München, 20. März 2009 redaktion
Binge Reading und die RAF
Manche Leute können nicht an einer Bäckerei vorbeigehen, ohne sich ein Stückl Kuchen mitzunehmen. Manche nicht an einem Biergarten, ohne sich eine Maß zu bestellen. Manche haben’s ganz maßlos mit der Schokolad’. Und andere mit dem Kauf von Fußbekleidung. Das Binge-Verhalten, das wir an den Tag legen, ist zum Glück weniger gefährdend für Gesundheit und Geldbeutel. Zwanghaft ist’s trotzdem: Wir können an keinem Buchstaben vorbeigehen, kein Wort links liegen lassen. Und ist’s noch so ein blödes Werbeplakat, ein orthographisch okkultes Graffito oder auch nur ein in einer Pfütze schwimmender Zeitungsschnipsel - wir müssen’s lesen. Geht nicht anders.

… die Gegend ist im Kommen. (Foto: mawa/isarstadt.de)
Der Postbotewurfsender hat uns im Griff
Deshalb wandern bei uns all die Postwurfsendungen, die Stadtteil-Bladl und Werbebroschüren nicht direktemang in den Papierkorb, sondern werden treudoof durchgeblättert. Und wenn woanders was Schriftstückliches rumliegt: wird’s mitgenommen. Könnt ja was drinstehn. Und manchmal, ganz manchmal steht ja auch was drin. So wie im formidablen Stadtteil-Werbewurfdingens “Local Life”, das wilde Propagandabegleit-Prosa auf Hochglanz-Papier druckt. Dank der Jubeljournalismus-Gazette haben wir von einem höchst wundersamen Termin in unserem Kiez erfahren.
Der Ruffini Sappralott Komplex
Wir zitieren: “Stefan Aust liest - Der Baader Meinhof Komplex”. Naja, das ist noch nicht so spektakulär. Das macht der Herr Ex-Spiegel-Chef sicher seit Jahr und Tag. Aber wo: In der Stadtbibliothek in der Arnulfstraße 294. Wer bös ist, könnt’ jetzt sagen: Dafür, dass grad erst der Film zum Buch auf den großen Leinwänden lief, ist das doch, naja, eine eher kleine Nummer (beziehungsweise eine verdächtig hohe Hausnummer, wo doch die Arnulfstraße im Herzen der Stadt losgeht…).
Arnulfstraße is the new Schwabing. Oder so.
Weil wir aber nicht bös sind, sagen wir lieber: Ist doch schön, wenn ein bisserl Leben in die doch eher ruhige Gegend hier kommt. Und damit nicht genug: Wie uns eine weitere Publikation aus der “Local Life”-Liga, die “Elle” nämlich, in ihrem munter-mondänen München-Begleitheftchen verrät, kauft die Über-Akteurin Julia Jentsch ihre Bananen am liebsten im Bioladen gleich bei uns um die Ecke. Auf der Arnulfstraße. Es geht aufwärts!
Eintrag unter folgendem Thema abgelegt: Stadtleben, Literatur, Wohnen in München
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