Archiv 'Kurioses'

Faschings-Zug

Vor einigen Jahren gab’s mal einen netten kleinen Film mit Joachim Krol, “Zugvögel - einmal nach Inari“, in dem das begrenzt gesellschaftsfähige Hobby des Bahn-Fahrplan-Auswendiglernens vorgestellt wurde. Und wir meinen uns an eine Doku zu erinnern über Herren (das scheint ein vorwiegend männliches Hobby zu sein), die ihre Messie-Wohnungen mit den Timetables kurioser Fluggesellschaften tapezieren. Die ihr Heim nur verlassen, um im Supermarkt an der Ecke ein Packerl Milch und in Zellophan eingeschlagenen Leberkäs zu kaufen. Die aber auf Anhieb sagen könnten, wann der nächste Flieger nach Caracas geht oder wie man per Schmalspurbahn vom einen Ende Rügens zum anderen kommt. Die sich wie einst der gute Karl May vom Sofa aus durch die Welt träumen.

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Überlebensregel: Rechts stehen. Links gehen. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Sofasurfer und andere Insekten

Nun visitieren auch wir ganz gerne mal die Internet-Seiten verschiedenster Beförderungsbetriebe - aus rein utilitaristischen Gründen, versteht sich. So wollten wir heute zum Beispiel herausbekommen, wie wir per MVV von unserer Wohnstätte aus zu einer im privaten Kreise zu zelebrierenden Faschings-Sause kommen würden (verkleidet als Fliegenpilz und als Insekt - das vorgegebene Motto: “Alles, was fliegt”). Die Maschine schlug uns vor, von Neuhausen in die Stadtmitte hinein und dann aus selbiger wieder hinaus zu fahren. Fahrtzeit 50 Minuten. Hmm.

Der MVV liebt uns nicht

Als mit dem Münchner Streckennetz halbwegs vertraute Vielfahrer hatten wir eine andere Idee und manipulierten die Suche entsprechend. Nu brauchen wir plötzlich eine Viertelstunde weniger. Haben für die nächtliche Heimkehr mehr Verbindungen zur Auswahl. Und werden auf dieser Nebenroute vermutlich weniger Fahrgäste mit unserer Kostümierung erschrecken. Da frag’st dich freilich: Warum rücken die Bahnbeamten nicht gleich mit den günstigeren Strecken raus? Soll die zweite Röhre am Marienplatz legitimiert werden, indem man da möglichst viele Fahrgäste durchschickt? Und was ist mit all den Zugezogenen, die sich hierzustadt nicht genug auskennen, um selber auf Alternativen zu kommen? Genießen die das Leben in vollen Zügen?

14. Februar 2009 mawa 3 Kommentare

Carwishywashy

Wo München an einem sonnigen Samstag so richtig bei sich ist: Im Tambosi am Hofgarten? Beim Schumann in der Tagesbar? Im E-Garten oder im Nymphenburger Park? Im Ruffini oder beim Shoppen im Glockenbach? Hmm. Ja. Auch. Aber so richtig, richtig bei sich ist diese Stadt: Bei Mr. Wash an der Landsberger Straße. In der Autowaschanlage lassen sich die Herrschaften (und es sind wirklich fast ausschließlich Herren) aus den besseren Vierteln Münchens am Wochenende ihre Karossen für den Beauty Contest nächste Woche in der Firmen-Tiefgarage g’scheit aufbrezeln.

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Oh lord, won’t you buy me… (Foto: mawa/isarstadt.de)

Lack-Liebkosungen und Geweihpflege

SUVs und Firmenwagen und Oberklasse-Familienkutschen, Stern und Propeller und Geweih, man trägt Tod’s und den Pulli von Polo und Föhnfrisur und lässt sich von jungen Männern (wie gesagt: it’s a man’s world) aus fernen Ländern mal ordentlich, ähem, die Stoßstange polieren. Der 5-Euro-Standard (einmal durch die Waschstraße) ist was für’s Proletariat, wer etwas auf sich hält, wählt neben der Unterbodenpflege mindestens noch das Lederprogramm für ‘nen Fuffi. Um hundert Euro gibt’s Lack-Liebkosungen obendrauf - es stehen bereits einige Herren Schlange und die Jungs mit den Lederlappen halten Türen auf und Hände hin.

Para-Urbanität

Eine seltsame Szene - und doch auch irgendwie faszinierend. Die Landsberger Straße in ihrer schillernden Para-Urbanität ist eh eine Sache für sich. Die Aneinanderreihung von Autohäusern, Supermärkten und Fast Food-Klitschen wirkt fast amerikanisch: Eine typische Ausfallstraße, ein gesichtsloses globalisiertes Etwas. Und etwas amerikanisches hat auch die verdichtete Dienstleistungs-Gesellschaft beim Autopolierer. So nah sind sich der King of the Road und sein Knecht selten, so eng beinand’ sieht man Harlaching und Hasenbergl nicht oft. Gleich um die Ecke ist eine Haltestelle vom MVV. Wer keinen Wagen hat, spart sich die Wäsche.

24. Januar 2009 mawa 6 Kommentare

Zeitfensterln

Manchmal, da gerätst an einen Ort - mitten in München - der aus einer ganz anderen Zeit zu stammen scheint. Manchmal kommt’s dir vor, als wär’ ein Winkel der Stadt, sagen wir mal: im Jahr 1981, stecken geblieben. Als gäb’s all das moderne Drumherum nicht. Nehmen wir mal folgende Plakatwand in einer der Münchner U-Bahn-Stationen:

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Like it’s 1981. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Retro oder Asbach?

Während das Kammerspiele/Peter Licht-Plakat (das grüne links unten, das sich grundsätzlich prima ins Ensemble einfügt), noch klar macht, dass da jemand bewusst und intelligent und erfolgreich mit einem Retro-Look jongliert, sind wir uns scho’ bei der Kommödchen-Annonce nimmer so sicher. Da wird zwar auf Dustin Hoffman und Anne Bancroft und so weiter angespielt, so ganz schafft man aber nicht mehr den Bogen und dümpelt doch eher in der boulevard-theatrigen Asbachuraltigkeit davon.

Plattenbau-Archäologie

Richtig derbe Old School wird’s dann bei der Werbung für das schon immer etwas suspekt neben der schicken Pinakothek der Moderne herumlungernde hässliche Entlein “Reich der Kristalle”. In der Propagandaabteilung des wahrscheinlich bestpositionierten Plattenbaus und unbekanntesten Museums Münchens hat man ganz, ganz tief in die Mottenkiste gegriffen. Schon allein diese Schriften! Vielleicht sollte mal jemand auf die Wand schreiben, dass es sich hier um Events im München des Jahres 2009 n. Chr. handelt. Und nicht bloß um abstrakte Reißpapier-Relikte, die der Plakatkleber aus hunderten Schichten drüberliegender Poster herausgeschält hat. Obwohl: Archäologie ist’s so oder so.

14. Januar 2009 mawa 2 Kommentare

Maskenball à la bavaroise

Mei, Bappa, heit war’s gruslig! Heit war’s schee! Beim Perchten-Lauf in Eglharting. Was Landkreis EBE ist und damit nur knapp eine halbe Stunde von München entfernt. Wobei: Wer the real shit sucht, muss wahrscheinlich scho’ noch a Stückerl weiter aus dem Dunstkreis der Stadt herausfahren. In Eglharting fand der Raunacht-Zauber ein bisserl unromantisch zwischen den vierstöckigen Häusern einer 70er-Jahre-Siedlung statt.

Perchten
Bad Hair Day? (Foto: mawa/isarstadt.de)

Scary Movie live

Wir erinnern uns, vor ein paar Jahren mal in Wörgl in Österreich beim Krampus-Rennen gewesen zu sein - das war dann doch noch eine Spur uriger, eine Spur derber. Soll ja auch kein Kinderfasching sein, die Veranstaltung. Wer sich auch noch mal g’scheit fürchten will, findet z.B. auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks einige Raunacht-Termine bis zum Dreikönigstag (und auch Hintergrundinfos zum Brauchtum).

4. Januar 2009 mawa Kommentieren

Veihnachten!

Jawoll, ja, es ist soweit! Münchner Blog-Wichteln ist angesagt. Der Deal war: Je ein Ins-Internet-Schreiber schenkt einem anderen einen Text, ein Bild oder auch beides. Daher erscheint heute hier - so wie auch auf zwölf weiteren Münchner Blogs - ein Gast-Beitrag. We proudly present: Den wahrscheinlich bisher längsten (it’s in the Bild, baby!) Artikel auf isarstadt.de und sicher einen der charmantesten Einstiege. Vielen, vielen Dank dafür an Kerstin, die den großartigen Blog snowflakes & blackvampires betreibt!

Und ganz herzliche Grüße auch an alle anderen Teilnehmer des Münchner Blog-Wichtelns! Jedem einzelnen geneigten Leser sei nun eine Tour zu allen beteiligten Websites wärmstens an’s Herz gelegt - sämtliche Links stehen nochmal am Ende dieses Postings. So wie übrigens auch der Hinweis, auf welchem Blog der isarstädtische Wichtel-Text zu finden ist. Nun aber der Beitrag von Kerstin! Enjoy!

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“Nenn mich nicht Walentin, du nennst ja auch nicht deinen Vater Water.”

Die Lichter, winterlichen Düfte und Dekorationen zur Adventszeit in der Münchner Innenstadt finde ich wunderbar. Weihnachten ist eine Zeit zum Träumen. Für mich bedeutet Weihnachten kein Stress, keine Familienstreitigkeiten - einfach nur Sinnlichkeit genießen.

Allerdings sollte man das für sich behalten. Alle Leute um mich herum sind gestresst, hassen Weihnachten, sind depressiv und übellaunig. Das fing schon mit ca. 7 Jahren an als mein Vater beschlossen hatte, das Konsumverhalten an Weihnachten würde ihm auf die Nerven gehen und es würde keine Weihnachtsfeier mehr für uns geben. Zu der Zeit wohnten wir in Indien und sogar die Hindus feierten Weihnachten. Wenn auch nicht sinnlich sondern mit Böller und Plastikbäumen, reichte ihm schon die Vorfreude der Kinder um das Fest einfach abzusagen.

Heimlich gab es mit unserer Mutter unter einer Palme doch noch ein paar Plätzchen. Auch ein heimliches Fest ist ein wunderbares Fest. Später (als Jugendliche) legte ich selbst keinen besonderen Wert auf Familienfeiern. Aber gefreut habe ich mich immer auf den ersten eigenen Weihnachtsbaum, den ich haben würde wenn ich mal Kinder bekommen würde.

Valentin: Ich krieg eine Schachtel Dritte Sorte.
Verkäufer: Ja, bei uns gibt es keine Zigaretten zu verkaufen.
Valentin: Was gibt’s denn dann?
Verkäufer: Bei uns gibt es nur Schallplatten und Gramaphone.
Valentin: Dann gebn S’ mir halt ein Gramaphon.

Jetzt habe ich Kinder und - wenn schon nicht Weihnachten - so feiern wir doch Channukah. Das ist auch wunderbar und ein schönes Lichterfest. Und doch trauere ich ein wenig dem kleinen Weihnachtsbaum meiner Vorstellung nach.

Karlstadt: Ich möcht bloß wissen, ob’s bei andere Leut auch so zugeht wie bei uns.
Valentin: Genauso!

Seit ca. 8 Jahren wohnen wir nun in der Münchner Innenstadt und an jedem Eck gibt es einen Weihnachtsmarkt. Jedes Fenster ist dekoriert und alles ist hell erleuchtet. Ich feiere also im Stillen mit und genieße das genauso. Egal ob um die Ecke beim Pink-Christmas oder auf dem Mittelaltermarkt, beim Schwabinger oder bei all den anderen Christkindlmärkten, jeder kann für sich den richtigen Ort finden und genießen. Ich bin froh, dass ich so zentral wohne, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt als hin und wieder mal über einen Münchner Weihnachtsmarkt zu stolpern.

Der Münchner Komiker Valentin hätte dazu gesagt: “Ich bin auf Sie angewiesen, aber Sie nicht auf mich! Merken Sie sich das!”


Mehr Wichtel-Texte gefällig? Aber bitte doch! Hier geht es weiter: abspannsitzenbleiber, Digitale Notizen, Dr. Sno*, Lyroholisch, münchenblogger, rettet das mittagessen, Snowflakes & Black Vampires, Stadtneurotiker, Tivoli-Blog, Unilife live, Vorspeisenplatte. Und ganz besonders freu’n tät’s uns natürlich, wenn Ihr auch den isarstadt-Wichteltext auf Helgas Notebook München anguckt.

10. Dezember 2008 mawa 12 Kommentare

Into the wild

Die Stadt. Ziel der Begierde. Selbst die früher als klassische Speckgürtler qualifizierten Doppelverdiener und Jungfamilien wollen heutzutage in der City leben. Wollen nicht nur Kita und Ki-Ba, sondern auch Kneipe und Kiosk und Konsum und Kultur in Gehweite haben. Was ist mit dem einstigen Ideal von Gartenhobbyraumgästeklo? Ach, sooo wichtig ist das gar nicht. Man kann ja nicht alles haben. So weit, so gut. Manchmal allerdings brennt bei den domestizierten Suburbanisten dann doch eine Sicherung durch und sie lassen ihren naturnahen Urinstinkten (bitte wie folgt lesen: Ur-Instinkten) freien Lauf.

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Das ist doch der Wipfel! (Foto: Stefanie L./stock.xchng)

Light my Adventskranz

In der Vorweihnachtszeit, noch vor’m ersten Lichtlein, äußert sich das beispielsweise in der verzweifelten Suche nach Nadelgewächsen in Freilandhaltung, aus denen sich ganz old fashioned ein Adventskranz flechten lässt. Einer, der eben nicht vom Tenkelmann kommt, sondern frisch vom Baum. Nur: Woher sollst es nehmen, das Grünzeug, in der doch eher tannen-armen Innenstadt? Da musst halt improvisieren, mag sich ein offensichtlich DIY-erprobtes Pärchen gedacht haben, das wir gestern Nachmittag im Gestrüpp vor der Alten Pinakothek beobachtet haben.

Teilzeit-Thoreaus

Tatsächlich bereits mit einem Strohgebinde aus dem Bastelladen unter’m Arm, grasten die gepflegt wirkenden Golf-Generationisten beflissen die bodennahe Botanik nach Verwertbarem ab. Wären wir vom Anblick des seltsamen Treibens nicht quasi paralysiert gewesen, hätten wir den Teilzeit-Thoreaus am liebsten zugerufen: “Nein, tut das nicht!”. Denn uns grämt die Vorstellung doch sehr, dass jetzt heute zwei liebe Mitstädter - die offensichttlich von Tanninen und TANs und Tanning-Cremes mehr Ahnung haben als von Tannen - einen räudigen Kranz aus Kraut und Kieseln und Kronkorken auf dem Küchentisch liegen haben werden, der obendrein einen saftigen Odeur von Hundekot und nasser Erde verströmt. Oh my gosh, my golly!

30. November 2008 mawa Kommentieren

Present Sentences

Die Bilanz der vergangenen Jahre: Ein Büchergutschein für Lehmkuhl’s (ausgezeichnet angelegt in “Mr Thundermug” von Cornelius Medvei). Eine Packung Kühlschrank-Magneten zum Wörter-Puzzlen (beim letzten Umzug verlegt). Ein Erdmutter-Kerzenständer vom Tollwood (auch, äh, verlegt). Und tatsächlich mal Lavendelkissen. Geschätzte 87,2 Prozent aller Menschen stehen dem zumeist im beruflichen oder nachbarschaftlichen Umfeld zelebrierten Wichteln ablehnend bis ausgesprochen aggressiv gegenüber. Weitere 10,4 Prozent stehlen sich aus der Affäre, indem sie Darmgrippe, einen Arbeitsunfall oder den Tod des heimischen Hamsters simulieren. Und wir? Lieben den Brauch.

Blog-Wichteln
And the Wichtel goes to… Leider nicht mehr ins Bild (also auf unsren Küchentisch) gepasst hat der nette Notar, der über die einwandfreie Ziehung der Wichtel-Lose gewacht hat. Dafür hat er ‘ne Kiste Kekse mit auf den Weg bekommen. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Salz auf der Arbeitskollegen Haut

Vorausgesetzt natürlich, er wird vernünftig betrieben. Ist doch eine großartige Sache, wenn man sich mal Gedanken macht (bzw. machen muss), was dem Arbeitskollegen, mit dem man 200 Tage im Jahr einen Tisch in der Kantine teilt, privat Freude bereiten könnte. Wenn man den Nachbarn mal mehr als nur ein Pfund Salz oder eine mittelgute Flasche Rotwein schenkt. Wenn man sich also ein bisserl Mühe gibt. Etwas Persönliches gibt.

Schatz, da waren Fremde auf meinem Blog

Unter diesem Motto, soll auch das Blog-Wichteln stehen, zu dem wir jetzt zweieinhalb Handvoll Münchner Blogger überreden konnten. Naheliegenderweise besteht die Wichtel-Währung aus Texten, Fotos oder was man sonst noch so auf einem Bildschirm basteln kann. Das Prinzip ist einfach: Seit gestern weiß jeder Teilnehmer, wen er bewichteln wird (noch nicht jedoch, von wem er selber etwas erhält). Und am 10. Dezember sollen das die fremden Beiträge auf dem eigenen Blog veröffentlicht werden.

Und wer hat das Wichteln erfunden? Die Franken.

Patentieren lassen werden wir uns diese Idee nicht, denn wie wir mittlerweile erfahren haben, betreibt ein Blogger im fernen Franken das Blog-Wichteln nun schon im dritten Jahr. Aber es soll ja auch keine Konkurrenz-Veranstaltung sein, sondern wir wollten’s ganz bewusst regional halten und haben deshalb auch eine kleine Themenvorgabe abgemacht: Um München soll’s gehen. Und um Weihnachten. Wir sind schon sehr gespannt und empfehlen an dieser Stelle schon mal den geneigten Blick auf die teilnehmenden Münchner Blogs:

abspannsitzenbleiber
Bogenhausener Geschichten
Digitale Notizen
Dr. Sno*
isarstadt natürlich
Lyroholisch
münchenblogger
Notebook München
Snowflakes & Black Vampires
Tivoli-Blog
Unilife live
Vorspeisenplatte

Update: Auch dabei sein werden nun noch die Herren Mittagesser und Stadtneurotiker. Sehr schön, damit sind wir 14!

25. November 2008 mawa 3 Kommentare

Radikal z’amruckn

Wir sind U-Bahn gefahrn. Gestern Abend. Mit dem Kamerun Schorsch. Und der fünfzigköpfigen Ninfo-Gesellschaft. Von der Maximilianstraße nach Berg am Laim. Von den Kammerspielen zur “Taverne Odyssee”. Wir haben eine Theaterkarte gelöst, um dann im Hinterzimmer eines Quartier-Griechen zu landen, irgendwo zwischen Neubau-Nichts und dickwandigen Blue Collar-Behausungen und dem Bahnhof Innsbrucker Ring. “Informationsverweigerungsabend” nennt sich die Gaudi. Ja.
Genau!

ninfo
Da vorne spielt das Theater. (Foto: mawa/isarstadt.de)

Buy Out in Berg am Laim

Es versprach, eine der vielleicht spannendsten Veranstaltungen des Info/Ninfo-Programms zu werden, mit dem der Populär-Punk Kamerun derzeit das Neue Haus der Kammerspiele bespielt. Weil: Nix is fix. Nix is klar. Vor’m Theater treffen, hieß die Ansage. Und dann irgendwie, irgendwohin nach Berg am Laim, den missachteten Stadtteil, den der Spielleiter Schorsch in einem Interview mit der muenchenbloggerin Lisa Sonnabend mal eben zum neuen In-Viertel deklariert hat (großartiges Zitat: “Da kann man jetzt schon mal in Immobilien investieren, wenn man zum Beispiel eine BayernLB ist …”).

Kahlschlag im Bauerntheater

Nu sitzen wir dann also im Bauerntheater-Saal des Lokals, trinken das versprochene Freibier und auf der Bühne werden Zitronen-Variationen gegeben. Die sind mal: So. Und mal: Naja. Der Master of Ceremony fragt - wie man das dieser Tage halt so fragt - ob denn die Leute im Saal Rauchverbot haben wollen oder nicht. Da sagt einer ernsthaft doof: “Rauchen! Brechen wir mit den Konventionen!”. Und da entgegnet einer ehrlich schlau: “Das ist nicht radikal. Das ist höchstens kahl”. Und dann rauchen sie natürlich alle. Erinnert alles ein bisserl an eine Sitzung des Kleingartenvereins samt szenischer Darbietung der Gauvorsitzenden-Gattin. War’s das?

Theater? Ensemble!

Nein. Das war’s nicht. Denn vermutlich ging es weder um den kurzen Trumpf des Theater-Trupps noch um das Erlebnis des sanft Suburbanen, das vielleicht von den Hipstern in der Gruppe als Kontrastprogramm zur eigenen Lebenswirklichkeit wahrgenommen worden sein mag. Es ging, glauben wir, um’s Ruck ‘ma zam. Um’s Miteinanderreden in einer Stadt, in der man eher nicht miteinander redet. In der man miteinander U-Bahn fährt, ohne miteinander U-Bahn zu fahren. Der spontan sympathische, im gesellschaftlichen Gegenentwurf geschulte Wahl-Münchner Schorsch Kamerun hat es gut mit uns gemeint. Hat es auf unser aller Wohl abgesehen. Und das ist, mal wieder und ganz ohne Ironie: Radikal.

13. November 2008 mawa 4 Kommentare

Extra unschuldiges Öl

Also, wenn jetzt hier irgendjemand noch einen Beweis dafür braucht, dass die Zeiten schlechter werden, dass wir alle den Gürtel enger schnallen und uns die Butter vom Brot nehmen lassen müssen, dass das Glas eher dreiviertel leer als halb voll ist, kurzum: dass es an allen Ecken und Enden rezessiert, inflationiert und kriseliert, wer all das noch nicht mitbekommen hat, der möge nur mal eben einen Blick werfen auf die neue Generation der Hugendubel-Tragetaschen.

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Läuft ois wie g’schmiert (Foto: G.-J. Blanchard/stock.xchng)

Zipfibob-Ersatz

Hat das Kulturkaufhaus seine Waren (also vornehmlich DVDs, Modezeitschriften oder Multimedia-Stadtführer - ab und an auch mal ein Buch) bis vor kurzem noch im Modell Superrobusta verpackt, wird einem seit Neuestem ein Tüterl der Marke Windig überreicht. In den guten alten Zeiten haben sich mit den dicken, schweren Hugendubeltüten Häftlinge aus St. Adelheim abgeseilt. Kinder haben sie im Winter als Zipfibob-Ersatz genutzt. Und die alte Irmi von Stand 53 am Viktualienmarkt soll der Legende nach in den Plastiktüten regelmäßig ihre Fracht von 130 Kilo Sieglinde festkochend von ihrem Bauernhof im Niederbayrischen bis nach München transportiert haben. Auf dem Kopf balancierend! Zu Fuß! Strumpfsockert! Und nach dem Kirchweihtag stets sturzbesoffen!

Extra Vergine auf der Leopold

Aber natürlich müssen wir uns gerade in knappen Zeiten wie diesen sagen: Es ist nicht alles schlecht. Man bedenke: Plastiktüten werden bekanntlich aus Öl hergestellt. Wenn der Hugendubel nun also weniger Öl in seine Tascherln pumpt, dann bleibt mehr übrig für die Tankstellen - die bereits in der vergangenen Woche mit Schleuderpreisen reagiert haben. Und solange der Sprit billig ist, solange wir Münchner also weiterhin ganz easy in unseren SUVs und Zweit-Minis und Dritt-Cinquecentos die Leopoldstraße auf und ab zuckeln können, gibt’s doch auch keine Krise. Oder?

26. Oktober 2008 mawa Kommentieren

Isar-Shoegazing

Mal wieder ein München-Spiel (es sei an dieser Stelle an unsren letztjährigen Vorschlag erinnert). Was für die letzten warmen Tage. Wir nennen’s Isar-Shoegazing. Und das geht so: Wir starten zwischen Maximilians- und Ludwigsbrücke und gehen flußaufwärts bis hinter die Tierparkbrücke. Gehen immer entlang der ufernahen Trampelpfade. Und dechiffrieren dort den vergangenen Sommer: anhand der ins Erdreich gedrückten Bier-Kronkorken. Denn die sagen einiges aus über das Leben in den Vierteln, die sich - für uns von diesem Standort aus unsichtbar - entlang des Isar-Ufers erstrecken.

Kronkorken
Was vom Sommer übrig blieb (Foto: J. Noer/stock.xchng)

Schwabensekt und Preißnplörre

Quatsch? Nö. Funktioniert wirklich. Beginnen wir beim Startpunkt: Hier herrscht ein wildes Durcheinander an Kronkorken, soll heißen: verkonsumierten Bier-Marken. Logisch: Hier trifft sich ganz München, hier ist jeder mal gewesen - und sei’s nur zum eher lauen Brückenfest. Dann, ab der Corneliusbrücke: Beck’s, Beck’s Gold, Beck’s Green Lemon, Tannenzäpfle, Tegernseer. Wir analysieren: Hier trinkt man nicht irgendwas, sondern gerne das, was grad im Trend ist. Oder was einen an die Heimat (Schwaben, Norddeutschland anybody?) erinnert, die man für ein paar Jahre verlassen hat, um in der Isarstadt an der Kunstakademie oder der Modeschule zu studieren oder eine weitere Kneipe streng nach Wallpaper-Bausatz aufzumachen. Glockenbach? Au? Obviously.

Was das Lätschnbräu zu uns spricht

Erst wenn Augustiner endlich die Oberhand gewinnt, fühlen wir uns richtig daheim in München. Ein bisserl Lätschnbräu mischt sich dazwischen, ein wenig Hacker (formerly known as the proud purveyors of Nährbier). Was Löwen halt so trinken (einer Studie zufolge stehen Fußballfans so stark hinter den Sponsoren ihres Vereins, dass sie alles essen / trinken / kaufen, was der bewirbt - auch wenn ihnen was andres eigentlich besser schmeckt…). Unsre Kronkorken-Soziologie verrät uns: Wir befinden uns unterhalb von Giesing.

Naked men only drink Selbstbräunungscreme

Am Flaucher schließlich zeigt sich ein weiterer Vorteil der gebückten Shoegazer-Haltung, des gen Boden gerichteten Blicks: So müssen wir all die nackerten alten Männer nicht sehen, die sich dort ein letztes Mal in diesem Jahr naturrösten. Interessant wird’s dafür wieder ganz nah an der Tierparkbrücke: Hier haben offensichtlich marketingresistente Zeitgenossen getrunken, Menschen, denen es mehr auf den Inhalt ankommt als auf die Verpackung. Und die man wohl als Vielnutzer klassifizieren könnte. Die unbeschrifteten Kronkorken lassen vermuten: Bayernhalbe, Öttinger & Co. Na dann: Prost. Bis zum nächsten Sommer!

9. Oktober 2008 mawa Kommentieren

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