München, 14. Februar 2009 mawa

Faschings-Zug

Vor einigen Jahren gab’s mal einen netten kleinen Film mit Joachim Krol, “Zugvögel - einmal nach Inari“, in dem das begrenzt gesellschaftsfähige Hobby des Bahn-Fahrplan-Auswendiglernens vorgestellt wurde. Und wir meinen uns an eine Doku zu erinnern über Herren (das scheint ein vorwiegend männliches Hobby zu sein), die ihre Messie-Wohnungen mit den Timetables kurioser Fluggesellschaften tapezieren. Die ihr Heim nur verlassen, um im Supermarkt an der Ecke ein Packerl Milch und in Zellophan eingeschlagenen Leberkäs zu kaufen. Die aber auf Anhieb sagen könnten, wann der nächste Flieger nach Caracas geht oder wie man per Schmalspurbahn vom einen Ende Rügens zum anderen kommt. Die sich wie einst der gute Karl May vom Sofa aus durch die Welt träumen.

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Überlebensregel: Rechts stehen. Links gehen. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Sofasurfer und andere Insekten

Nun visitieren auch wir ganz gerne mal die Internet-Seiten verschiedenster Beförderungsbetriebe - aus rein utilitaristischen Gründen, versteht sich. So wollten wir heute zum Beispiel herausbekommen, wie wir per MVV von unserer Wohnstätte aus zu einer im privaten Kreise zu zelebrierenden Faschings-Sause kommen würden (verkleidet als Fliegenpilz und als Insekt - das vorgegebene Motto: “Alles, was fliegt”). Die Maschine schlug uns vor, von Neuhausen in die Stadtmitte hinein und dann aus selbiger wieder hinaus zu fahren. Fahrtzeit 50 Minuten. Hmm.

Der MVV liebt uns nicht

Als mit dem Münchner Streckennetz halbwegs vertraute Vielfahrer hatten wir eine andere Idee und manipulierten die Suche entsprechend. Nu brauchen wir plötzlich eine Viertelstunde weniger. Haben für die nächtliche Heimkehr mehr Verbindungen zur Auswahl. Und werden auf dieser Nebenroute vermutlich weniger Fahrgäste mit unserer Kostümierung erschrecken. Da frag’st dich freilich: Warum rücken die Bahnbeamten nicht gleich mit den günstigeren Strecken raus? Soll die zweite Röhre am Marienplatz legitimiert werden, indem man da möglichst viele Fahrgäste durchschickt? Und was ist mit all den Zugezogenen, die sich hierzustadt nicht genug auskennen, um selber auf Alternativen zu kommen? Genießen die das Leben in vollen Zügen?

Eintrag unter folgendem Thema abgelegt: Kurioses, Stadtleben

3 Kommentare Auch einen Kommentar hinterlassen

  • 1. Matthias  |  Februar 15th, 2009 at 01:41

    Ja, ja, die Münchner U-Bahnen…
    Ich habe vor Kurzem diese Erfahrung gemacht: http://www.bioschema.de/?p=42
    Grüße Matthias

  • 2. mawa  |  Februar 15th, 2009 at 16:28

    Ja, ich hab kürzlich auch eine ältere Dame in der U-Bahn beobachtet, die im gesamten Abteil Bonbons verteilt hat. Irgendwie nett, irgendwie aber auch befremdlich: Don’t take candy from strangers…

  • 3. thomas  |  Februar 25th, 2009 at 17:32

    nehme an, die bahnbeamten haben “zugvögel” ebenfalls gesehen, sich bei der online streckenplanung aber mehr auf den zusatz “einmal inari und zurück” fokussiert.

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