so.
23. November 2008 mawa Kommentieren