München, 8. März 2009 mawa
Billy (ca. 2001, Preßspan, Acryllack)
Auf dem Kunstmarkt gibt es eine recht simple, aber stets effektive Methode, einem Werk oder gleich einem gesamten Künstler eine ordentliche Wertsteigerung angedeihen zu lassen: Man gibt ein Bild, eine Skulptur oder ein Video als Leihgabe an ein Museum. Oder noch besser: Man veranstaltet gleich eine Retrospektive. Und schwuppdiwupp, scho’ is’ der eben noch über dem heimischen Sofa hängende Schinken das Dreifache wert. Pinsel-PR. Maler-Marketing. Wie gesagt: Sehr effektiv, das Ganze.

Wir sind dann mal in Eching, Spekulations-Objekte besorgen.
(Foto: N. Satria/stock.xchng)
Viren, die Klobürste
In diesem Sinne freuen wir uns schon wie d’Schnitzel auf die für April angekündigte “Democratic Design”-Schau in der Pinakothek der Moderne, die einem großen schwedischen Möbelhaus endlich die längst überfälligen musealen Weihen verleiht (und nebenbei die denkbar beste Propaganda für Herrn Kamprad sein dürfte). Wir setzen jetzt schon drauf, dass unsere alten Billys (für Kenner: wir besitzen noch ein zwei Exemplare der längst nicht mehr erhältlichen 60 cm-Modelle) in den Auktionshäusern dieser Welt Spitzenpreise erzielen. Dass Regal Robin und die Klobürste mit der passenden Bezeichnung “Viren” und die leider namenlosen Teelichter zu Sammlerobjekten werden.
L’art pour l’art
Und wenn wir scho’ dabei sind, könnte der Herr Schrenk, der neuen Pinakotheken-Chef, doch gleich noch unseren ebenfalls schwedischen Haus- und Hof-Couturier, den mit den zwei Buchstaben, auf den Kunst-Catwalk bitten. Ein bisserl grausen tut’s uns höchstens vor all den Groupies, die bald an unserer Wohnungstüre Sturm klingeln werden, um einen Blick auf’s skandinavische Interieur zu werfen und uns anschließend an die Wäsche zu gehen. Aber naja, was tust nicht alles um der Kunst willen?
By the way, noch ein Veranstaltungs-Tipp: Am kommenden Dienstag, 10. März, lädt der Zündfunk ins Café Muffathalle zur Diskussion “Wer kann sich die Stadt noch leisten? Wie Yuppisierung und Luxussanierung unsere Städte verändern”. Pflichttermin!
Eintrag unter folgendem Thema abgelegt: Kunst, Wohnen in München
5 Kommentare Auch einen Kommentar hinterlassen
1. Helga | März 9th, 2009 at 14:08
Ich hab ja zum Thema Sanierung bekanntlich eine leicht andere Meinung - vielleicht komm ich aber trotzdem;-)
PS: Zeig mir mal wie sich ein Schnitzel freut.
2. mawa | März 11th, 2009 at 08:11
Ja, über den Titel der Veranstaltung kann man tatsächlich geteilter Meinung sein - zumal sie das eigentliche Problem in München nur teilweise erfasst. So war die Diskussionsrunde gestern auch ein bisserl blutleer, man war sich ja irgendwie einig, who to blame (nämlich irgendwelche “Miethaie”…). Das ist aber m.E. sehr kurz gegriffen…
Die Schnitzel-Freu-Nummer gibt’s auf der Vernissage zur IKEA-Ausstellung. Live! :-)
3. Helga | März 11th, 2009 at 08:48
Ich hatte es befürchtet…
4. Martin | März 11th, 2009 at 08:55
Hatte ich bei dem Titel auch befürchtet. Wenigstens bereue ich’s jetzt nicht, dass ich nicht hingeschaut habe, obwohl’s ums Eck ist…
Auf eine IKEA-Ausstellung hab ich schon ewig gewartet. Ein guter Grund, mal wieder in die Pinakothek der Moderne zu schauen (längst nicht alles dort finde ich gut). Wenn’s da sich freuende Schnitzel zu sehen gibt, vielleicht sogar zur Vernissage… ;-)
5. mawa | März 13th, 2009 at 18:54
@ Helga: Was hattest Du schon befürchtet? Dass ich mich auf ver Vernissage mit der Schnitzel-Nummer zum Affen mache?
;-)
Kommentar schreiben
Folgende HTML-Befehle können verwendet werden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>
Trackback dieses Posts | Kommentare via RSS Feed abonnieren