München, 22. Februar 2009 mawa
Bux for everyone
Von den Reichen, so heißt’s ja immer wieder, kannst’ des Sparen lernen. Und was könnte man sich sehnlicher wünschen in diesen Zeiten von Krise und Katastrophe und Katatonie? Wir haben ein formidables Beispiel der neuen Bescheidenheit, ja, ein fast schon egalitär anmutendes Statement zur Genügsamkeit gefunden, an einer Stelle in dieser schönen Stadt, an der wir’s nu so gar nicht vermutet hätten: In dem Edel-Neubaublock gegenüber vom Park Café.

Es grient so grien - oder: Bux to riches. (Foto: R. Joye/stock.xchng)
Terracotta-Armee
Nein, wir wolln jetzat nicht drauf anspielen, dass der auch in diesem Quartier berherbergte Condé Nast Verlag dieser Tage endlich geschnallt hat, dass es um’s Papier schade ist, ein B-Promi-Bladl wie “Vanity Fair“ zu drucken. Sondern: Wenn’st dir die Maisonette-Wohnungen für die ganz, ganz Geldigen von außen, von unten anschaust - die Lofts, die A-Klasse-Appartements in den “Lenbach Gärten” - dann sieh’st, dass die alle dasselbe Buchsbäumchen auf dem Balkon stehen haben. Im immer gleichen Terracotta-Töpfchen. An immer derselben Stelle des großzügig bemessenen Austritts. Ist Uniformität der neue Chic?
Was blüht der Haute Volée?
Oder haben etwa die Investoren die Behausungen noch gar nicht losbekommen (aus der Wurm-Perspektive is’ des ja schwer zu beurteilen, hat ja keiner bunte Blümchen-Vorhänge oder mit Fingerfarben bemalte Scheiben in dieser Gegend…) und senden mittels Buxus sempervirens stille Rauchzeichen, die nur Eingeweihte verstehen: “Bin noch zu haben”? Oder sind die Räume in Münchens zentralster Gated Community längst schon bewohnt, aus Angst vor dem darbenden Pöbel, den Neidern drunten und draußen aber schlägt die Hausordnung den harten chinesischen Weg ein: “Nur ein Buchsbaum pro Familie”?
Eintrag unter folgendem Thema abgelegt: Stadtleben, Wohnen in München
1 Kommentar Auch einen Kommentar hinterlassen
1. Gerhard Zirkel | Februar 22nd, 2009 at 16:42
Vermutlich sind die Objekte noch nicht verkauft/vermietet, was immer dann passiert, wenn man irgendwas irgendwohin baut ohne an die Menschen zu denken und das dann völlig überteuert losbekommen möchte. Derzeit in München sehr häufig zu beobachten, so mancher Makler kann da ein Lied von singen.
Oder sie haben alle den gleichen Innenarchitekten, dessen Markenzeichen halt der Bux auf der Terrasse ist - wer weiß das schon?
Gerhard Zirkel
Ohne Bux
Kommentar schreiben
Folgende HTML-Befehle können verwendet werden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>
Trackback dieses Posts | Kommentare via RSS Feed abonnieren