Archiv für Februar 2009

Bux for everyone

Von den Reichen, so heißt’s ja immer wieder, kannst’ des Sparen lernen. Und was könnte man sich sehnlicher wünschen in diesen Zeiten von Krise und Katastrophe und Katatonie? Wir haben ein formidables Beispiel der neuen Bescheidenheit, ja, ein fast schon egalitär anmutendes Statement zur Genügsamkeit gefunden, an einer Stelle in dieser schönen Stadt, an der wir’s nu so gar nicht vermutet hätten: In dem Edel-Neubaublock gegenüber vom Park Café.

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Es grient so grien - oder: Bux to riches. (Foto: R. Joye/stock.xchng)

Terracotta-Armee

Nein, wir wolln jetzat nicht drauf anspielen, dass der auch in diesem Quartier berherbergte Condé Nast Verlag dieser Tage endlich geschnallt hat, dass es um’s Papier schade ist, ein B-Promi-Bladl wie “Vanity Fair zu drucken. Sondern: Wenn’st dir die Maisonette-Wohnungen für die ganz, ganz Geldigen von außen, von unten anschaust - die Lofts, die A-Klasse-Appartements in den “Lenbach Gärten” - dann sieh’st, dass die alle dasselbe Buchsbäumchen auf dem Balkon stehen haben. Im immer gleichen Terracotta-Töpfchen. An immer derselben Stelle des großzügig bemessenen Austritts. Ist Uniformität der neue Chic?

Was blüht der Haute Volée?

Oder haben etwa die Investoren die Behausungen noch gar nicht losbekommen (aus der Wurm-Perspektive is’ des ja schwer zu beurteilen, hat ja keiner bunte Blümchen-Vorhänge oder mit Fingerfarben bemalte Scheiben in dieser Gegend…) und senden mittels Buxus sempervirens stille Rauchzeichen, die nur Eingeweihte verstehen: “Bin noch zu haben”? Oder sind die Räume in Münchens zentralster Gated Community längst schon bewohnt, aus Angst vor dem darbenden Pöbel, den Neidern drunten und draußen aber schlägt die Hausordnung den harten chinesischen Weg ein: “Nur ein Buchsbaum pro Familie”?

22. Februar 2009 mawa 1 Kommentar

Global Warming

Winter 2006 in München - isarstadt.de Blog für München

Remembering 2006: Damals is’ wenigstens noch g’scheit liegen’bliem, des Graffl. (Foto: sist/isarstadt.de)

17. Februar 2009 mawa 3 Kommentare

Faschings-Zug

Vor einigen Jahren gab’s mal einen netten kleinen Film mit Joachim Krol, “Zugvögel - einmal nach Inari“, in dem das begrenzt gesellschaftsfähige Hobby des Bahn-Fahrplan-Auswendiglernens vorgestellt wurde. Und wir meinen uns an eine Doku zu erinnern über Herren (das scheint ein vorwiegend männliches Hobby zu sein), die ihre Messie-Wohnungen mit den Timetables kurioser Fluggesellschaften tapezieren. Die ihr Heim nur verlassen, um im Supermarkt an der Ecke ein Packerl Milch und in Zellophan eingeschlagenen Leberkäs zu kaufen. Die aber auf Anhieb sagen könnten, wann der nächste Flieger nach Caracas geht oder wie man per Schmalspurbahn vom einen Ende Rügens zum anderen kommt. Die sich wie einst der gute Karl May vom Sofa aus durch die Welt träumen.

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Überlebensregel: Rechts stehen. Links gehen. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Sofasurfer und andere Insekten

Nun visitieren auch wir ganz gerne mal die Internet-Seiten verschiedenster Beförderungsbetriebe - aus rein utilitaristischen Gründen, versteht sich. So wollten wir heute zum Beispiel herausbekommen, wie wir per MVV von unserer Wohnstätte aus zu einer im privaten Kreise zu zelebrierenden Faschings-Sause kommen würden (verkleidet als Fliegenpilz und als Insekt - das vorgegebene Motto: “Alles, was fliegt”). Die Maschine schlug uns vor, von Neuhausen in die Stadtmitte hinein und dann aus selbiger wieder hinaus zu fahren. Fahrtzeit 50 Minuten. Hmm.

Der MVV liebt uns nicht

Als mit dem Münchner Streckennetz halbwegs vertraute Vielfahrer hatten wir eine andere Idee und manipulierten die Suche entsprechend. Nu brauchen wir plötzlich eine Viertelstunde weniger. Haben für die nächtliche Heimkehr mehr Verbindungen zur Auswahl. Und werden auf dieser Nebenroute vermutlich weniger Fahrgäste mit unserer Kostümierung erschrecken. Da frag’st dich freilich: Warum rücken die Bahnbeamten nicht gleich mit den günstigeren Strecken raus? Soll die zweite Röhre am Marienplatz legitimiert werden, indem man da möglichst viele Fahrgäste durchschickt? Und was ist mit all den Zugezogenen, die sich hierzustadt nicht genug auskennen, um selber auf Alternativen zu kommen? Genießen die das Leben in vollen Zügen?

14. Februar 2009 mawa 3 Kommentare

Das neue Domagk?

Na also, geht ja doch: Nachdem wir schon oft den Kopf geschüttelt haben über die stümperhafte Präsenz von vielen, auch ganz großen, ganz wichtigen Galerien, Künstlern, Ausstellungsräumen im Internet (wenn schon die Künste keinen g’scheiten, schönen Webauftritt hinkriegen, wer dann?), sind wir mal positiv überrascht. Von der Site einer Institution am nord-östlichen Münchner Stadtrand. Einer, die wir bisher ehrlich gesagt glatt übersehen haben. Von der uns jetzt zum Glück endlich eine Bekannte berichtet hat: An diesem Wochenende ist Gemeinschaftsausstellung. In der Alten Wiede-Fabrik.

kunstakademie münchen
Andere Party. Auch Kunst. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Stadtrand-Mäzenatentum

Was soll man von einer Location erzählen, die man selber noch nicht gesehen hat? Dass eben die Website als erstes Aushängeschild überzeugt (weniger durch’s Design als durch den klaren, informativen Aufbau) und Lust drauf macht, die Künstlerkolonie in Johanneskirchen zu erkunden? Dass die Geschichte dahinter, die vom kunstsinnigen Firmenerben, der das verfallende Fabrik-Gelände für eine neue, kreative Nutzung geöffnet hat, recht sympathisch, recht un-münchnerisch daherkommt?

The Art of Grantling

Dass wir ein bisserl die Hoffnung haben, da eine Version 2.0 des immer wieder und bis zur Unkenntlichkeit zurecht gestutzten Domagk-Geländes zu entdecken, eine weitere Ahnung von einer anderen Art, in dieser Stadt zu leben? Oder dass uns unsere Bekannte einen der Wiede-Fabrik-Künstler ganz besonders ans Herz gelegt hat? Dass sie uns gesagt hat, wir sollten uns durch sein manchmal etwas grantliges Dreinschau’n nicht entmutigen lassen, einen Blick in sein Atelier zu werfen (wer das sein soll, wird hier natürlich nicht verraten)? Wir sind gespannt.

Update: Na, bloß gut, dass wir bei der Überschrift ein Fragezeichen gesetzt haben. Denn sonst hätten wir jetzt dieses Posting glatt überarbeiten müssen. Wir war’n draußen in Johanneskirchen. Und haben vor allem bedrückende Mittelmäßigkeiten gesehen, einige peinlich berührende Unzulänglichkeiten und, ja, auch eine Handvoll Interessantes, wenigstens Dekoratives. Aber das wiegt dann halt leider nicht die versammelte Volkshochschul-Leopoldstraßen-Ikea-Kleckserei auf. Überraschend bürgerlich, gesättigt geht es zu auf dem Wiede-Gelände, nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den so called artists. Eine schöne, verwunschene Location inmitten der Stadtrandtristesse. Aber nicht mehr. Don’t try this at home.

7. Februar 2009 mawa 1 Kommentar

Paläste. Und Revolutionen?

Gibt man bei Google “isarstadt” ein, landet man - so wie’s sich ja auch gehört - zuallererst auf dieser Seite. Ein paar Plätze weiter allerdings clustern sich seit einiger Zeit Einträge zum Thema Immobilien. Was weniger dran liegt, dass wir hier ja auch gerne mal über den Münchner Wohnungsmarkt monologisieren, sondern an einem schicken Neubau sanierten Altbau in der schönen Maistraße, der den ganz unbescheidenen Namen “Isar Stadt Palais” trägt.

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Gated Community? (Foto: sist/isarstadt.de)

Feng Shui? Schee wär’s scho.

Als “Jahrhundertbauwerk” wird das Haus in der sich ja quasi jahresringweise zu höheren Weihen aufschwingenden Isarvorstadt (siehe auch: das starcke Stück an der Thalkirchner Straße) beworben. A bisserl Feng Shui, Concierge und Grandezza (sic!) gibt’s für einen - freilich gehobenen - Preis inklusive. Nun fragen wir uns, wie das wohl wird, wenn die künftigen Palast-Bewohner oder auch ein des Nächtens gelangweilter Bellboy mal auf dem Designer-Mac nachgucken, wie ihre Trutzburg eigentlich so im Wehwehweh daherkommt - und dann auf isarstadt.de stoßen.

Let’s go shopping

Haben wir mit ungeahnten Besucherströmen zu rechnen? Wird unser bisher unter’m Küchentisch fröhlich vor sich hinschnurrender Server zusammenbrechen? Oder kommt am Ende gar der, der … - wie nennt man das in solchen Kreisen? Hausmeister bestimmt nicht! - Sprecher der Eigentümerschaft auf uns zu? Lädt uns zu Sherry und Salzgebäck in den Salon des Anwesens und bietet uns dann ganz dezent eine halbe Mille für diese wohlfeile Web-Adresse an? Das wär auf jeden Fall mal eine Revolution!

3. Februar 2009 mawa 1 Kommentar


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